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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stosch; Stoß

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Stosch (Philipp, Baron von) - Stoß

setzt, wurde S. 18. Dez. 1866 zum Direktor des Militär-Ökonomiedepartements im Kriegsministerium ernannt. Während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 und 1871 war S., seit 26. Juli Generallieutenant, Generalintendant der deutschen Heere und erwarb als solcher dem Verpflegungswesen der Armee den Ruf des bestorganisierten und wohlgeordnetsten der Welt. Vom 26. Nov. bis 20. Dez. 1870 war S. Chef des Stabes beim Armeekommando des Großherzogs von Mecklenburg-Schwerin. Nach dem Frieden zum Chef des Stabes bei der auf franz. occupiertem Gebiete zurückbleibenden deutschen Occupationsarmee ernannt, verblieb S. in dieser Stellung, bis der Kaiser ihn 1. Jan. 1872 zum Chef der Admiralität und zum Mitgliede des Bundesrats ernannte. Am 30. Nov. 1872 wurde S. in das Herrenhaus berufen, 22. März 1875 zum General der Infanterie und 1876 zum Admiral à la suite des Seeoffizierkorps befördert. Die Marine verdankt ihm nicht nur eine bedeutende Vergrößerung, sondern auch eine feste innere Ordnung und Gliederung. Am 20. März 1883 schied S. auf seinen Antrag aus dem Dienst; er starb 29. Febr. 1896 in Östrich im Rheingau.

Stosch, Philipp, Baron von, Kunstkenner, geb. 22. März 1691 zu Cüstrin, widmete sich theol. und humanistischen Studien zu Frankfurt a. O., machte weite Reisen, lebte später als engl. Agent in Rom und seit 1731 in Florenz, wo er einen reichen Schatz von Kunstsachen aller Art sammelte. Er starb daselbst 7. Nov. 1757. Berühmt wurden S.' Sammlungen erst nach seinem Tode, namentlich durch Winckelmann. Sie bestanden aus Landkarten, Kupferstichen, Zeichnungen (zusammen 324 Folianten, die sich jetzt in der kaiserl. Bibliothek zu Wien befinden), Bronzen, alten und neuen Münzen, besonders aber geschnittenen Steinen. Die Schwefelabgüsse alter Gemmen beliefen sich auf 14 000 Stück. Den danach zusammengestellten musterhaften Katalog gab Winckelmann u. d. T. "Description des pierres gravées du feu Baron de S." (Flor. 1760) heraus, nachdem S. selbst schon früher die Schrift "Gemmae antique celatae, sculptorem nominibus insignitae" (Amsterd. 1724) bekannt gemacht hatte. König Friedrich II. kaufte 1770 S.' Hauptsammlung für 30 000 Thlr. Der Prinz von Wales erstand die Sammlung von Abgüssen neuerer Münzen für 1000 Dukaten. Eine Sammlung Schwefelabgüsse alter Steine, über 28 000 Stück, kam in der Folge in Tassies Besitz. Von den von Schweickardt 1775 begonnenen Kupferabdrücken der Sammlung S.' erschien nur das erste Heft in sechs Blättern. Eine Auswahl von Gemmen aus dem Kabinett S.' findet sich in Schlichtegrolls "Dactyliotheca Stoschiana" (2 Bde., Nürnb. 1797-1805).

Stoß, die gegenseitige Wechselwirkung beim plötzlichen Zusammentreffen zweier Körper, von denen wenigstens einer in Bewegung sein muß. Der S. heißt gerade, wenn die Richtung der Bewegung senkrecht auf die Berührungsebene der sich stoßenden Körper ist, im Gegenteil schief; ferner central, wenn die Richtung der Bewegung durch den Schwerpunkt der Massen geht, im Gegenteil excentrisch. Die Gesetze des S. wurden (1668-69) von Wren, Huyghens und Wallis gefunden. Der Druck, den ein stoßender Körper auf unsere Hand ausübt, ist desto empfindlicher, je größer dessen Masse und Geschwindigkeit ist. Achtet man auf diese beiden maßgebenden Umstände, so erkennt man, daß gleiche unelastische Massen mit gleichen entgegengesetzten Geschwindigkeiten aufeinanderstoßend nach dem S. in Ruhe bleiben. Aber auch, wenn die Massen 2m und m mit den Geschwindigkeiten c und 2c sich gegeneinander bewegen, oder wenn 3m und 2m mit 2c und 3c aufeinander treffen, tritt Ruhe ein. Denkt man sich die Vorgänge auf einem Schiff mit der Bewegungsgeschwindigkeit U, so erhält man für den Beobachter am Ufer neue Fälle mit beliebigen Geschwindigkeiten und der Geschwindigkeit U nach dem S. Durch solche Überlegungen findet man für U die Formel von Wallis: U = mu + m'u' / m + m', wobei m, m' die Massen, u, u' deren Geschwindigkeiten vor dem S. bedeuten.

Sind die Massen elastisch, so nehmen sie nachher wieder ihre frühere Form an, wobei alle Kräfte nochmals in umgekehrter Ordnung wirksam werden, so daß jede Masse ihre ursprüngliche Geschwindigkeit in entgegengesetzter Richtung wiedererhält. Der Vorgang auf einem bewegten Schiff vom Ufer aus beobachtet, giebt nach Huyghens wieder den allgemeinen Fall. Gleiche elastische Massen m und m mit gleichen entgegengesetzten Geschwindigkeiten +c, -c aufeinanderstoßend, prallen mit den gleichen entgegengesetzten Geschwindigkeiten -c und +c voneinander ab. Auf einem Schiff von der Bewegungsgeschwindigkeit +c stößt für den Beobachter am Ufer die erste Masse mit +2c an die ruhende Masse an, welche letztere 2c erhält, während die erstere nach dem S. in Ruhe bleibt. Ebenso leicht ergiebt sich, daß allgemein gleiche elastische Massen im S. ihre Geschwindigkeiten tauschen. Durch Verallgemeinerung dieser Betrachtungen findet man für die elastischen Massen M und m, die mit den Geschwindigkeiten C und c aufeinanderstoßen, die Geschwindigkeiten V und v nach dem S.: MC + m(2c-C) / M + m und v = mc + M(2C-c)/M + m, aus welcher Formel sich alle Specialfälle ergeben. Legt man eine Reihe von gleichen Münzstücken auf einen glatten Tisch und schnellt ein solches Stück gegen die Reihe, so springt am andern Ende wieder nur ein Stück ab, während die andern in Ruhe bleiben, dagegen 2, 3, wenn man 2, 3 gegen die Reihe geschnellt hat, was sich aus dem Obigen leicht erklärt. Ein gegen eine feste Wand stoßender Körper verhält sich so, als ob er gegen eine unendlich große Masse stoßen würde.

In der Fechtkunst ist S. eine Bewegung, die den Zweck hat, den Gegner mit der Spitze der Waffe zu treffen. Der S. erfolgt aus dem Handgelenk und mit gestrecktem Arme und wird fast immer durch den Ausfall verstärkt. Man unterscheidet feste und flüchtige S., erstere werden mit scharfer Fühlung an der feindlichen Klinge ausgeführt, letztere ohne diese. Je nach der Faustlage (s. Motion), mit der die S. geführt werden, nennt man sie Prim-, Sekonde-, Terz- und Quartstoß; je nach dem Engagement (s. d.) unterscheidet man innere und äußere S. Das Ziel der regelrechten S. ist Arm, Brust und Leib des Gegners; S., die den Kopf oder die Füße treffen, nennt man unregelmäßige S. oder Saustöße. Der gegen des Gegners Gesicht und Brust gerichtete Primstoß kommt selten vor. Der Sekondestoß wird als innere oder als äußere Sekonde gegen die untern Partien des Gegners gestoßen. Der Terzstoß ist gegen die äußere Seite des Gegners gerichtet und kann nur aus dem äußern Engagement gestoßen wer-^[folgende Seite]