Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Streitaxt; Streitbefestigung; Streitberg; Streitgedichte

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Streitaxt - Streitgedichte

einander standen, verschuldet. Eine große Streikbewegung gab es 1848-49; doch blieb diese namentlich auf Eisenbahnarbeiter, Buchdrucker und Maurer beschränkt. Häufiger wurden die S. in der ersten Hälfte der sechziger Jahre und besonders seit 1869. Viel Aufsehen erregten der Leipziger Buchdruckerstreik von 1865, bei dem 5-600 Setzer die Arbeit einstellten, und der Waldenburger S. vom 1. Dez. 1869, bei welchem von 7413 Bergleuten 6409 die Arbeit niederlegten. Der erstere schloß nach neunwöchiger Dauer mit einem Kompromiß, der letztere schlug gänzlich fehl. Nach dem franz. Kriege steigerten sich mit der Gründungsära die S. ungemein, und bis 1878 belief sich die Zahl der S. auf Tausende. Die J. 1878-82 waren ruhig, und erst 1882 brach die Bewegung wieder aus. S. von ungeahnten Ausdehnungen zeigten sich 1889. Namentlich das Baugewerbe (in Berlin, mit einem zweimonatigen S. von 20-25 000 Maurern und Zimmerleuten), das Braugewerbe und die Bergarbeiter hatten die Arbeit niedergelegt. Der S. der letztern, der umfangreichste, der in Deutschland jemals beobachtet ist, brach in Westfalen 8. Mai aus und wies 14. Mai etwa 100 000 ohne Kündigung feiernde Arbeiter auf. Auf Grund eines in Berlin 19. Mai geschlossenen Übereinkommens nahm der größte Teil der streikenden die Arbeit wieder auf. Der Erfolg war nur ein geteilter. Umfassender als seit vielen Jahren war die Streikbewegung von 1896. Namentlich sind zu nennen der Konfektionsarbeiterstreik in Berlin, der sich nicht nur auf Lohnerhöhung, sondern auch auf Hinderung der Betriebsweise und gegen das Sweatingsystem (s. d.) richtete und mit einem partiellen Erfolg der Arbeiter endigte, und der große Hafenarbeiterstreik in Hamburg, der 11 Wochen (21. Nov. 1896 bis 6. Febr. 1897) dauerte und eine völlige Niederlage der Arbeiter zur Folge hatte.

Eine amtliche Statistik der S. fehlt im Deutschen Reiche. Dagegen veranstaltet die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands seit Jahren eine Statistik, die folgendes Bild liefert:

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Jahre Anzahl der Gewerbe, in denen gestreikt wurde Anzahl der Streiks Zahl der beteiligten Personen Dauer der Streiks in Wochen Gesamtausgabe

1890/91 27 226 38 536 1368 2 094 922

1892 21 73 3 022 507 84 638

1893 26 116 9 356 568 172 001

1894 27 131 7 378 879 354 297

1895 29 204 14 032 1030 424 231

1890/95 130 750 72 324 4352 3 130 089

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Über die Zahl der S. in Österreich während der J. 1891-95 giebt folgende Tabelle Auskunft:

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Jahre Streiks Beteiligte Firmen Streikende Arbeiter überhaupt Streikende Arbeiter in Proz. der Beschäftigten Versäumte Arbeitstage

1891 104 1917 14 025 34,64 247 086

1892 101 1519 14 123 57,36 150 992

1893 172 1207 28 120 61,75 518 511

1894 159 2468 44 075 72,58 566 463

1895 205 869 23 026 60,88 297 845

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Nach den Mitteilungen des Pariser Arbeitsamtes wurden in Frankreich von den 405 S. des J. 1895 1258 Etablissements betroffen. 104 Ausstände dauerten nur einen Tag und weniger, 276 nur eine Woche und weniger. Die Zahl der Beteiligten betrug 45 801 (1894: 54 576), die der verlorenen Arbeitstage 617 469 (1894: 1 062 480).

In England wiesen die S. im J. 1895, verglichen mit 1894, sowohl was Zahl oder Dauer anlangt, eine wesentliche Abnahme auf. Es kamen 876 S. vor, an denen 263 758 Arbeiter beteiligt waren, gegenüber 1061 S. und 324 245 Arbeitern im J. 1894. Die Zahl der verlorenen Arbeitstage betrug 5 542 000 gegen 9 322 000 im J. 1894. Erfolgreich waren 24 Proz. der beteiligten Arbeiter (gegenüber 22 Proz. im Vorjahre), 47 Proz. erzielten teilweisen Erfolg (gegen 34,2 Proz. im Vorjahre), 28 Proz. waren erfolglos (gegen 42 Proz.).

Nach einer Statistik des Arbeiterkommissars in Washington sind 1881-94 in den Vereinigten Staaten von Amerika 14 389 S. und Lockouts zu verzeichnen, an denen 69 167 Betriebe mit 3 714 231 Arbeitern und 6067 Betriebe mit 366 670 Personen beteiligt waren. Die Lohnverluste durch S. betrugen 190 493 382 Doll.

Vgl. Handwörterbuch der Staatswissenschaften, Bd. 1 (Jena 1890), S. 607-666 (daselbst Litteraturangabe); Der Arbeiterfreund, seit 1873 in allen Jahrgängen; G. Natorp, Der Ausstand der Bergarbeiter (Essen 1889); Bevan, The strikes of the past ten years, 1870-1880); Schwiedland, Die Arbeitseinstellung in Amerika (in den "Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik", Neue Folge, Bd. 19, Jena 1889); von Heckel, Zur Statistik der Arbeitseinstellungen in Frankreich (ebd., 3. Folge, Bd. 9, 1895); Schönlank, Sociale Kämpfe vor 300 Jahren (Lpz. 1894); die Zeitschrift "Sociale Praxis", früher "Socialpolit. Centralblatt" (Berl. 1892 fg.).

Streitaxt, keilförmige Hiebwaffe des Mittelalters von verschiedener Form. Die im frühen Mittelalter von den Franken gebrauchte Francisca war eine beilartige S. mit kurzem Stiel; die Fußstreitaxt des spätern Mittelalters hatte an der einen Seite eine Axt, an der andern einen Hammer oder eine gekrümmte Spitze. Die kurz gestielte Reiteraxt (Barte) wird am Ende des Mittelalters öfters mit einer in den Stiel eingefügten Feuerwaffe versehen. Im spätern Mittelalter kommt das Wurfbeil vielfach als Waffe des Fußvolks vor. Aus der Verbindung der Fußstreitraxt mit langer Speerspitze entstand die Hellebarde (s. o.).

Streitbefestigung, s. Einlassung.

Streitberg, Dorf und Badeort im Bezirksamt Ebermannstadt des bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, rechts an der Wiesent, in der Fränkischen Schweiz, in 584 m Höhe, hat (1895) 404 E., darunter 8 Katholiken, Post, Telegraph, eine Heilquelle (Muschelquelle) und ein Kurhaus (Sol-, Seesalz-, Fichtennadel-, Stahl- und Moorbäder) mit Park. In der Umgegend die Schönsteinhöhle, das Schauerthal mit merkwürdigen Felsformationen aus weißem Jura und Dolomit, die Bergkuppen des Guckhüll und des Hunnenstein und die Ruinen Streitburg und Neudeck mit Grotten.

Streitgedichte, in der Art der franz. und provencal. lyrischen Tenzonen oder Jeux partis, in denen zwei verschiedene Dichter Fragen aus dem Minnedienst miteinander kämpfend behandelten, kommen im deutschen Minnesang nicht eigentlich vor. Erst der Meistergesang kennt ähnliches, nur daß die Themata theologisch-scholastischer und rätselnder Art zu sein pflegten. Besonders berühmt war der poet. Streit zwischen Frauenlob und Regen-^[folgende Seite]