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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stern von Indien; Sternseher; Sterntag; Sternträger; Sterntypen; Sternuhren; Sternum; Sternutation; Sternwarte

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Sternseher - Sternwarte

seine Bahn weiter fort. Außer unzähligen vereinzelten Meteoroiden, die meist in langgestreckten Ellipsen die Sonne umkreisen, kommen aber auch vielfach Meteorschwärme oder Meteorringe vor, d. h. unzählige Meteoroiden bewegen sich in einer gemeinsamen Bahn. Die Bahn ist dann in ihrem ganzen Umfang mit Meteoroiden besetzt, an den einzelnen Stellen mehr oder weniger dicht. An einer Stelle aber findet gewöhnlich eine ganz besonders starke Anhäufung derselben statt, eine dichte Wolke von Meteoroiden. Befindet sich diese gerade im Kreuzungspunkt ihrer Bahn mit der Erdbahn und die Erde gleichzeitig auch an dieser Stelle, was immer nach Ablauf einer gewissen Periode eintreten muß, so findet ein ganz besonders starker Sternschnuppenfall statt; immer aber wird bei der jährlichen Wiederkehr der Erde zu dieser Stelle, auch wenn nicht gerade diese Meteorwolke dieselbe passiert, die Häufigkeit der S. größer sein als gewöhnlich. Derartige Meteorschwärme verdanken ihre Entstehung meist Kometen, die einen Teil ihrer ursprünglichen Masse längs ihrer Bahn zerstreut oder sich auch bereits gänzlich aufgelöst haben. Entgegen dieser Anschauung ist von anderer Seite auch die Ansicht ausgesprochen worden, daß die Kometen sich erst aus der Verdichtung von Meteorschwärmen bildeten. Welches auch die richtige Ansicht sein mag, möglichenfalls können es auch beide zugleich sein, so ist doch ein inniger Zusammenhang zwischen Kometen und S. jedenfalls als sicher anzunehmen.

Reichlichere Sternschnuppenfälle, veranlaßt durch das Kreuzen der Erde mit bekannten Meteorschwärmen, finden jedes Jahr zu folgenden Zeitpunkten statt, denen der zugehörige Radiant, d. h. die Gegend des Himmels, aus der die S. zu kommen scheinen, beigefügt ist: 2. bis 3. Jan., Hercules; 12. April, Leier; 25. bis 30. Juli, Schwan; 8. bis 12. Aug., Perseus (Laurentiusschwarm oder Perseïden); 15. bis 23. Okt., Orion und Stier; 12. bis 14. Nov., Löwe (Novemberschwarm oder Leoniden); 27. bis 29. Nov., Andromeda; 6. bis 13. Dez., Zwillinge. Die Perseïden treten beinahe jedes Jahr in gleicher Häufigkeit auf, während die Leoniden alle 33 Jahre Veranlassung zu den ganz besonders starken Sternschnuppenfällen geben.

Vgl. Schiaparelli, Entwurf einer astron. Theorie der S. (deutsch von Boguslawski, Stett. 1871); Boguslawski, Die S. und ihre Beziehungen zu den Kometen (Berl. 1874).

Sternseher, Fisch, s. Himmelsgucker.

Sterntag, s. Sternzeit.

Sternträger, s. Kreuzherren.

Sterntypen, die von Secchi eingeführte Bezeichnung für die charakteristischen Grundformen der Sternspektren. Secchi unterscheidet vier S. Dem 1. Typus gehören die weißen oder wenig bläulichen Sterne an (z. B. Wega, Sirius, Atair, Regulus, Rigel, drei Sterne des Großen Bären mit Ausnahme von α Ursae majoris; sie zeigen ein Spektrum, das sich durch vier dunkle Linien auszeichnet, die in dem Spektrum des glühenden irdischen Wasserstoffs vorkommen. Da diese Linien in dem Sternspektrum eine große Breite haben, so schließt man daraus, daß die absorbierende Schicht des Wasserstoffs sehr dick ist und eine hohe Temperatur hat. Der zweite Typus umfaßt die gelben Sterne (Capella, Pollux, Arktur, Aldebaran, Procyon u. s. w.) und unsere Sonne. Zu dem dritten Typus gehören die roten Sterne α Orionis, β Pegasi, Mira Ceti, Antares, α Herculis u. a.). Die Absorptionslinien sind mehr Streifen als Linien und sprechen für das Vorhandensein von Magnesium, Natrium und Eisen. Der vierte Typus der Fixsternspektren zeigt drei helle, durch dunkle Zwischenräume getrennte Bänder, von denen das glänzendste im Grün liegt, das zweite (viel schwächere) im Blau; das dritte, im Gelb, erstreckt sich bis zum Rot und zerfällt oft in mehrere Abteilungen. Dieses Spektrum hat die größte Ähnlichkeit mit dem Kohlenstoffspektrum. Von den untersuchten Sternen gehört etwa die Hälfte dem ersten Typus, ein Drittel dem zweiten Typus, die meisten der übrigen dem dritten Typus an; den vierten Typus zeigen nur schwächere Sterne.

Sternuhren, s. Uhren.

Sternum (grch. sternon), das Brustbein, s. Brust.

Sternutation (lat.), das Niesen; Sternutoria, Schnupfmittel.

Stern von Indien und Stern von Rumänien, s. Sternorden.

Sternwarte oder astronomisches Observatorium, ein zu astron. Beobachtungen eingerichtetes Gebäude. Haupterfordernis für dasselbe ist möglichst freie, vor Erschütterungen des Bodens geschützte ruhige Lage, wenn möglich weit außerhalb der Stadt. Von der Idee, die S. auf hohen Türmen unterzubringen, ist man wegen der Schwankungen und Erschütterungen, denen gerade hohe Türme ausgesetzt sind, schon seit Anfang dieses Jahrhunderts abgekommen und stellt die Beobachtungsinstrumente möglichst zu ebener Erde auf. Instrumente, wie Refraktoren, Heliometer und große Universalinstrumente, bei deren Benutzung ein Ausblick nach allen Himmelsrichtungen nötig ist, bringt man in niedern Türmen unter, deren Kuppeln drehbar sind und sich durch breite Klappenvorrichtungen bis ins Zenith hinauf öffnen lassen. Diese Instrumente selbst stehen in den Türmen auf massigen gegen den Fußboden und die Wände gut isolierten Backsteinpfeilern, die noch beträchtlich tiefer als die Turmmauern fundiert sind. Zur Aufstellung von Meridiankreis und Passageninstrument dienen Räume mit breiten Durchschnitten von Nord nach Süd, die durch Klappenvorrichtungen verschließbar sind. Große, gut isolierte Mauerblöcke, auf denen sich erst die die Instrumente tragenden Pfeiler erheben, bieten den nötigen Schutz gegen Erschütterungen des Bodens. Die Hauptuhr der S. ist in einem trocknen Raum von möglichst unveränderlicher Temperatur untergebracht. Die Ausrüstung der einzelnen S. mit Instrumenten ist je nach den verfügbaren Mitteln und den speciellen Zwecken der daselbst anzustellenden Beobachtungen sehr verschieden. Soll die S. vorwiegend der Bestimmung der Örter von Gestirnen dienen, so wird man das Hauptgewicht auf Beschaffung eines guten Meridiankreises, eines größern Refraktors mit Mikrometer oder auch eines Heliometers legen; soll sie vornehmlich astrophysik. Zwecken dienen, wie z. B. die S. zu Potsdam, so gehören große Refraktoren mit Spektralapparaten, photogr. und photometrische Hilfsmittel zur notwendigen Ausrüstung. Außerdem sind kleinere Instrumente zu gelegentlichen Beobachtungen, Chronometer, Barometer und Thermometer, Sternkataloge und Sternkarten auf jeder S. vorhanden; auch verfügt die Mehrzahl der S. über gute Bibliotheken der Fachlitteratur. Die S. sind teils Staatsinstitute, teils sind sie von Privatleuten gegründet, so namentlich in Nordamerika. Von staatlichen S. sind in Deutschland in erster Linie zu nen-^[folgende Seite]