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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stockholm

mehrmals um- und angebaut; Riddarholmskyrkan (die Ritterholmskirche, s. Taf. I, Fig. 4), nunmehr ausschließlich als Begräbnisstätte für die Königsfamilie benutzt, mit prachtvoller Grabkapelle und Kriegstrophäen; Katarinakyrkan, schöne griech. Kreuzkirche ohne Pfeiler, von allen Teilen der Stadt sichtbar; Tyska kyrkan (die deutsche Kirche), ein interessanter Bau in deutscher Renaissance, kürzlich restauriert, und Johanniskyrkan (die Johanneskirche), neu erbaut (1890) in got. Stil. Von weltlichen Gebäuden sind hervorragend: das königl. Schloß, eins der schönsten in der Welt, gebaut von Nikodemus Tessin dem Jüngern (gest. 1728), ein fast quadratischer Bau (120 m) in ital. Renaissance, und Riddarhuset (das Ritterhaus), sowie der Palast des Oberstatthalters, beide aus dem 17. Jahrh.; von modernen Bauten sind anzuführen das Nationalmuseum im Südosten von Blasieholmen, die königl. Bibliothek (Reichsbibliothek), die Technische Hochschule, die Synagoge, die neue Akademie der freien Künste, der Neubau der königl. Oper zwischen dem Gustav-Adolfs- und dem Platz Karls XII. am Norrström, und der des Nordischen Museums (Nordiska museet) im Tiergarten. S. war im Mittelalter, als das Stadtgebiet auf die kleine Insel Stadsholmen beschränkt war, stark befestigt. Gegenwärtig verteidigen Barholm und Oskar-Fredriksborg je einen der beiden Zugänge von der Ostsee her.

Verwaltung. S. bildet einen eigenen selbständigen Verwaltungsdistrikt, gleichgestellt mit den Län. An der Spitze steht der von der Regierung ernannte Oberstatthalter, welcher auch der gesetzliche Wortführer der Stadtrepräsentation (10 Stadtverordnete) ist. Kirchlich zerfällt die Stadt in acht Gemeinden, welche in gewissen Beziehungen eigene Verwaltungsdistrikte bilden, und in 21 Tribus (Rotar). Die Polizei besteht aus einem Polizeimeister, 14 Kommissarien und 490 Polizeidienern. Seit Organisation (1875) der Feuerwehr (127 Mann) haben die früher oft verderbenbringenden Feuersbrünste einen ungefährlichern Charakter angenommen. Die Wasserleitung hat (Ende 1896) 172 845 m Leitungsröhren, der Gaskonsum beträgt 9½ Mill. cbm. Die elektrische Beleuchtung hat große Verbreitung (Länge der Leitungen der städtischen Werke 1896: 118 502 m). Die vielen Straßenregulierungs- und andere Arbeiten zur Verschönerung und Erweiterung haben die Stadt mit einer ziemlich großen Schuld belastet, welche sich Ende 1895 auf 60,9 Mill. Kronen belief. In derselben Zeit betrugen die Aktiva 71,2 Mill. Kronen und sämtliche Ausgaben 17 Mill. Kronen. Die Garnison besteht aus ungefähr 3000 Mann, größtenteils Gardetruppen.

Bildungswesen. Es besteht eine 1886 neu organisierte mediz. Fakultät (Karolinska mediko-kirurgiska Institutet) mit 40 Docenten, 313 Studierenden und mehrern Kliniken, und eine Privatuniversität (Stockholms Högskola), 1878 aus Sammlungen und Stiftungen begründet, die bis jetzt hauptsächlich mathem.-naturwissenschaftliche Fächer berücksichtigt (mit 21 Lehrern, Seminar und Bibliothek). An Gymnasien (Allmänna läroverk) giebt es drei höhere (neunjährige) und außerdem zwei private, ferner auch drei niedere (fünfjährige); die Gesamtanzahl der Schüler in diesen 10 Lehranstalten beträgt etwa 3000. Außerdem giebt es drei höhere Mädchenschulen. Die Volksschulen sind gut ausgestattet und zählten (1895) 614 Lehrer und Lehrerinnen und 24 084 Schüler. Von Fachschulen sind zu nennen: die Technische Hochschule (332 Hörer, 33 Docenten), eine größere technische Schule (Gewerbeschule), die Kriegsschule, die Artillerie- und Ingenieurschule, die Kriegsschule in Karlberg, die Seekriegsschule, die Navigationsschule, das Forstinstitut, das Gymnastische Centralinstitut, gegründet 1813 von P. H. Ling, das Pharmaceutische Institut, das Veterinärinstitut u. a. Von Akademien sind wichtig: die Svenska Akademien (s. Akademien), die der Wissenschaften mit naturwissenschaftlichen Sammlungen, astron. Observatorium und Meteorolog. Centralanstalt; Vitterhets- Historie- och Antiquitetsakademien besitzt ein vorzügliches histor.-ethnogr. Museum; auch Landtbruksakademien (Landwirtschaftliche Akademie), gestiftet 1811, Akademien för de fria konsterna (für freie Künste), gestiftet 1735, womit eine Lehranstalt vereinigt ist, und Musikaliska Akademien, gestiftet 1771, mit einem Musikkonservatorium, sind hier zu nennen. Reiche Kunstsammlungen (prähistor.Gegenstände, Skulpturen [s.Tafel: Skandinavische Kunst III, Fig. 4 und 5], Möbel, Porzellane, Fayencen, Gemälde [s. Taf. II, Fig. 4, 5, 6] sind im Nationalmuseum verwahrt; das sog. Nordische Museum, gestiftet 1872 von Hazelius, enthält mustergültige Sammlungen ethnogr. Gegenstände der nordischen Völker. Von den Bibliotheken ist die königl. Bibliothek (300 000 Bände) die wichtigste. Feste Theater sind fünf, davon zwei mit Staatsunterstützung: die königl. Oper und das sog. Dramatische Theater. Sommerbühnen liegen im Tiergarten. - Über die Zeitungen und Zeitschriften s. Schweden.

Wohlthätigkeitsanstalten. Unter den Krankenhäusern sind wichtig: Sabbatsbergs Krankenhaus, Serafimerlazarett, ein Neubau, das Hospital für Gemütskranke in Konradsberg u. a. An öffentlichen Wohlthätigkeitsanstalten giebt es zwei größere Armenhäuser in Sabbatsberg und auf Södermalm und mehrere kleinere; die Privatwohlthätigkeitsanstalten und die Stiftungen für wohlthätige Zwecke verfügten 1890 über ein Kapital von etwa 6,2 Mill. Kronen. Die Ausgaben der öffentlichen Armenpflege betrugen 1895: 1½ Mill. Kronen.

Industrie, Handel und Verkehr. Von der Bevölkerung finden ungefähr 55 Proz. ihr Brot in der Industrie oder im Handwerk, ungefähr 30 Proz. durch Handel oder Transportarbeit und ungefähr 15 Proz. im Staats- oder Kommunaldienst oder durch litterar, oder künstlerische Beschäftigungen u.s. w. S. ist neben Göteborg die größte Industriestadt Schwedens; 1895 gab es 400 Fabriken mit 14 516 Arbeitern und einem Produktenwert von 49 Mill. Kronen. Wichtig sind Gießereien und mechan. Werkstätten, Maschinenbau, Zuckerfabriken, Tabakfabriken und Bierbrauereien; berühmt ist Röhrstrands Porzellanfabrik, wie auch die Fabrik Separator. Ferner sind zu nennen: Tischlerei, Öl-, Seifefabrikation, Baumwollspinnerei und Schiffbau. - S. ist auch der größte Importhafen in Schweden, wogegen es als Exporthafen zurücktritt. Die Einfuhr besteht vornehmlich in Kolonial- und Fabrikwaren (Geweben), Steinkohlen, Getreide, Mehl, Fischen, Maschinen; die Ausfuhr aus Eisen, Hafer, Planken, Zündhölzern u. s. w. S. ist Sitz des Hauptcomptoirs der Schwedischen Reichsbank, daneben bestehen: Stockholms Enskilda Bank (Stockholmer Privatbank) und Filialcomptoire für verschiedene Provinzial-Privatbanken, Skandinaviska Kreditaktiebolaget (Skandinavische Kredit-Aktiengesellschaft),