Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stesichorus; Stetefelds Röstofen; Stethograph; Stethoskop; Stetigkeit; Stettenheim; Stettin

338

Stesichorus - Stettin

(bei Ratschinges) bedeutende Porphyr- und Marmorbrüche. In der Nähe die Burg Sprechenstein und die Schlösser Thumburg und Reifenstein. Das berüchtigte Sterzinger Moos, wohin der Volkswitz die alten Jungfern versetzt, ist seit 1877 entsumpft. - S. ist das röm. Vipitenum und blühte im 13. und 14. Jahrh. durch den Handelsverkehr über den Brenner und den Jaufen sowie durch die in der Nähe erschlossenen Silbergruben. In S. versammelten sich mehrmals die Tiroler Landtage; das mittelalterliche Drama (Volksspiel) war hier in großer Blüte. - Vgl. Pichler, Das Drama des Mittelalters in Tirol (Innsbr. 1850); Raber, Sterzinger Spiele (hg. von Zingerle, 2 Bde., Wien 1885); Fischnaler, S. am Eisack (3. Aufl., Innsbr. 1892).

Stesichorus, griech. Lyriker, war zu Himera auf Sicilien geboren und lebte von der zweiten Hälfte des 7. bis zur Mitte des 6. Jahrh. v. Chr. Von ihm schreibt sich ein großer Fortschritt in der kunstmäßigen Ausbildung der Chöre und des Chorgesangs her. Seine Gedichte behandeln fast durchgängig epische Stoffe, aber in lyrischer Form (in Chorgesängen, die an den Festen der Götter und der Heroen vorgetragen wurden) und waren von weitreichendem Einfluß auf die Umbildung der Mythen in der auf ihn folgenden Poesie, sowie in der bildenden Kunst. Seine "Zerstörung Ilions" lieferte den Stoff zu dem Hauptbilde der sog. Ilischen Tafel (s. d.). Besonders stark tritt in seiner Lyrik die Liebesleidenschaft hervor. Berühmt war seine Palinodie auf Helena. Die Bruchstücke sind gesammelt in Bergks "Poetae lyrici graeci" (4. Aufl., Lpz. 1882), mit deutscher Übersetzung in Hartungs "Griech. Lyrikern", Bd. 1 (ebd. 1855). - Vgl. Crusius, S. und die epodische Komposition in der griech. Lyrik (in den "Commentationes Ribbeckianae", Lpz. 1888); Jahn, Griech. Bilderchroniken (hg. voll Michaelis, Bonn 1873).

Stetefelds Röstofen, s. Gold.

Stethograph (grch.), ein von Riegel angegebener Apparat zur graphischen Darstellung der Atembewegungen (Stethogrăphie).

Stethoskop (grch.), Hörrohr, ein von Laennec erfundenes Instrument, dessen man sich zur Auskultation (s. d.) bedient, besteht aus einem hohlen Cylinder von Holz, Elfenbein oder Hartgummi, der oben mit einer konvexen oder konkaven Scheibe versehen ist. Man setzt dieses Instrument mit dem untern Ende auf die zu untersuchende Körperstelle und legt dann das Ohr auf die Scheibe. Hierdurch wird der Schall aus einer bestimmten umschriebenen Stelle des Körpers sicher ins Ohr des Arztes geleitet und sogar (durch Konsonanz der Luftschicht im Hörrohr) noch etwas verstärkt.

Stetigkeit, bei mathem. Größen (im Gegensatz zu diskreten Größen) soviel wie Kontinuität (s. d.). Eine Funktion wird stetig genannt, wenn einer beliebig kleinen Änderung der Variabeln stets auch nur eine beliebig kleine Linderung des Funktionswertes entspricht.

Stettenheim, Jul., Humorist, geb. 2. Nov. 1831 in Hamburg, studierte in Berlin Philosophie, gab unter anderm den "Almanach zum Lachen" (1858-62) heraus, gründete 1862 in Hamburg das Witzblatt "Wespen" (seit 1868 in Berlin, s. Deutsche Wespen) und 1885 in Stuttgart die Monatsschrift "Das humoristische Deutschland". Unter den typischen Figuren, die S. geschaffen hat, ragt der Kriegsberichterstatter "Wippchen in Bernau" hervor. Von "Wippchens sämtlichen Berichten" erschienen gesammelt 11 Bände (Berl. 1878-97), außerdem "Wippchens gesammelte Gedichte" (2 Bde., ebd. 1889-94). Ferner veröffentlichte S.: "Muckenichs Reden und Thaten" (Berl. 1885), "Brotlose Künste" (ebd. 1890), "Humor und Komik" (ebd. 1891), "Wippchen in Chicago" (ebd. 1893), "Ein lustig Buch" (ebd. 1894), "Heitere Erinnerungen" (ebd. 1895), "Humoresken und Satiren" (ebd. 1896), "Tausend Ein- und Zweizeiler" (ebd. 1896) u. a.

Stettin. 1) Regierungsbezirk der preuß. Provinz Pommern, grenzt im N. an die Ostsee, im S. an die Provinz Brandenburg, im W. an Mecklenburg und im O. an den Reg.-Bez. Köslin, ist meist Flachland und steigt nur im SO. an; er wird bewässert von zahlreichen Flüssen (Peene, Ücker, Oder, Ihna, Rega) und Seen (Madüe, Plöne, Dammscher See), hat hauptsächlich Ackerbau, Viehzucht und Waldbestand. Der Regierungsbezirk hat 12 077,53 qkm und (1895) 785 229 (385 953 männl., 399 276 weibl.) E., 36 Städte mit 1021,58 qkm und 343 068 (167 047 männl., 176 021 weibl.) E., 983 Landgemeinden und 834 Gutsbezirke mit 11 055,95 qkm und 442 161 (218 906 männl., 223 255 weibl.) E. Dem Religionsbekenntnis nach waren 760 615 Evangelische, 14 405 Katholiken, 3742 andere Christen und 6416 Israeliten.

Der Regierungsbezirk zerfällt in 13 Kreise:

^[Tabellenanfang]

Kreise qkm Wohnstätten Einwohner Evangelische Katholiken Israeliten

Demmin 981,87 5176 47 588 46 807 638 73

Anklam 650,71 3090 31 706 31 165 381 134

Usedum-Wollin 689,19 7115 51 404 50 563 473 255

Nekermünde 831,71 5557 52 680 50 558 1844 232

Randow 1315,72 8598 118 208 115 170 1937 460

Stadtkreis Stettin 60,38 5249 140 724 130 704 5628 2850

Greifenhagen 964,53 5870 50 528 49 962 235 183

Pyritz 1044,88 4929 43 632 42 758 471 307

Saatzig 1220,02 7618 70 176 66 986 1484 835

Nangard 1228,25 6360 54 266 53 348 512 342

Cammin 1136,16 5102 43 456 43 141 132 178

Greifenberg 764,52 4116 35 435 35 067 137 205

Regenwalde 1189,59 4694 45 426 44 386 533 362

^[Tabellenende]

Der Regierungsbezirk wird eingeteilt in 7 Reichstagswahlkreise: Demmin-Anklam (Abgeordneter 1895: Graf von Schwerin, deutschkonservativ); Ückermünde-Wollin (Gaulke, Freisinnige Vereinigung); Randow- Greifenhagen (von der Osten, deutschkonservativ); Stadt S. (Herbert, Socialdemokrat); Pyritz-Saatzig (von Schöning, deutschkonservativ); Naugard-Regenwalde (von Dewitz, deutschkonservativ); Greifenberg-Cammin (von Normann, deutschkonservativ). - 2) Hauptstadt der Provinz Pommern und des Reg.-Bez. S. und Stadtkreis, an der Oder, von der hier rechts die Parnitz und 1½ km unterhalb derselben der Dunzig zum Dammschen See abfließen, liegt 53° 22' 10'' nördl. Br. und 14° 42' 39'' östl. L. von Greenwich. (Hierzu ein Stadtplan mit Verzeichnis der Straßen u. s. w.)

^[Abb.]

Anlage, Brücken. Die eigentliche Stadt besteht aus der hügeligen, engen Altstadt und der seit 1850 im S., W. und N. davon entstandenen Neustadt auf dem linken Ufer der Oder und den Stadtteilen Lastadie und Silberwiese rechts von der Oder zwischen Parnitz und Dunzig. Hierzu kommen die ausgedehnten Vorstädte auf dem linken Oderufer, die Unter- und Oberwiek, Pommerensdorfer Anlage,