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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stieda; Stiefelluchs; Stiefmütterchen; Stiege; Stieglitz; Stiehle

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Stieda - Stiehle

Schilderungen seiner Thätigkeit finden sich in Louis Schneiders "Aus meinem Leben" (3 Bde., Berl. 1879-80) sowie in den angeblich aus hinterlassenen Papieren bearbeiteten, aber für apokryph erklärten "Denkwürdigkeiten des Geheimrats S." (ebd. 1883).

Stieda, Karl Wilh., Nationalökonom, geb. 1. April 1852 in Riga, studierte Volkswirtschaft und Statistik in Dorpat, Berlin, Paris und Straßburg, war 1875-76 Hilfsarbeiter im königlich preuß. Statistischen Bureau in Berlin, ging 1876 als Privatdocent der Rechts- und der Staatswissenschaft nach Straßburg, wurde 1878 außerord. Professor in Dorpat, 1879 ord. Professor daselbst, 1882 Mitglied des Statistischen Amtes des Deutschen Reichs in Berlin, 1884 ord. Professor in Rostock. S. gehört der histor. Schule der Nationalökonomie an und hat namentlich dazu beigetragen, die Geschichte des deutschen Handels und Gewerbes aufzuklären. Er schrieb: "Das Sexualverhältnis der Geborenen" (Straßb. 1875), "Zur Entstehung des deutschen Zunftwesens" (Jena 1877), "Die Eheschließungen in Elsaß-Lothringen 1872-76" (Straßb. 1878), "Die gewerbliche Thätigkeit in der Stadt Dorpat" (Dorpat 1879), "Revaler Zollbücher und Quittungen des 14. Jahrh." (Halle 1886), "Die deutsche Hausindustrie" (Bd. 1, Lpz. 1889), "Das Gewerbegericht" (ebd. 1890), "Studien zur Geschichte des Buchdrucks und des Buchhandels in Mecklenburg" (ebd. 1894), "Hansisch-venet. Handelsbeziehungen im 15.Jahrh." (Rostock 1894), "Der Befähigungsnachweis" (Lpz. 1895). Mit Schmoller veröffentlichte er "Die Straßburger Tucher- und Weberzunft" (Straßb. 1879), mit Mettig "Rigasches Schragenbuch" (Riga 1895).

Stiefelluchs, s. Luchs.

Stiefmütterchen, Pflanze, s. Viola.

Stiege, eine Anzahl von 20 Stück, z.B. im Fisch- und Nutzholzhandel (s. Corge); ferner soviel wie Getreidestiege (s. Ernte); endlich auch gleichbedeutend mit Treppe gebraucht, daher Stiegenhaus soviel wie Treppenhaus.

Stieglitz, Distelfink oder Distelzeisig (Fringilla carduëlis L. s Carduelis elegans Steph., s. Tafel: Mitteleuropäische Singvögel I, Fig. 8, beim Artikel Singvögel), ein zur Familie der Finken gehöriger, sehr bunter Singvogel, der in ganz Europa, aber auch in Syrien, Mittelasien, Sibirien und Nordafrika vorkommt und sich bis zu den Antillen verbreitet hat. Er wandert fast gar nicht, sondern überwintert, teils ist er Strichvogel, aber gegen Kälte nicht empfindlich. Zur Nahrung dienen ihm ölhaltige Samen, besonders die Samen der Disteln und Karden. Das Nest wird auf Bäumen und zwar sehr künstlich gebaut. Das Weibchen legt jährlich zwei- bis dreimal vier bis fünf meergrüne, blaßrot gefleckte oder mit dunkelbraunen Punkten kranzförmig gezeichnete Eier (s. Tafel: Eier mitteleuropäischer Singvögel, Fig. 25, Bd. 17). Der erwachsene Vogel ist auf dem Rücken graubraun, Scheitel und Nackenbinde sind schwarz, Kehle und Stirn blutrot, die Schwing- und Steuerfedern an der Spitze weiß und über die Schwingen zieht eine goldgelbe Binde. Das Männchen singt laut und angenehm und wird deshalb, wie seiner schönen Färbung wegen als Zimmervogel in Käfigen gehalten. Das Weibchen ist von ihm kaum zu unterscheiden. In der Gefangenschaft erzeugen die S. mit Canarienvögeln schön gezeichnete Bastarde; in neuester Zeit wird der S. auch an sich gezüchtet.

Stieglitz, Heinr., Dichter, geb. 22. Febr. 1801 von jüd. Eltern zu Arolsen, studierte seit 1820 in Göttingen, war durch polit. Gründe genötigt, nach Leipzig zu gehen, wo er sich der Philologie widmete, und wurde 1828 in Berlin als Kustos der Bibliothek und Gymnasiallehrer angestellt. 1828 vermählte er sich mit Charlotte Sophie S., geborene Willhöft (geb. 18. Juni 1806 zu Hamburg). Unzufrieden mit seinen Ämtern, legte S. diese nieder und bereiste 1833 einen Teil von Rußland, ohne daß sich jedoch seine Gemütsstimmung besserte, die unter dem dunkeln Gefühl seiner künstlerischen Schwäche litt. In der Hoffnung, daß ein tiefer Schmerz heilend und kräftigend auf S.' Gemüt einwirken werde, gab sich 29. Dez. 1834 seine krankhaft überreizte Gattin den Tod. Mundt sammelte ihre Briefe, Tagebuchblätter u. s. w. unter dem Titel "Charlotte S., ein Denkmal" (Berl. 1835), wie denn das junge Deutschland (Gutzkow in der "Wally") diesen Selbstmord tendenziös aufbauschte. Natürlich hatte Charlottes That nicht den beabsichtigten Erfolg. S. verließ Berlin, lebte in München, ging dann nach Rom und endlich nach Venedig, wo er eine gewisse polit. Rolle spielte und 23. Aug. 1849 an der Cholera starb. S.' Talent und Charakter waren nicht bedeutend, wenn auch die Gabe farbenüppiger Stimmungsmalerei darüber zeitweilig hinwegtäuschen konnte. Am kräftigsten offenbart sich sein dichterischer Geist in den "Bildern des Orients" (4 Bde., Lpz. 1831-33; auch in Meyers "Volksbüchern", ebd. 1888), worin sich auch mehrere dramat. Arbeiten, darunter die Tragödie "Sultan Selim III." befinden. Auch die "Stimmen der Zeit in Liedern" (Lpz. 1833) enthalten in gewandter Form begeisterte Worte. Seine lyrische Tragödie "Das Dionysosfest" (Berl. 1836) ist anziehend durch die Tendenz, den Sieg einer jungen gärenden Zeit über eine geistig abgelebte Reaktion zu feiern. Ferner sind zu nennen: "Gruß an Berlin, ein Zukunftstraum" (Lpz. 1838), "Bergesgrüße aus dem salzburg., tirol. und bayr. Gebirge" (Münch. 1839), "Ein Besuch auf Montenegro" (Stuttg. 1841), "Istrien und Dalmatien" (ebd. 1845), "Erinnerungen an Rom" (Lpz. 1848). - Vgl. L. Curtze, Briefe von S. an seine Braut Charlotte (2 Bde., Lpz. 1859); Kurzer Briefwechsel zwischen Fr. Jacobs und Heinrich S. (ebd. 1863); ferner S.' Selbstbiographie (Gotha 1865).

Stiehle, Gust. von, preuß. General der Infanterie, geb. 14. Aug. 1823 in Erfurt, trat 1840 in das 21. Infanterieregiment, besuchte 1845-47 die Allgemeine Kriegsschule in Berlin, nahm 1848 an den Kämpfen in der Provinz Posen teil, war 1852-55 zur Trigonometrischen Abteilung des Generalstabes kommandiert und wurde, nachdem er 1858 Compagniechef im 7. Regiment gewesen war, 1859 als Major wieder in den Generalstab zurückversetzt. S. organisierte als Direktor die neu errichteten Kriegsschulen in Potsdam und Neisse, übernahm 1860 die Leitung der kriegsgeschichtlichen Abteilung des Großen Generalstabes, wurde 1861 als Adjutant zum Gouvernement von Berlin kommandiert und nahm 1864 als Generalstabsoffizier im Hauptquartier Wrangels an dem Feldzuge gegen Dänemark teil. Noch während des Krieges von 1864 zum Oberstlieutenant und Flügeladjutanten des Königs ernannt, wurde er dann zu diplomat. Sendungen nach London und Wien verwandt und blieb im Gefolge des Königs. Dem Feldzuge von 1866 wohnte S.