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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stolzer Tritt - Stopfbüchsen

und Plänen von Stüler und Persius im mittelalterlichen Stil wieder herstellen ließ. Die Schloßkirche mit zwei Spitztürmen ist 1845 vollendet. Im Innern befinden sich Öl- und Freskobilder, namentlich im kleinen Rittersaal sechs Fresken von Hermann Stilke (1842-46), welche die sechs Haupttugenden des Rittertums darstellen, in der Kapelle Fresken auf Goldgrund von Deger, ferner Antiquitäten, Kopien der im Thronsaal zu München aufgestellten Schwanthalerschen Bildsäulen der wittelsbachschen Fürsten u. a., im großen Rittersaal mittelalterliche Humpen, Rüstungen, Waffen von Blücher, Kosciutzko, Hofer, Tilly, Alba u. s. w. Die Außenwand des Schlosses schmückt an der Frontseite ein Fresko von Lasinsky: Besuch Ruprechts von der Pfalz und seines Neffen, des Grafen von Hohenzollern, beim Erzbischof von Trier auf S. vor der Königswahl 1400. Im Wintergarten eine Erzstatue, Jung Siegfried, von Hartung und innerhalb der Ringmauern schöne Gartenanlagen. - Vgl. Malten, Schloß S. (Frankf. a. M. 1844).

Stolzer Tritt, Piaffieren, eine der Hohen Schule (s. d.) angehörende Bewegung des Pferdes, die ähnlich wie der Spanische Tritt (s. d.), aber auf der Stelle ausgeführt wird.

Stolzit, s. Wolframbleierz.

Stoma (grch., Mehrzahl Stomata), Mund, Mündung. (S. Spaltöffnungen.)

Stomachus (grch.), der Magen (s. d.); Stomachĭka, magenstärkende Heilmittel.

Stomakace (grch.), Mundfäule; Stomălgie, Mundkrankheit.

Stomata (grch.), s. Stoma und Spaltöffnungen.

Stomatika (grch.), Mundheilmittel; Stomatītis, Entzündung der Mundhöhle; Stomatomykōse, Pilzkrankheit der Mundhöhle, besonders Schwämmchen; Stomatoplastik, künstliche Mundbildung.

Stomatopoda, Maulfüßer, s. Krustentiere und Heuschreckenkrebse.

Stomatoskop (grch.), Mundspiegel zur Beleuchtung der Mundhöhle.

Stomias boa, s. Tiefseeleben.

Stomoxys, s. Stechfliege.

Stone (spr. stohn), Stadt in der engl. Grafschaft Stafford, am Trent, hat (1891) 5754 E. und Brauereien.

Stone (engl., spr. stohn), Gewicht, s. Stein.

Stonehaven (spr. stohnhehw'n), Hauptstadt der schott. Grafschaft Kincardine, an der Mündung des Carron in die Nordsee, an der Caledonischen Bahn, 25 km im S. von Aberdeen, hat (1891) 4497 E., Seebäder; Leinenweberei, Herings- und Salmfang. Im südl. Stadtteil am Meer Dunnottar Castle (s. d.).

Stonehenge (engl., spr. stohnhenndsch), vorgeschichtliches megalithisches Monument in Wiltshire, nördlich von Salisbury in England. Der größte Teil des Bauwerkes ist jetzt zerstört, aber die gewaltigen Ruinen lassen zum Teil noch die ursprüngliche Anlage erkennen. Sie bestand aus einer in Kreisform angeordneten Reihe von 30 mächtigen Sandsteinpfeilern, die oben durch Horizontalbalken miteinander verbunden waren, etwa 5 m hoch und 1,25-2,5 m breit. Innerhalb dieses Ringes befand sich ein zweiter von 1,5-1,8 m hohen Steinen, und in diesem standen, ebenfalls im Kreise aufgestellt, fünf aus je zwei nebeneinander stehenden und mit einem Horizontalstein verbundenen hohen Pfeilern bestehende Monumente; innerhalb dieses Raumes wieder ein kleiner Ring von Steinen und ganz in der Mitte, auf dem Boden liegend, ein großer, sehr breiter flacher Stein, den man als Altar oder Opferstein ansprechen könnte. Ein tiefer Graben umschloß die ganze Anlage, deren Durchmesser etwa 50 m beträgt. Ob dieses Bauwerk von den Kelten oder der vorkelt. Bevölkerung herrührt, ist nicht sicher zu bestimmen. Sehr wahrscheinlich gehört es aber, wenn es auch an Exaktheit und durch die ausgedehntere Bearbeitung der Steine die übrigen megalithischen Bauten und Dolmen übertrifft, doch in dieselbe Periode und ist ein religiöses Heiligtum, ein Opferplatz u. s. w. gewesen. Ein ähnliches noch größeres Bauwerk fand sich nicht sehr weit davon bei dem Dorfe Avebury (s. d.).

Stonehouse, Stadt in England, s. East-Stonehouse.

Stonesches Eisenbahnsystem (spr. stohnsches), s. Einschienenbahnen.

Stonit, ein Sprengstoff, bestehend aus 68 Teilen Nitroglycerin, 20 Teilen Kieselgur, 4 Teilen Holzmehl und 8 Teilen Kaliumnitrat.

Stonsdorf, Dorf im Kreis Hirschberg des preuß. Reg.-Bez. Liegnitz, in 380 m Höhe, besteht aus dem Ober-, Mittel- und Niederdorf und hat (1895) 780 E., darunter 41 Katholiken, Postagentur, Fernsprechverbindung, simultane Kirche, ein fürstlich reuß. Schloß; Brauerei und Landwirtschaft. Der bekannte Stonsdorfer Bitter wird jetzt in Kunersdorf bei Hirschberg fabriziert. Östlich von S. der Prudelberg (468 m) mit kolossalen Granitwänden, 4 km südwestlich der Stangenberg (485 m) mit der Heinrichsburg, von deren Turm man das ganze Hirschberger Thal übersieht.

Stonyhurst (spr. -hörst), Jesuitenkolleg, s. Preston.

Stoof, russ. Flüssigkeitsmaß, und zwar 1) allgemeines Reichsmaß, amtlich Kruschka genannt (= 1/10 Wedro, s. d.); 2) nicht mehr gesetzliches, aber noch übliches Maß in den Ostseeprovinzen, von verschiedener Größe, nämlich der neue Rigaer S. = 1,275 l, der Rigaer Pegel- oder Visierstoof = 1,53 l, der Pernauer S. = 1,2394 l und der esthländische S. = 1,177 l.

Stoomvaart-Maatschappij Nederland, Dampfschiffahrtsgesellschaft Niederland, holländ. Aktiengesellschaft in Amsterdam, 1897 im Besitz von 15 meist großen Seedampfern (ein weiterer im Bau), mit insgesamt 46 123 Bruttoregistertons, betreibt regelmäßige Fahrt zwischen Amsterdam via Genua und Sueskanal nach Batavia (etwa 35 Tage) und den übrigen Hauptplätzen Niederländisch-Ostindiens. Die Postdampfer (schnellste Überfahrt 22½ Tage) befördern die Post von Genua aus nach Niederländisch-Ostindien und umgekehrt. Die Expeditionen sind 14tägig außer häufigen Extrafahrten.

Stoos, Luftkurort im schweiz. Kanton Schwyz, 5 km südöstlich von Brunnen, mit dem er durch eine Fahrstraße verbunden ist, in 1290 m Höhe, auf einer Bergterrasse über dem Muotathal, besteht aus einem Kurhaus mit Kapelle und Dependenzen und wird wegen der prächtigen Lage viel besucht. Der nahe Frohnalpstock (1922 m), dessen Gipfel vom Kurhaus aus in etwa 1½ Stunden erreicht wird, bietet eine sehr schöne Aussicht.

Stop (engl.), halt! (S. auch Stoppen.)

Stopfbüchsen, Maschinenteile in Form einer Büchse, die mit einem Dichtungsmaterial fest ausgefüllt sind, um Öffnungen, besonders in den Cylinderdeckeln von Dampfmaschinen, Pumpen, Wassersäulenmaschinen, luft-, wasser- oder dampfdicht zu machen, während durch dieselbe ein beweglicher Teil, z. B. bei Dampfmaschinen die Kolbenstange, hindurchgeht. Die umstehende Figur zeigt eine neuere Form der S. mit Metallpackung.