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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stigma; Stigmaria; Stigmata; Stigmatisieren; Stigmatypie; Stikine; Stil; Stilben; Stilbit

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Stigma - Stilbit

gegossen werden mußten, wobei ihn sein Neffe Ferd. von Miller (s. d.) unterstützte, welcher nun mehr und mehr der Leiter des weltbekannten Instituts wurde. S. starb 2. März 1844 zu München.

Stigma (grch.), eigentlich der mit einem spitzigen Werkzeug gemachte Stich oder Punkt überhaupt, hieß bei den Römern besonders das wegen eines begangenen Verbrechens dem Thäter, namentlich diebischen oder entlaufenen Sklaven, zur Beschimpfung eingeätzte Zeichen oder Brandmal, das in der Regel aus gewissen Buchstaben bestand. Dieses Stigmatisieren erfolgt noch jetzt in einigen Ländern bei den zur Galeere Verurteilten.

In der katholischen Kirche werden als Stigmatisierte solche Personen bezeichnet, an deren Leibe sich die fünf Wundmale Christi zeigen und zeitweilig bluten sollen: am bekanntesten sind Franz von Assisi und in der neuern Zeit Katharina Emmerich zu Dülmen, Maria von Mörl und insbesondere Louise Lateau (s. d.), bei der, nachdem sie im Frühjahr 1868 ihr Noviziat im Orden des heil. Franz von Assisi beendigt hatte, sich im Herbst 1868 jeden Freitag diese Blutungen einstellten. Die chem. Forschungen haben ergeben, daß derartige Blutungen sehr leicht auf künstlichem Wege erzeugt werden können, wenn man die Haut mit einer Lösung von Eisenchlorid oder besser noch von schwefelsaurem Eisenoxyd einreibt (welche Operation durchaus keine sichtbaren Spuren hinterläßt) und dann die betreffenden Stellen mit einer sehr verdünnten wässerigen Losung von Rhodankalium bespritzt, worauf sofort eine höchst intensive scheinbare Blutung eintritt, da sich Eisenrhodanid bildet, das sich durch seine intensive rein blutrote Farbe auszeichnet. Der ganze Vorgang wirkt um so täuschender, da die Rhodankaliumlösung vollständig farblos ist. Nach der Ansicht mancher Neuropathologen ist indes die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß im hypnotischen Zustande, desgleichen bei hysterischen und nervösen, durch Fasten und leibliche Kasteiungen geschwächten Personen, die auf Grund ihrer hochgradigen psychischen Hyperästhesie infolge einer Illusion oder Hallucination (wie sie bei Geisteskranken tagtäglich vorkommt) die Wundmale Christi an ihrem Körper fühlen, eine besonders leichte Erregbarkeit der vasomotorischen Nerven besteht, infolge deren es an den betreffenden Hautstellen zu zeitweiligen Hyperämien und Transsudationen, selbst zu Blutungen kommt.

In der Botanik ist S. soviel wie Narbe, s. Gynäceum; in der Zoologie Bezeichnung der Atmungswerkzeuge der Insekten (s. Tracheen).

Stigmaria, Pflanzengattung, s. Sigillaria.

Stigmata, Mehrzahl von Stigma (s. d.).

Stigmatisieren, s. Stigma.

Stigmatypie (grch.), ein Setzverfahren zur Herstellung von Bildern durch Punkte.

Stikine (spr.-kihn), Steckine, Stickeen, Fluß in Nordamerika, entspringt im nördlichen Teil von Britisch-Columbia, fließt in nordwärts gerichtetem Bogen durch brit. Gebiet, dann nordwestlich durch Alaska und mündet gegenüber der Herzog-von-York-Insel. Er ist 304 km aufwärts schiffbar und bildet eine wichtige Straße, welche nach dem Vertrage von 1825 von den Engländern befahren werden darf. 1862 wurde längs seines Laufes Gold gefunden.

Stil (lat. stilos) oder Styl (grch. stȳlos, d. i. Griffel), ursprünglich ein Begriff der Rhetorik, der die Kunst des guten schriftlichen Ausdrucks bezeichnete. Die Theorie des S. oder Stilistik ist ein Teil der Rhetorik.

Der Begriff S. ist dann aber ausgedehnt worden und man versteht darunter das Gesetz der verschiedenen Kunstarten. Jede Kunst schreibt der künstlerischen Auffassungs- und Behandlungsweise ihre bestimmten, nur ihr eigenartig angehörigen Gesetze vor. In diesem Sinne spricht man von architektonischem, plastischem, malerischem, musikalischem, poetischem S.; innerhalb der einzelnen Künste wieder von Steinbau-, Ziegelbau-, Holzbaustil, von Marmor- und Erzstil, von Freskostil, von Kirchenmusik- und Opernstil, von epischem, dramatischem (tragischem und komischem) S. u. s. w. Das Überspringen der einen Kunstart in die andere, das Vermischen z. B. des Plastischen mit dem Malerischen, heißt in diesem Sinne stillos. Weil die Kunst Ausdruck des menschlichen Denkens und Fühlens ist, wandelt sie sich verschieden je nach den verschiedenen menschlichen Entwicklungsstufen; sie ist bedingt durch Zeit und Örtlichkeit, ein Zeugnis der Eigentümlichkeiten der einzelnen Völker und Zeitalter. In diesem Sinne spricht man von einem ägyptischen, griechischen (dorischen, ionischen), römischen, romanischen, gotischen, normannischen, maurischen S., einem Renaissance-, Barock-, Rokokostil; ferner von einem S. Louis quatorze, Louis quinze (Französische Kunst), Queen Elizabeth style (Englische Kunst). Das Herübernehmen nicht passender Formen aus einer Zeit in das Kunstwerk einer andern würde in diesem Sinne stillos sein.

Weil sich je nach den verschiedenen Auffassungsweisen die Behandlungsweise ergiebt, unterscheidet man strengen (herben), nüchternen, anmutigen, schönen, erhabenen S. Dagegen spricht man von Manier und Stillosigkeit, wenn die Würde der künstlerischen Idee aus Sucht nach dem Sonderbaren, aus bequemer Anlehnung an vorhandene Kunstgebilde oder aus künstlerischer Unzulänglichkeit nur verzerrt oder gar nicht zum Ausdruck kommt. - Vgl. Semper, Der S. in den technischen und tektonischen Künsten (2. Aufl., 2 Bde., Münch. 1878 u. 1879); von Sacken, Katechismus der Baustile (12. Aufl., Lpz. 1896); Alt, System der Künste (Berl. 1888); Hauser, Stillehre der architektonischen und kunstgewerblichen Formen (3. Aufl., 3 Bde., Wien 1891).

In der Zeitrechnung unterscheidet man einen Alten Stil (s.d.) und einen Neuen Stil (s.d.).

Galanter S. in der Musik s. Galante Schreibart; Gebundener S. s. Gebundene Schreibart.

Stilben, ein auf künstlichem Wege bereiteter Kohlenwasserstoff von der Zusammensetzung C14H12. Es ist als ein symmetrisches Diphenyläthylen, C6H5·CH:CH·C6H5, aufzufassen, krystallisiert in farblosen Prismen, schmilzt bei 120°, siedet bei 306°.

Stilbit oder Heulandit, ein zur Gruppe der Zeolithe gehöriges Mineral, das monokline, meist dick- oder dünntafelige Krystalle (s. beistehende Abbildung, Kombination von Klino- und Orthopinakoid, Orthodoma, Basis und zwei Hemipyramiden), auch strahlig-blätterige Aggregate bildet und häufig in den Blasenräumen der Basalte und Basaltmandelsteine auftritt. Es ist an sich farblos, sehr leicht spaltbar nach der Längsfläche, auf der sich bei sonstigem Glasglanz ein ausgezeichneter Perlmutterglanz zeigt, von der Härte 3,5-4. Chemisch ist der S. ein Wasser-^[folgende Seite]

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