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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sticknadeln; Stickoxyd; Stickoxydul; Stickperlen; Stickrahmen; Stickseide; Stickstoff

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Sticknadeln - Stickstoff

zum Besticken von Tüll zur Herstellung von Tüllspitzen. Mit der Handstickmaschine kann sie in Bezug auf Schönheit, Feinheit und Genauigkeit der Arbeit nicht konkurrieren; auch können echte Festons auf derselben nicht hergestellt werden.

Bei den mit Öhrnadeln arbeitenden Tambouriermaschinen wird die Bewegung, die zur Einstellung eines neuen Stichpunktes in die Arbeitsrichtung notwendig ist, vielfach den stichbildenden Werkzeugen, der Nadel und dem Greifer, erteilt. Derartige Maschinen wurden zuerst Ende der sechziger Jahre von A. Voigt in Chemnitz angegeben, später von Billwiller in St. Gallen u. a. verbessert. Sie eignen sich besonders zum Besticken großer Zeugflächen und finden daher vorzugsweise in der Tüll- und Mullgardinenstickerei Anwendung. Leistungsfähiger sind die mit Hakennadel versehenen Tambouriermaschinen, von denen die von dem Franzosen Antoine Bonnaz 1866 erfundene namentlich in der Hausindustrie am meisten verbreitet ist, da dieselbe sowohl hinsichtlich der Arbeitsgeschwindigkeit (1800 Stiche in der Minute, gegen 20-25 einer Handstickerin) als in der Mannigfaltigkeit der erzeugten Stickarbeiten von keiner andern Tambouriermaschine erreicht wird und durch Weglassung des Rahmens sowie durch zweckmäßige Einrichtung des Stofftransports eine kompendiöse Anordnung ermöglicht, ohne daß sie dadurch für das Besticken großer Flächen weniger brauchbar wird. Zahlreiche Hilfsapparate machen diese Maschine zur Ausführung besonderer Zierstiche, zum Aufnähen von Litzen und Schnüren (Soutachieren), zur gleichzeitigen Herstellung mehrerer Kettennähte aus einem Faden u. s. w. vorzüglich geeignet.

Von der durch diese Maschine verwirklichten Stichbildung geben die Fig. 7-9 einen Begriff; Fig. 7 zeigt, wie die oberhalb des Stoffes senkrecht geführte Hakennadel N beim Abwärtsgang innerhalb der zuletzt gebildeten Kettenschleife a den Stoff s durchdringt und hierbei in den Schwingungsbereich des oscillierenden Fadenführers F gelangt, durch den der von einer Spule ablaufende Stickfaden f dem Stoff zugeleitet wird. Durch Drehung dieses Führers in der durch die Fig. 8 angegebenen Pfeilrichtung legt sich der Faden um den Nadelschaft und wird nun bei der Aufwärtsbewegung der Nadel von dem Haken derselben erfaßt und durch das Stichloch mit über den Stoff emporgezogen. Während nun der Fadenführer wieder zurückschwingt und der Stoff in der Richtung des Pfeiles p (Fig. 9) verschoben wird, bleibt die gebildete Kettenschleife b auf dem Haken der Nadel hängen, so daß diese bei erneutem Senken jetzt innerhalb dieser Schleife den Stoff zum Zweck neuer Fadenaufnahme durchdringt u. s. w. Die auf- und absteigende Bewegung der Nadel vermittelt ein im Maschinengestell gelagerter Schieber, der von einem Excenter der Antriebwelle bewegt wird und die Nadelstange am obern Ende bei d (Fig. 10) erfaßt. Von der gleichen Antriebwelle wird die für das Umlegen des Fadens um den Nadelschaft zum Zweck der Stichbildung erforderliche Drehung des Fadenführers F abgeleitet und auf letztern mittels der Schraubenräder O übertragen. Eine Kurbel a dient zur Einstellung der Stichrichtung. Räderpaare b und c und Zwischenwellen übertragen die Kurbeldrehung gleichzeitig so auf die Nadelstange und den Fadenführer, daß die Haken der Nadel und des Führers die für das Einschlingen des Fadens erforderliche gegenseitige Lage bewahren. Die gleichen Übertragungsmechanismen vermitteln die Einstellung des an einem Schieber q mittels Universalgelenkes r angeschlossenen Stoffrückers p, während die Schwingbewegung von dem Schieber i abgeleitet und durch k, h, n und o auf den Rücker übertragen wird. Die Hülse m preßt beim Aufsteigen der Nadel N den Stoff gegen die Stichplatte S. Der von der Spule R ablaufende Faden wird durch das Auge T dem Fadenführer F zugeleitet. - Vgl. H. Fischer, Die S. (im "Civilingenieur", Bd. 23, 24 u. 25); E. Müller, Neuerungen an S. (in Dinglers "Polytechnischem Journal", Bd. 254, 265).

Sticknadeln, s. Stickerei, Stickmaschine und Nadeln.

Stickoxyd, NO, farbloses Gas, das durch Lösungen von Eisenoxydulsalzen mit schwarzer Farbe aufgenommen wird und in Berührung mit Luft sofort rote Dämpfe von Stickstoffdioxyd liefert. Es entsteht beim Lösen von Kupfer in Salpetersäure vom spec. Gewicht 1,2. Es bildet sich immer, wenn die sauerstoffreichern Stickstoffoxyde bei gewöhnlicher Temperatur auf andere Körper als Oxydationsmittel wirken, und spielt daher bei der Fabrikation der Schwefelsäure in den Bleikammern eine wichtige Rolle. (S. Schwefelsäure.)

Stickoxydul, s. Lustgas.

Stickperlen, s. Glasperlen.

Stickrahmen, s. Stickerei und Stickmaschine.

Stickseide, s. Seide.

Stickstoff, Stickgas oder Nitrogenium, in Frankreich Azote (chem. Zeichen N; Atomgewicht 14,0), ein farb-, geruch- und geschmackloses, gasförmiges chem. Element vom spec. Gewicht 0,972. Der S. wurde 1772 von Rutherford als eigentümliches Gas erkannt. Pictet in Genf und Cailletet in Paris ist es gelungen, den S. bei großer Kälte und hohem Druck in den flüssigen Zustand überzuführen. Er verflüssigt sich bei -146° unter einem Druck von 33 Atmosphären, siedet unter Atmosphärendruck bei -194° und erstarrt bei -214°. Der S. findet sich in der atmosphärischen Luft (s. Atmosphäre) gemengt mit Sauerstoffgas, und zwar in der Menge von 79 Volumen oder 76,8 Gewichtsteilen; außerdem findet er sich chemisch gebunden in der Steinkohle (zu etwa 0,75 Proz.), in dem Ammoniak und der Salpetersäure, ferner macht er einen Bestandteil des Eiweißes, Caseïns, Blutes, der Wolle und aller organischen Gebilde des Tier- und Pflanzenreichs aus; in besonders großer Menge ist er im Harnstoff, im Caffeïn und Theobromin sowie in den im Pflanzenreich vorkommenden Alkaloiden (Chinin, Morphin, Strychnin, Brucin, Atropin u. s. w.) enthalten. Der S. kann weder das Atmen noch die Verbrennung unterhalten; mit andern Elementen kann er sich nur schwierig verbinden und fast nie direkt. Man kann den S. aus der Luft gewinnen, indem man ein abgeschlossenes Volumen derselben mit brennendem Phosphor zusammenbringt, wodurch der Sauerstoff entfernt wird. Rein erhält man ihn, wenn man Chlorgas durch eine wässerige Ammoniaklösung leitet oder besser durch Kochen einer konzentrierten Lösung von salpetrigsaurem Ammonium, das dabei in Wasser und S. zerfällt. In seinen Verbindungen ist der S. drei- und fünfwertig. Über die wichtigsten derselben s. die Einzelartikel: Ammoniak, Chlorstickstoff, Cyan, Jodstickstoff, Lustgas, Salpetersäure, Salpetrige Säure, Stickoxyd, Stickstoffdioxyd, Stickstoffwasserstoff, Untersalpetrige Säure.