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Brockhaus' Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stola; Stolberg

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Stola - Stolberg (Grafengeschlecht)

Stola (lat.), bei den Römern ein bis auf die Füße reichendes Gewand mit Ärmeln, vorzugsweise von Frauen getragen; es hatte bei Vornehmern Streifen von Gold und Purpur (clavi) und unten einen breiten Saum oder Besatz (instita), bei andern nur einen einzigen goldenen Streifen. (S. Tunika.) Später bezeichnete man damit den Chorrock oder die Festkleidung der kath. Geistlichen. Schon das Konzil von Laodicea (etwa 360) erwähnt derselben als eines Ehrenkleides. Ihre Einfassung war nicht immer mit dem Kleide verbunden, sondern wurde auch gesondert getragen, woraus sich die heutige Gestalt der S. erklärt. Diese besteht aus einer langen, handbreiten weißen oder farbigen Binde von Seide oder Silberstoff, die bei den Diakonen über die linke Schulter nach der rechten Hüfte zu in Form eines Ordensbandes, bei den übrigen Priestern aber über beide Schultern und die Brust kreuzweise herabhängt. Sie ist mit drei Kreuzen, an den Enden häufig noch mit Glöckchen versehen, bei Prälaten mit Stickereien und Perlen verziert und für die Celebration der Messe und die Spendung der Sakramente streng vorgeschrieben. Unter den Protestanten haben nur die Geistlichen der anglikan. Kirche die S. beibehalten. - Vgl. Berrisch, Die S. in ihrer Entstehung, Beschaffenheit, Bedeutung und Anwendung (Köln 1867).

Stolberg, Grafschaft in Thüringen und im südl. Teil des Unterharzes, mit einer Fläche von 303 qkm, ist im NW. mit Bergen und Waldungen bedeckt, während der ganze südöstl. Teil der Goldenen Aue angehört und sehr fruchtbar ist. Im obern Lande wird Silber, Blei, Eisen, Spießglanz und Flußspat gewonnen. Die Grafschaft war früher kursächs. Lehn und gehört jetzt zum Kreis Sangerhausen des preuß. Reg.-Bez. Merseburg. Sie zerfällt in die beiden Standesherrschaften Stolberg-Stolberg (110 qkm) mit der Hauptstadt Stolberg (s. d.) und Stolberg-Roßla (193 qkm) mit dem Hauptort Roßla (s. d.).

Stolberg. 1) S. am Harz, Hauptstadt der Standesherrschaft Stolberg-Stolberg und Residenz des Fürsten zu Stolberg-Stolberg, an der Thyra und an der Nebenlinie S.-Rottleberode-Berga-Kelbra (9,5 km) der Preuß. Staatsbahnen (Bahnhof Rottleberode 7 km entfernt), Sitz eines fürstl. Konsistoriums und Amtsgerichts (Landgericht Nordhausen), hat (1895) 2021 evang. E., Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, drei Kirchen, Residenzschloß mit Bibliothek (50 000 Bände), got. Rathaus (1482), Krankenhaus, Sparkasse; Cigarren- und Pulverfabriken, Eisenhütte, Kupferschächte. S. ist als Sommerfrische beliebt. 7 km nordöstlich der Auerberg (s. d.). - Die Stadt war früher Sitz der Harzgrafen zu S. - 2) S. im Rheinland, Stadt im preuß. Reg.-Bez. und Landkreis Aachen, 11 km von Aachen, am Vichtbach, der unweit sich mit dem Münsterbach vereinigt und dann den Namen Inde führt, an der Linie Köln-Aachen-Herbesthal und den Nebenlinien S.-Walheim (13,1 km), M'Gladbach-Jülich-S. (57,6 km), S.-Herzogenrath (19,7 km) und Würselen-S. (6,3 km) der Preuß. Staatsbahnen (Bahnhöfe S. [Rheinisch], E.-Mühle, S.-Hammer), ist Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Aachen) und einer Handelskammer, besteht aus Stolberg-Mühle und Stolberg-Hammer oder Ober-Stolberg und hat (1895) 13 532 (6663 männl., 6869 weibl.) E., darunter 1086 Evangelische und 75 Israeliten, Postamt erster und dritter Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Straßenbahn, zwei kath. und eine evang. Kirche, altes Bergschloß, neuerdings renoviert, mehrere alte Höfe der Messingfabrikanten, früher Kupfermeister genannt, höhere Stadtschule, höhere Mädchenschule, kath. Hospital, Sparkasse, Volksbank, Wasserleitung und Gaswerk, und ist Mittelpunkt einer großartigen Metallindustrie. In der Stadt und deren Umgebung bestehen zahlreiche Messingwerke, Kupferhämmer, Draht- und Walzwerke, Blei- und Zinkfabriken, Eisengießereien und Spinnereien. Ferner hat S. noch Fabriken für Panzerwaren, Stecknadeln, Dampfkessel, Seife, Spiegel- und andere Glaswaren, Chemikalien und Leder. Die Messingwerke, auf welche sich früher vorzugsweise der Ruf der Stadt gründete, waren von franz. Protestanten aus Amiens um die Mitte des 17. Jahrh. angelegt worden. S. war früher Sitz der Herren von S., die unter der Hoheit der Herzöge von Jülich standen.

^[Abb.]

Stolberg, eins der ältesten deutschen Grafenhäuser, das seit dem 11. Jahrh. urkundlich erwähnt wird. Als Stammland der Familie erscheint die Grafschaft Stolberg am Harz. Die Grafen wurden 1412 Reichsgrafen, hatten Sitz und Stimme auf der Wetterauischen Grafenbank, erwarben 1413 und 1417 die Grafschaft Hohnstein mit Heringen und Kelbra, ererbten 1429 die Grafschaft Wernigerode, 1535 die Grafschaft Königstein (von welcher dem Hause nur Gedern und Ortenberg verblieben sind) und die Grafschaft Rochefort in den österr. Niederlanden (die 1801 wieder verloren ging) und 1577 aus Hennebergscher Erbschaft Schloß und Flecken Schwarza. Im 16. Jahrh. teilte sich das Geschlecht in die Stolberger Linie (erloschen 1631) und die Wernigeroder Linie, aus der 1645 die Grafen Heinrich Ernst zu S. und Johann Martin zu S., beide Söhne des Grafen Christoph zu S. (geb. 1567, gest. 1638), die Grafschaften Wernigerode und Stolberg zum zweitenmal trennten.

I. Die ältere Linie zu Wernigerode spaltete sich durch die beiden Söhne des Stifters in die Äste zu Ilsenburg (erloschen 1710) und zu Wernigerode. Letzterer zerfiel durch die drei Söhne des Stifters, des Grafen Ludwig Christian zu S. (gest. 1710), wiederum in drei Zweige: A. Stolberg-Wernigerode; B. Stolberg-Gedern, der 1742 die reichsfürstl. Würde erhielt, aber im Mannsstamm 1804 erlosch und zu dem die Gräfin Albany (s. d.), die Gemahlin des Prätendenten Karl Eduard, gehörte; C. Stolberg-Schwarza (erloschen 1748). Der Zweig zu Wernigerode wurde vom Grafen Christian Ernst zu S. (geb. 2. April 1691, gest. 25. Okt. 1771), bekannt durch sein Wirken für den Pietismus in Deutschland und Dänemark, begründet, erlangte 1890 den preuß. Fürstenstand für den jedesmaligen Standesherrn und dessen Nachkommen der ersten Generation und besitzt gegenwärtig in vier getrennten Primogenituren a. die Grafschaft Wernigerode (s. d.) mit dem Amte Schwarza (15 qkm), sowie die Herrschaft Gedern im Großherzogtum Hessen (34 qkm) und das Amt Sophienhof (55 qkm) in Hannover; b. die Fideïkommißherrschaft Peterswaldau in Schlesien; c. die Fideïkommißherrschaft Jannowitz-Kupferberg in Schlesien; d. die Fideïkommißherrschaft Kreppelhof in Schlesien. Gegenwärtiger Standesherr ist Fürst Christian Ernst, Sohn des 19. Nov. 1896 verstorbenen Fürsten Otto zu Stolberg-Wernigerode (s. d.).