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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stipa - Stirn

in Basel, 1857 in Erlangen, 1870 in Bonn. Am 13. Sept. 1883 starb S. durch einen Sturz während einer Ferienreise in den Allgäuer Alpen. Seine bleibende Bedeutung liegt besonders in seinen ausgezeichneten Arbeiten zur Litteraturgeschichte der Rechtswissenschaft. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Das Wesen von bona fides und titulus in der röm. Usucapionslehre" (Heidelb. 1852), "Über das Verhältnis der Legis actio sacramento zu dem Verfahren durch sponsio praejudicialis" (ebd. 1853), "Ulrich Zasius" (Bas. 1857), "Friedrich Karl von Savigny" (Berl. 1862), "Geschichte der populären Litteratur des röm.-kanonischen Rechts in Deutschland" (Lpz. 1807), "Hugo Donellus in Altdorf" (Erlangen 1869), "Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft" (Abteil. 1, Münch. und Lpz. 1880; Abteil. 2, aus dem Nachlaß, ebd. 1884).

Stipa L., Pflanzengattung aus der Familie der Gramineen (s. d.) mit gegen 100 Arten, die besonders als Steppengräser ausgedehnte Verbreitung besitzen. Die Ährchen sind einblütig und in eine schmale, lange Rispe gestellt, die Kelchspitzen schmal, lang, begrannt, von gleicher Größe, die Granne der Blüten bald gerade, bald gewunden, selbst gekniet und deren untere Partie gedreht, bei manchen Arten mit welligen Härchen auf jeder Seite besetzt, so daß sie federformig erscheinen. Das ist insbesondere bei dem sog. Federgras, Reihergras, Marienflachs oder Steinflachs, S. pennata L. (s. Tafel: Gramineen V, Fig. 2), dem Waisenmädchenhaar der südosteurop. Steppen, der Fall, welches auf dürrem Boden wächst und wegen seiner 15-20 cm langen Grannen als Hutschmuck und zu Bouquets benutzt wird. Häufiger kommt in Mitteleuropa das Pfriemengras (S. capililita L.) vor, das sich vom vorigen durch bloß 5-9 cm lange, nicht behaarte, sehr spitze Grannen unterscheidet und vorzugsweise auf dürrem Kalkboden wächst. Mehrere Arten der Mittelmeergegenden sind Zierpflanzen. Auch das Esparto (s. d.) gehört zur Gattung S.

Stipendium (lat., "Sold", "Löhnung", "Tribut"), Geld oder andere Dinge (Holz, Tuch u. s. w.), wodurch Studierende oder Schüler anderer Lehranstalten (Stipendiaten) aus milden Stiftungen, Staats- und Stadtkassen oder Privatfonds auf eine bestimmte Zeit unterstützt werden. Reisestipendien sind bare Unterstützungen, die jungen Gelehrten oder Künstlern nach Vollendung ihrer Studien zu ihrer weitern Ausbildung im Auslande aus ähnlichen Stiftungen und Kassen bewilligt werden.

Stipes (lat., Stiel, Strunk, Zweig), die Stiele der Hutpilze; in der pharmaceut. Terminologie heißen oft die jungen Zweige Stipĭtes, z. B. Stipites Dulcamarae (s. Solanum); Stipites Guaco, s. Condurango; Stipites jalapae, s. Jalapenstengel.

Stiplje (spr. scht-), türk. Stadt, s. Ištip.

Stipulae (lat.), die Nebenblätter der Pflanzenblätter (s. Blatt).

Stipulardornen, s. Dorn.

Stipulation (lat., "Bestimmung", "Übereinkunft"), bei den alten Römern eine in Frage des Gläubigers und bejahender Antwort des Schuldners bestehende Vertragsform, aus welcher eine Klage auf Erfüllung des in der Antwort Versprochenen gegeben wurde. Diese Verbalobligation ist bei der Aufnahme des röm. Rechts durch die modernen Nationen ein toter Buchstabe geblieben. Stipulieren bedeutet heute nichts weiter als eine vom Gläubiger ausgegangene Vertragsbestimmung.

Stirbei, Fürst, s. Bibesco, Barbo Demetrius.

Stirling (spr. stör-). 1) Grafschaft Südschottlands, zählt (mit einer Enklave in Clackmannan) auf 1208,26 qkm (1891) 118 021 (59 478 männl., 58 543 weibl.) E., d. i. 98 auf 1 qkm. Das Land ist etwa zum dritten Teil gebirgig und erhebt sich im Ben-Lomond zu 973 m. Zum Firth of Forth strömt vom Ben-Lomond her der Forth, der die Nord- und Nordostgrenze bildet, und der Carron, zum Ocean (Loch Lomond) der Endrick (s. Lomond). Den Südosten durchschneidet der Forth-Clydekanal. Unter den zahlreichen Seen ist auch der Katrine. Die Ebenen und Thäler sind überaus fruchtbar und gut angebaut, namentlich längs des Forth; doch fehlt es auch nicht an Sümpfen. Im ganzen stehen 36 Proz. des Bodens unter Anbau. An Mineralien ist S. reich, namentlich an Steinkohlen und Eisen, deren Ausbeutung und Verbrauch in Gruben- und Eisenwerken, verbunden mit Woll-, Baumwoll- und Leinweberei, die Hauptzweige der Industrie bilden. Die Grafschaft schickt einen Abgeordneten in das Unterhaus. Neben der Hauptstadt sind Falkirk, Grangemouth und Kilsyth wichtig. - 2) Hauptstadt der Grafschaft S., im Mittelalter Strivelin, rechts am Forth, in der fruchtbaren Ebene, Carfe genannt, am Abhänge eines Berges erbaut, wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, hat (1891) 16 781 E., eine spätgot. Greyfriars'-Kirche inmitten eines schönen Kirchhofs, ein Militärhospital in Argyle's Lodging (10. Jahrh.), Museum für landwirtschaftliche Maschinen und Geräte sowie ein auf steilem Fels gelegenes, aus einem Konglomerat von Gebäuden bestehendes, größtenteils zur Zeit Jakobs V. erbautes Schloß, oft Residenz der schott. Könige. Die Bevölkerung fabriziert Baumwoll- und Wollwaren, besonders Teppiche, und treibt starken Handel. Jenseit des Forth, etwas stromaufwärts, wurden im Sept. 1297 die Engländer von William Wallace besiegt, dem am Abbey Craig (110 m) ein Denkmal errichtet worden ist (s. Tafel: Englische Kunst III, Fig. 6). In der Nähe liegen links am Forth die Ruinen der 1147 von David I. gegründeten Augustinerabtei Cambuskenneth und 7 km weiter südlich das Schlachtfeld von Bannockburn (s. d.).

Stirling Burghs (spr. störling börgs), Gruppe schott. Städte (Culroß, Dunfermline, Inverkeithing, Queensferry, Stirling), die gemeinsam ein Parlamentsglied wählen.

Stirn (frons), der obere Teil des menschlichen Antlitzes, der über den Augenbrauen und der Nasenwurzel liegt und oben vom Haar, seitlich von den Schläfen begrenzt ist, wird durch das breite, gewölbte Stirnbein oder Vorderhauptsbein (os frontis) gebildet, das mit den benachbarten Gesichts- und Schädelknochen durch Nähte fest verbunden ist (s. Tafel: Der Schädel des Menschen, Fig. 1, 1) und von der Gesichtshaut, unter ihr von der sehnigen Schädelhaube und der Schädelknochenhaut, überzogen wird. Ein paar kleine, flache Muskeln (musculi corrugatores supercilii) liegen vorn über den Augenbrauen, die das Runzeln der Stirnhaut besorgen. Der Hauptnerv der Stirngegend (nervus frontalis) entspringt aus dem ersten Ast des dreigeteilten Nerven (s. Gehirn) und tritt durch ein kleines Loch am innern, obern Rande der Augenhöhle aus letzterer hervor. In der Jugend besteht das Stirnbein aus zwei seitlichen Knochen, die bis zum zehnten Lebensjahre fest miteinander verwachsen. Die definitive Form der S. wird bedingt zum Teil von der Masse und der Gestalt des ge-^[folgende Seite]