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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Strobylus; Strodtmann; Stroganow

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Strobylus - Stroganow

handliche Konstruktion des S. ist der Anschützsche Schnellseher (s. Anschütz, Ottomar). - Vgl. Mach, Optisch-akustische Versuche (Prag 1873).

Strobylus, Gebirge, s. Elbrus.

Strodtmann, Adolf, Schriftsteller, geb. 24. März 1829 zu Flensburg, trat bei der Erhebung der Herzogtümer gegen Dänemark im März 1848 als Freiwilliger in das Kieler Studentenkorps und geriet 9. April 1848 in dän. Gefangenschaft, aus der er erst durch den Malmöer Waffenstillstand befreit wurde. Als Bonner Student wurde er Nov. 1849 wegen Veröffentlichung des auf den im Zuchthaus sitzenden Kinkel bezüglichen "Lieds vom Spulen" relegiert. 1852-56 lebte er in Nordamerika, ließ sich 1856 in Hamburg nieder und siedelte 1872 nach Steglitz bei Berlin über, wo er 17. März 1879 starb. Auf poet. Gebiet erschienen von S.: "Gedichte" (Lpz. 1857; auch in Reclams "Universalbibliothek"), "Rohana. Ein Liebesleben in der Wildnis" (Hamb. 1857; 2. Aufl., Berl. 1872), "Ein Hoheslied der Liebe" (Hamb. 1858), "Lieder der Nacht" (Bonn 1850) u. a. S.s litterarhistor. Arbeiten galten Heine und Bürger: "Heines Leben und Werke" (2 Bde., 2. Aufl. 1873-74), "Immortellen Heinr. Heines" (2. Aufl., Hamb. 1871), die Ausgabe von Heines "Sämtlichen Werken" (21 Bde., ebd. 1861-69), die Sammlung der "Briefe von und an Gottfried August Bürger" (4 Bde., Berl. 1874). S. übersetzte Werke von Montesquieu, Byron, Shelley, Tennyson, Bergsöe, Ibsen, Björnson, George Eliot, Marie Colban, Dixon, Holger Drachmann, J. P. Jacobsen, Svend Grundtvig, Chr. K. F. Molbech, G. Brandes u. a.

Stroganow, russ. Adelsfamilie, die sich gegenwärtig in zwei Äste teilt. Der Ahnherr war Anika S., ein Nowgorodischer Kaufherr, der zu Anfang des 16. Jahrh. große Domänen und Salinen am Fuße der uralischen Berge besaß, die Salzsiedereien an der Wytschegda anlegte und einen Handelsweg über das Uralgebirge nach Sibirien entdeckte. Zar Iwan IV. Wassiljewitsch erteilte den beiden ältern Söhnen Anikas, Jakow und Grigorij S., Schenkungsbriefe über die wüsten Plätze südlich von der Stadt Perm zwischen der Kama und Tschussowaja. Die Brüder gründeten mehrere Städte und befestigte Dörfer, hielten Truppen und beschützten den Nordosten Rußlands. Nachdem sie so die Grenzen des bewohnten moskowitischen Staates bis zum Ural ausgedehnt hatten, baten sie, als der mongol. Eroberer Sibiriens, Kutschum, ihre Anlage an der Kama zerstören wollte, um einen Ukas, im sibir. Lande Festungen erbauen zu dürfen, und erhielten 30. Mai 1574 von Iwan den Schenkungsbrief über das feindliche Land. Diesen Eroberungskrieg führte aber erst nach ihrem Tode (1580) ihr jüngster Bruder Semen Anikitsch, nebst seinen Neffen Maxim Jakowlew und Nikita Grigorjew und dem Ataman der donischen Kosaken, Jermak (s. d.). Am 25. Okt. 1581 wurde das Lager Kutschums am Irtysch sowie dessen Residenz Isker oder Sibir erobert. In zwei Jahren war die vollständige Unterwerfung Sibiriens gelungen, das nunmehr als Zartum den Ländern der russ. Krone hinzugefügt wurde. Die S. erhielten vom Zaren außerordentliche Vergünstigungen; der ganze Handel Sibiriens wurde in ihre Hände gelegt. Sie wurden Erbauer und Besitzer von mehr als 100 Dörfern, Fabrikanlagen und Hüttenwerken, wozu sich dann später noch die einträglichen Goldwäschereien im Ural und Altai gesellten. Ferner wurde ihnen vom Zar Michael Feodorowitsch das Vorrecht bewilligt, eigene Truppen und Festungen zu besitzen und freie Gerichtsbarkeit über ihre Untergebenen auszuüben. Zu Ende des 17. Jahrh. lebte von der Familie nur noch Grigorij S. Derselbe hatte drei Söhne, Alexander, Nikolaj und Sergej, denen Peter d. Gr. 6. Mai 1722 alle Vorrechte entriß, für die er sie allein durch den Barontitel entschädigte. Von Sergej und Nikolaj stammen die jetzt bestehenden zwei gräfl. Linien des Geschlechts ab.

Der Sohn Sergejs, Alexander S., geb. 1734, erhielt 1761 von Franz I. den deutschen Reichsgrafentitel, worauf ihn Kaiser Paul 1798 auch in den russ. Grafenstand erhob. Er starb als Oberkammerherr, Wirkl. Geheimrat erster Klasse und Präsident der Akademie der Künste 1811 zu Petersburg. Sein Sohn Graf Paul S. zeichnete sich als General in den Feldzügen gegen die Franzosen aus, namentlich in der Schlacht bei Craonne 7. März 1814, wo sein einziger Sohn an seiner Seite fiel. Er starb 1817 und hinterließ nur eine Tochter.

Der Enkel Nikolajs, Grigorij Alexandrowitsch S., geb. 1770, war 1805-8 Gesandter zu Madrid, dann zu Stockholm und 1821 zu Konstantinopel, wo er sich durch seine Haltung gegen den Diwan zum Schutze der Griechen auszeichnete. 1826 wurde er vom Kaiser Nikolaus I. in den Grafenstand erhoben. Im Herbst 1827 trat er wieder in den Staatsdienst, wurde Mitglied des Reichsrats und starb 19. Jan. 1857.

Sein Sohn Sergej S., geb. 1794, heiratete die Tochter des Grafen Paul S., die Erbin der jüngern Linie des Hauses, und erhielt infolgedessen noch vor seinem Vater den Grafentitel. Er war außerordentlicher Kommissar in Riga im Cholerajahre 1831 und Gouverneur von Minsk nach dem Falle von Warschau, 1835-45 Kurator des Moskauer Lehrbezirks und wurde 1852 General der Kavallerie, 1855 Mitglied des Reichsrats. 1857 übernahm er die Leitung der archäol. Ausgrabungen in Rußland auf Kosten des kaiserl. Kabinetts. Er veröffentlichte seit 1860 in russ. und franz. Sprache die "Comptes rendus de la Commission archéologique" (mit vielen Abbildungen) sowie Nachrichten über die Altertümer, welche in dem Lande der alten Scythen ausgegraben worden sind ("Recueil d'antiquités de la Scythie", 1866 sg.). Die von ihm erworbene, von Stephani 1860 beschriebene, neuerdings als modern erwiesene Statue des Apollon ist als Apollon-Stroganow bekannt. Die ihm 1859 übertragene Würde eines Generalgouverneurs von Moskau legte er bald wieder nieder, indem er zum Kurator des damaligen Thronfolgers Nikolaus ernannt wurde. 1865 wurde er zum Präsidenten des Hauptkomitees der Eisenbahnen in Rußland ernannt.

Graf S. kam in den Besitz eines großen Teils der von seinem Urahn angelegten Salzsiedereien und Eisenwerke im Gouvernement Perm und in Sibirien. Er stiftete eine auf eigene Kosten erhaltene Zeichenschule in Moskau und war Präsident der Gesellschaft für russ. Geschichte und Altertümer. Er starb 27. März (8. April) 1882 in Petersburg. Sein Bruder, Graf Alexander S., war 1839-41 Minister des Innern, später Generalgouverneur von Neurußland und Bessarabien. Dessen Sohn, der kaiserl. Stallmeister und Generallieutenant Graf Grigorij S. (gest. 20. Febr. 1879), vermählte sich 1856 in morganatischer Ehe mit der seit 1852 verwitweten Herzogin von Leuchtenberg, Großfürstin Maria Nikolajewna (gest. 24. Febr. 1876).