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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stoiker; Stoilow; Stoische Philosophie; Stoke-upon-Trent; Stokes

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Stoiker - Stoke-upon-Trent

nêsis). Der Weise ist der Inbegriff der Vollkommenheit, er steht der Gottheit kaum nach. Die Staatslehre der Stoiker neigt entschieden zum Kosmopolitismus. Das Ideal einer allgemeinen Brüderlichkeit unter den Menschen als Kindern Eines göttlichen Vaters, unter Verwerfung auch der Sklaverei, ist stoischen Ursprungs. Aus derselben Quelle stammt der stoische Begriff des Naturrechts, der auf die röm. Jurisprudenz (durch Vermittelung von Scävola, Varro, Cicero u. a.) von großem Einfluß gewesen ist.

Die sittlich-religiöse Grundstimmung machte den S. geeignet, mit religiösen Richtungen allerlei Art, wie sie namentlich um den Beginn unserer Zeitrechnung auf die griech.-röm. Kulturwelt Einfluß gewannen, ein Bündnis einzugehen. So verknüpft sich der S. mit der jüdisch-alexandrinischen Philosophie (s. Philo), dann mit der altchristlichen (besonders lehrreich bei Clemens von Alexandria), aber auch mit der neuplatonischen. Besonders seine allegorische Mythendeutung fand in der Zeit des allgemeinen religiösen und philos. Synkretismus weiteste Verbreitung. Der Einfluß des S. auf die Philosophie des Mittelalters wird gewöhnlich unterschätzt, weil er größtenteils durch die Kirchenväter und den Neuplatonismus vermittelt war.

Vgl. Zeller, Philosophie der Griechen, Bd. 3 (3. Aufl., Lpz. 1880-81); Hirzel, Untersuchungen zu Ciceros philos. Schriften, Bd. 2 (ebd. 1882); Stein, Psychologie der Stoa (in den "Berliner Studien für klassische Philologie und Archäologie", 2 Hefte, Berl. 1886 u. 1888); Bonhöffer, Epiktet und die Stoa (Stuttg. 1890); ders., Die Ethik des Stoikers Epiktet (ebd. 1894); Schmekel, Die Philosophie der mittlern Stoa (Berl. 1892).

Stoiker, s. Stoicismus.

Stoilow, Konstantin, bulgar. Staatsmann, geb. 1853 in Philippopel, studierte in Paris, Prag und Heidelberg, wurde nach der Befreiung Bulgariens zum Präsidenten des Appellationsgerichts in Sofia ernannt und machte sich 1879 in der Notabelnversammlung von Tirnova bemerkbar als einer der Führer der neu gegründeten konservativen Partei. S. war Mitglied der Deputation, die dem Prinzen Alexander von Battenberg den bulgar. Thron anbot, und bekleidete 1879-83 das einflußreiche Amt eines Kanzleichefs des Fürsten. Er war dann Januar bis März 1883 Minister des Äußern und wirkte mit an der Beseitigung des russ. Einflusses und an der Versöhnung der bulgar. Parteien, die um Rücktritt der russ. Generale führte. Sodann bekleidete er das Amt des Justizministers von Sept. 1883 bis Jan. 1884 im Koalitionskabinett Zankow, 1886-87 im Ministerium Radoslawow und 1887-88 im Ministerium Stambulow, worauf er sich als Advokat in Sofia niederließ und sich der Opposition anschloß. Nach dem Sturze Stambulows wurde er als Minister des Innern 31. Mai 1894 Präsident des neuen Kabinetts; im Febr. 1896 übernahm er auch die Leitung des Auswärtigen.

Stoische Philosophie, s. Stoicismus.

Stokes (spr. stohks), George Gabriel, engl. Mathematiker und Physiker, geb. 13. Aug. 1819 zu Skreen in der irischen Grafschaft Sligo, studierte zu Cambridge, ist seit 1849 Professor der Mathematik an der Universität daselbst, Mitglied der dortigen Philosophical Society und auch seit 1851 der Royal Society in London, deren Sekretär er 1854-85 und Präsident 1885-90 war. 1889 wurde er zum Baronet ernannt. Seine Abhandlungen erstrecken sich auf die höhern Reihen, auf viele Zweige der höhern Mechanik, besonders auf die Hydrodynamik und auf die Untersuchung der Wellen, auf die Akustik und insbesondere auf die Theorie des Tons, auf die Optik, namentlich auf das Studium des Spektrums, der Lichtabsorption, auf die Beugung und Polarisation des Lichts. S. ist der Schöpfer der Fluorescenzlehre, obgleich einige Erscheinungen derselben schon früher bekannt waren. Die Publikationen S.' finden sich in den Schriften der Cambridge Society, in den "Philosophical Transactions" und andern Fachzeitschriften. Gesammelt erschienen "Mathematical and physical papers" (2 Bde., Cambr. 1880-83), "Burnett lectures: On light" (Lond. 1884-87; deutsch von Dziobek, Lpz. 1888), "Natural theology" (Lond. 1891).

Stokes (spr. stohks), Whitley, engl. Keltolog, geb. 28. Febr. 1830 zu Dublin, studierte daselbst die Rechte und Philologie, ging 1862 als Barrister nach Madras, trat 1864 als Secretary of the Legislative Council in Kalkutta in den angloind. Staatsdienst und war 1877-82 Law Member of the Council of the Governor General of India (Justizminister), 1882 Vorsitzender der ind. Law Commission. Viele der in Indien jetzt geltenden Anglo-Indian codes sind sein Werk. Auch erwarb er sich große Verdienste durch Förderung der Sanskritstudien in Indien. S. lebt in London. Von seinen bedeutenden Arbeiten auf dem Gebiete der kelt. Sprachen sind hervorzuheben: "Irish glosses" (Dublin 1860), "Three Irish glossaries" (Lond. 1862), Cormac's Glossary, translated by O'Donovan" (Dublin 1868), "Goidelica" (2. Aufl., Lond. 1872), "Fís Adamnáin" (Simla 1870), "Three middle Irish homilies on the lives of Saints Patrick, Brigit and Columba" (Kalkutta 1877), "Togail Trói. The destruction of Troy" (ebd. 1881), "On the Calendar of Oengus" (Dublin 1880), "Saltair na Rann" (Oxf. 1883), "The Old-Irish glosses at Würzburg and Carlsruhe" (Hertford 1887), "The tripartite life of St. Patrick" (Lond. 1887), "Lives of Saints from the Book of Lismore (Oxf. 1890), "Urkelt. Sprachschatz" (Gött. 1894), "The martyrology of German" (Lond. 1895). Auf dem Gebiete des Kymrischen: "The Old-Welsh glosses on Martianus Capella" (Berl. 1873), "Die Glossen und Verse in dem Codex des Juvencus zu Cambridge" (ebd. 1865). Auf dem Gebiete des Cornischen: "The life of Saint Meriasek, a Cornish drama" (Lond. 1872), "A Cornish glossary" (ebd. 1870), "The Passion of our Lord" (Berl. 1862), "The Creation of the World. A Cornish Mystery" (ebd. 1863). Im Bretonischen: "Middle-Breton Hours" (Kalkutta 1876), "The Breton glosses at Orléans" (Lond. 1886).

Stokes (spr. stohks), William, engl. Arzt, s. Cheyne-Stokessches Atmungsphänomen.

Stoke-upon-Trent (spr. stohk öpp'n), Municipal- und Parlamentsborough in der engl. Grafschaft Stafford, im Distrikt der Potteries (s. d.), am obern Laufe des Trent, Station der Great-Western-, London and North-Western- und North-Staffordshire-Bahn, hat (1891) 24027 E., ein Athenäum, eine Kunstschule; Fabriken für Porzellan und Töpfergeschirr. Berühmt ist die Fabrik von Minton (s. d.), dem, ebenso wie Wedgwood (s. d.), Denkmäler errichtet sind.