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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Strophios; Strophisches Lied; Strophulus; Ströpke; Stroppen; Strosse; Strossenhäuer; Stroßmayer; Strotten; Stroud; Strousberg; Strozzi

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Strophios - Strozzi (Familie)

Kurzzeilen war verbreitet. Seit dem Aufkommen des Reims dient eine der mittellat. Hymnenstrophe von zwei Reimpaaren nachgebildete einfache S. von vier Kurzzeilen als Keim einer reichen Entwicklung; sie lebt besonders deutlich im Schnadahüpfl fort. Unter franz. Einfluß wird etwa seit 1170 in dem deutschen höfischen Minnesang eine Dreiteiligkeit zur Regel, die im Meistergesang und zum Teil noch im modernen deutschen Strophenbau festgehalten wird: sie gliedert die S. in einen Aufgesang (s. d.) aus zwei einander gleichen Stollen und in den abweichenden, aber ähnlichen Abgesang. Die moderne deutsche Dichtung hat sich seit Opitz darin gefallen, antike, roman. und andere ausländische Strophenformen nachzuahmen: Klopstock, J. H. Voß, besonders Platen haben in antiken, die Brüder Schlegel, Rückert u. a. in roman. Strophennachahmungen Bedeutendes geleistet. Die selbständige Bildung nationaler Strophenformen wurde durch ein Übermaß fremder Einflüsse geradezu erstickt. (S. Metrik.) - Vgl. Seyd, Beitrag zur Charakteristik und Würdigung der deutschen S. (Berl. 1874); R. M. Meyer, Grundlagen mittelhochdeutschen Strophenbaues (Straßb.1886); Minor, Neuhochdeutsche Metrik (ebd. 1893).

Strophios, Vater des Pylades, s. Orestes.

Strophisches Lied, s. Durchkomponieren.

Strophulus, Hautkrankheit, s. Schälknötchen.

Ströpke, soviel wie Ströbeck (s. d.).

Stroppen, Stadt im Kreis Trebnitz des preuß. Reg.-Bez. Breslau, hat (1895) 625 E., darunter 52 Katholiken, Post, Telegraph und evang. Kirche.

Strosse, ältere Bezeichnung für Sohle und das Gestein in der Sohle, über Strossenbau und Strossenstöße s. Bergbau (Abbaumethoden).

Strossenhäuer, ein Bergmann (s. d.).

Stroßmayer, Joseph Georg, kath. Bischof von Kroatien, geb. 4. Febr. 1815 zu Essek in Slawonien, studierte im Seminar zu Diakovar, an der Universität Pest und, nachdem er 16. Febr. 1838 die Priesterweihe empfangen hatte, noch einige Zeit im Augustinum zu Wien; er vikarierte ein Jahr zu Peterwardein, wurde dann Professor am Seminar zu Diakovar, danach kaiserl. Hofkaplan und Direktor des Augustinums und 1849 Bischof von Diakovar, in welcher Stelle er großen Einfluß auf seine kroat. Volksgenossen gewann. 1859 wurde er in den verstärkten Reichsrat berufen, wo er auf der Seite der Föderalisten stand. Seit der Herstellung des ungar.-kroat. Ausgleichs hält sich S. vom öffentlichen polit. Leben fern. Dagegen trat er auf dem Vatikanischen Konzil als Führer der Opposition gegen das Unfehlbarkeitsdogma sehr in den Vordergrund. Desto eifriger ist er nach seiner Unterwerfung unter die Entscheidung des Konzils als Kirchenfürst thätig, um die südslaw. Bevölkerung unter die röm. Herrschaft zu bringen sowie die slaw. Liturgie einzuführen. Sein 16. Febr. 1888 gefeiertes 50jähriges Priesterjubilüum wurde zu Demonstrationen im panslawistischen Sinne benutzt. Seine reichen Einkünfte benutzt er zur geistigen Hebung seiner Nation; er gründete Volksschulen, ließ durch Augustin Theiner "Vetetera monumenta Slavorum meridionalium historiam illustrantia" (Rom 1863) herausgeben, beteiligte sich eifrig bei der Gründung der kroat. Akademie und Universität zu Agram und erbaute zu Diakovar eine prachtvolle Kathedrale (1883).

Strotten, soviel wie Molken (s. d.).

Stroud (spr. straud), Fabrikort in der engl. Grafschaft Gloucester, 15 km südlich von Gloucester, zwischen den Cotswoldhügeln, an dem Kanal, welcher die obere Themse mit dem untern Severn verbindet, Station der Great-Western-Bahn, Mittelpunkt der in den benachbarten Thälern bestehenden Tuchfabriken, hat (1891) 9818 E. und Färberei.

Strousberg, Bethel Henry (ursprünglich Baruch Hirsch Strausberg), Eisenbahnunternehmer, geb. 20. Nov. 1823 zu Neidenburg in Ostpreußen, war in London, wo er sich taufen ließ, als Mitarbeiter an Handelsblättern und Agent für Versicherungsanstalten thätig. 1855 begab er sich nach Berlin, wo er als Eisenbahnunternehmer im großen Stil auftrat (Tilsit-Insterburg, Ostpreuß. Südbahn, Berlin-Görlitz, Märkisch-Posener Bahn, Rechte Oderuferbahn, Halle-Sorau, Hannover-Altenbeken). S. kaufte ferner Lokomotivfabriken, Grubenfelder, Bergwerke und Schienenwalzwerke für seine Eisenbahnbauten. Als letzte große Leistung folgte der Bau der rumän. Eisenbahnen (1868-71), ein Unternehmen, das jedoch mit einem empfindlichen Verlust für S. abschloß. Seitdem erhielt die Thätigkeit des "Eisenbahnkönigs" einen verwilderten Anstrich, namentlich seine Thätigkeit mit der Moskauer Kommerz- und Leihbank. S. wurde 25. Okt. 1875 in Petersburg verhaftet und zur Landesverweisung verurteilt. Hierauf wurde in Berlin der Konkurs über sein Vermögen eröffnet. Er starb 31. Mai 1884 in Berlin. - Vgl. Hoppe, Dr. S. und Konsorten, die rumän. Regierung und die Besitzer rumän. Eisenbahnobligationen (4. Aufl., Berl. 1871); Dr. S. und sein Wirken, von ihm selbst geschildert (3. Abdruck, ebd. 1876).

Strozzi, edle florentin. Familie, die zuerst Ende des 13. Jahrh. hervortritt, als Anhänger der Popolanen- und Welfenpartei im 14. Jahrh. sich zur reichsten Familie von Florenz, wo ihr Palast zu den hervorragendsten gehört, aufschwang und, nachdem sechzehn das Amt des Gonfaloniere erreicht hatten, vergeblich gegen die Herrschaft der Medici, die schon im 15. Jahrh. sie bitter verfolgten, ankämpfte. Von den vielen Zweigen der Familie blüht noch in Mantua der hier von Tommaso S. begründete.

Hervorzuheben sind: Filippo S. der Ältere, geb. 1426, gest. 14. Mai 1491 zu Florenz, der Begründer des berühmtesten Zweiges der Familie. Er hat den Bau des berühmten Palazzo Strozzi begonnen, über ihn und seine Mutter vgl. Guasti, Allesandra Macinghi negli S. (Flor. 1877); Reumont, Kleine Schriften (Gotha 1882); A. Maringhi, Una lettera d'Allessandria Maringhi negli S, (Flor. 1890).

Dessen Sohn, Giovan-Battista S., genannt Filippo der Jüngere, geb. 1488, gest. 18. Dez. 1538 zu Florenz. Wegen seiner Heirat mit Clarisse, einer Enkelin Lorenzos de' Medici, gefürchtet, aber nur leicht bestraft, hielt er sich sowohl von der Verschwörung gegen Pietro Soderini, für welche ihn 1510 Julius II. gewinnen wollte, als nachher von den Umtrieben Leos X. für die Medici fern; allein er ließ sich endlich doch von Clemens III. gewinnen, nicht nur die frühere thatsächliche Herrschaft der Medici als gesetzlich anerkannte wieder aufzurichten, sondern sogar den Bau der Zwingburg zu unterstützen, in der er aber dann selbst den Tod fand. Nach Ermordung Alessandros de' Medici vereitelte er durch sein Zaudern den Sieg der Optimatenpartei über Cosimo I., gegen den er an die Spitze der Vertriebenen trat. In Montemurlo gefangen genommen, ward er von Karls V. Befehlshaber, Alessandro Vitelli, zwar nicht an Cosimo aus-^[folgende Seite]