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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stickstoffbor - Stieber

Stickstoffbor, s. Borstickstoff.

Stickstoffdioxyd, NO2 ^[NO<sub>2</sub>], und Stickstofftetroxyd, N2O4 ^[N<sub>2</sub>O<sub>4</sub>]. Das Stickstofftetroxyd oder die Untersalpetersäure ist bei niedriger Temperatur eine farblose Flüssigkeit, die bei 26° zu sieden anfängt. Die Dämpfe sind braunrot gefärbt infolge teilweiser Dissociation des Tetroxydes zu rotem Stickstoffdioxyd. Es entsteht durch direkte Vereinigung von Stickoxyd mit Sauerstoff sowie bei vielen Oxydationen mit Hilfe von Salpetersäure, findet sich gelöst in der roten rauchenden Salpetersäure und wirkt als starkes Oxydationsmittel.

Stickstofffresser, Kulturpflanzen, die auf stickstoffhaltige Nährstoffe angewiesen sind, wahrscheinlich alle Nichtpapilionaceen (s. Stickstoffsammler).

Stickstoffnatrium, s. Stickstoffwasserstoff.

Stickstoffoxyde, Verbindungen des Stickstoffs mit dem Sauerstoff. Es sind folgende: Stickoxydul (s. Lustgas), N2O ^[N<sub>2</sub>O]; Stickoxyd (s. d.), NO; Stickstofftrioxyd, N2O3 ^[N<sub>2</sub>O<sub>3</sub>], oder das Anhydrid der Salpetrigen Säure (s. d.); Stickstoffdioxyd und Stickstofftetroxyd, NO2 ^[NO<sub>2</sub>] und N2O4 ^[N<sub>2</sub>O<sub>4</sub>] (s. Stickstoffdioxyd); Stickstoffpentoxyd, N2O5 ^[N<sub>2</sub>O<sub>5</sub>], oder Salpetersäureanhydrid (s. d.). Die drei höhern Oxyde geben schon bei gewöhnlicher Temperatur leicht einen Teil ihres Sauerstoffs an andere Körper ab und werden daher als kräftige Oxydationsmittel, z. B. bei der Bereitung der Schwefelsäure, verwendet. Beständiger sind Stickoxydul- und Stickoxydgas, doch zerfallen auch sie bei mäßiger Glühhitze in Stickstoff und Sauerstoff.

Stickstoffoxydulgas, s. Lustgas.

Stickstoffpentoxyd, s. Salpetersäureanhydrid.

Stickstoffperoxyd, soviel wie Stickstofftetroxyd (s. Stickstoffdioxyd).

Stickstoffsammler, nach Schultz-Lupitz (s. Schultz, Albert) alle Pflanzen, die die Fähigkeit besitzen, sich den Stickstoff der Atmosphäre anzueignen und die beim Unterpflügen im grünen Zustande oder bei Zurücklassung massenhafter Wurzelrückstände den Boden mit diesem wichtigen Nährstoff bereichern. Es gehören dazu wahrscheinlich alle Kulturpflanzen aus der Familie der Schmetterlingsblütler (Papilionaceen, s. Leguminosen), besonders die Kleearten, Lupinen, Serradella, ferner aber auch einige Nichtleguminosen, wie Erle, Ölstrauch u. a. In einer geordneten Fruchtfolge soll auf einen S. stets ein Stickstofffresser folgen und umgekehrt. Wieso die Papilionaceen im stande sind, als S. zu erscheinen, wurde erst 1886 durch die wichtigen Versuche von Hellriegel entdeckt und seit 1889 durch Nobbe und Hiltner in Tharandt weiter aufgeklärt. Danach können die Papilionaceen in Symbiose mit gewissen Bakterien (für jede Art eine besondere) zusammenleben, die ihnen den freien Stickstoff der Luft zugänglich machen. Knöllchen an den Wurzeln solcher Pflanzen sind der Sitz dieser Bakterien. Fehlen diese in einem Boden, so sind die Papilionaceen auch nicht im stande, darin zu wachsen. Solche Böden sind mit den reingezüchteten Bakterien der betreffenden Leguminosenart, die von den Farbwerken vormals Meister, Lucius & Brüning in Höchst a. M. in Flaschen mit gallertartigen Flüssigkeiten (Gelatine) unter dem Namen Nitragin oder Impfdünger in den Handel gebracht wird, derart zu düngen, daß mit dem verdünnten Impfdünger entweder das Saatgut oder eine Quantität Erde des zu impfenden Feldes getränkt wird.

Stickstoffsilber, s. Knallsilber.

Stickstofftetroxyd, s. Stickstoffdioxyd.

Stickstofftrioxyd, s. Salpetrige Säure.

Stickstoffwasserstoff, Azoimid, N3H ^[N<sub>3</sub>H], eine von Curtius entdeckte, den Halogenwasserstoffsäuren in ihren Derivaten ganz analoge Säure, in welcher das einwertige Radikal N3 ^[N<sub>3</sub>] eine den Halogenen ähnliche Funktion besitzt. Man erhält eine 27prozentige Lösung der Säure durch Destillation ihres Natriumsalzes mit verdünnter Schwefelsäure und daraus durch fraktionierte Destillation zuletzt über Chlorcalcium die wasserfreie Säure als wasserhelle bei 37° siedende Flüssigkeit. Der S. bildet mit einem Äquivalent der Metalloxyde gut krystallisierte Salze. In Berührung mit Ammoniak bilden seine Dämpfe dichte Nebel von Stickstoffammonium. Die wässerige Säure löst Zink unter Wasserstoffentwicklung. Das Silbersalz, AgN3 ^[AgN<sub>3</sub>], stellt einen käsigen, dem Chlorsilber ganz ähnlichen, in Wasser und verdünnter Salpetersäure unlöslichen, in Ammoniak löslichen Niederschlag dar. Das Quecksilberoxydulsalz, HgN3 ^[HgN<sub>3</sub>], ist ebenfalls unlöslich und wird wie das Chlorsilber durch Ammoniak geschwärzt. Das Ausgangsmaterial für die Herstellung von Verbindungen des S., das Stickstoffnatrium, NaN3 ^[NaN<sub>3</sub>], wird meist aus komplizierten organischen Substanzen gewonnen. Auch beim Überleiten von Stickoxydul über Natriumamid, welches auf etwa 200° erhitzt ist, erhält man Stickstoffnatrium:

2 NaNH2 + N2O = NaN3 + NaOH + NH3 ^[2 NaNH<sub>2</sub> + N<sub>2</sub>O = NaN<sub>3</sub> + NaOH + NH<sub>3</sub>].

Die freie Stickstoffwasserstoffsäure besitzt einen eigentümlichen, höchst widerwärtigen Geruch; sie explodiert, wie auch ihre Salze, leicht mit äußerster Heftigkeit und dürfte daher für die Technik der Sprengstoffe von Wichtigkeit werden.

Stick- und Schlingschulen, Anstalten, in denen jungen Mädchen Unterricht im Tambourieren (Maschinensticken), Schlingen und der Ausstattung von Tüchern erteilt wird. Die zu Hartenstein und Neubockwa in Sachsen 1881 vom Staat gegründeten S. u. S. wurden Ende der achtziger Jahre wieder aufgehoben. (S. auch Kunststickereifachschulen, Maschinenstickerfachschulen, Klöppelschulen.)

Sticta Schreb., Grubenflechte, Flechtengattung der Laubflechten (s. Flechten). Der Thallus ist flach ausgebreitet, mit grubigen, netzartig angeordneten Vertiefungen versehen und am Rande meist unregelmäßig gelappt. Die rotbraunen Apothecien sitzen gewöhnlich in der Nähe des Randes. Die bekannteste Art ist die an Baumstämmen häufige Lungenflechte, S. pulmonacea Ach. (s. Tafel: Flechten I, Fig. 9); früher offizinell.

Stieber, Wilh., preuß. Polizeibeamter, geb. 3. Mai 1818 zu Merseburg, studierte Rechtswissenschaft und wurde 1843 als Referendar beim Polizeipräsidium in Berlin beschäftigt, wo er bald einer der bedeutendsten und gefürchtetsten preuß. Kriminalpolizeibeamten wurde. Die Energie und Rücksichtslosigkeit in der Durchführung seiner Aufgaben brachte ihn im Nov. 1860 wegen Überschreitung der Amtsgewalt auf die Anklagebank; er wurde zwar freigesprochen, aber zur Disposition gestellt. 1866 wurde S. indessen als Chef der Feldpolizei wieder in den Dienst berufen und wegen seiner erfolgreichen Thätigkeit zum Geh. Regierungsrat ernannt. 1867, als Begleiter des Königs von Preußen in Paris, spürte er das geplante Attentat des poln. Flüchtlings Berezewski auf den ebenfalls dort anwesenden russ. Kaiser aus. Im Deutsch-Französischen Kriege bekleidete er die Stelle eines Generalfeldpolizeidirektors. S. starb 29. Jan. 1882. Interessante