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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stuhlrohr; Stuhlsitz; Stuhlverstopfung; Stuhlweißenburg

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Stuhlrohr - Stuhlweißenburg

nant in die deutsche Schutztruppe ein und wurde bei Mlembule schwer verwundet. Im Frühjahr 1890 schloß er sich auf Emin Paschas Wunsch dessen Expedition nach dem Seengebiet an, trennte sich in Undussuma westlich vom Albertsee 7. Dez. 1891 von diesem und gelangte über den Albert-Eduard- und Victoriasee, Usukuma und die Massaisteppe 12. Juli 1892 an die Küste. Er brachte umfangreiches, naturwissenschaftlich und geographisch wertvolles Material mit nach Deutschland. Ende 1893 ging er abermals nach Deutsch-Ostafrika, bereiste zum Zweck kartogr. Aufnahmen im Jan. und Febr. 1891 Usaramo und erwarb massenhafte Schätze für die botan., zoolog. und ethnogr. Sammlungen des Reichs. Gegenwärtig (1897) ist er Abteilungschef der Landesvermessung in Dar es-Salaam. Er veröffentlichte "Zoolog. Ergebnisse einer in die Küstengebiete von Ostafrika unternommenen Reise" (Bd. 1, Berl. 1893). Hervorragend ist sein Werk: "Mit Emin Pascha ins Herz von Afrika" (Berl. 1891).

Stuhlrohr, s. Rohr.

Stuhlsitz, s. Sattel.

Stuhlverstopfung, Obstruktion, Obstipation, Leibesverstopfung, der Zustand, bei dem der Darmkot seltener als gewöhnlich, in ungenügender Menge oder gar nicht entleert wird. Die S. tritt entweder nur vorübergehend ein oder sie ist ein dauernder Zustand und wird dann habituell genannt. Ursache der vorübergehenden Verstopfung können sein Diätfehler (Genuß unverdaulicher, schlecht gekauter Speisen), abnorme Beschaffenheit der Verdauungssäfte, der Gebrauch verstopfender Mittel (Opium, Morphium, Tannin, Bleipräparate). In diesen Fällen ist sie von geringerer Bedeutung, macht selten eine Behandlung nötig und kann leicht durch Klystier und milde Abführmittel gehoben werden. Von größerer Bedeutung dagegen ist die momentane S. infolge eingeklemmten Darmbruchs, Verschlingung oder Verschlusses (z. B. durch Krebsgeschwülste) der Gedärme. Diese Verstopfungen führen zum Tode, wenn sie nicht operativ beseitigt werden können. (S. Darmverengerung.)

Die habituelle Verstopfung oder Hartleibigkeit (alvus sicca) entsteht durch zu geringe Leibesbewegung, fortgesetzte Diätfehler, insbesondere allzu trockne, fleischreiche oder unverdauliche Kost, durch zu geringen Genuß von Flüssigkeit, häufigen Gebrauch von Abführ- oder verstopfenden Mitteln, zu denen der Genuß von viel starkem Bier und Wein, Gebrauch bleihaltigen Schnupftabaks, Genuß bleihaltigen Weins und anderer bleihaltiger Substanzen (s. Bleivergiftung) gehören; endlich auch durch Trägheit und Lähmung der Darmmuskulatur. Eine nicht seltene Ursache der Hartleibigkeit ist ferner die üble Angewohnheit der seltenen Stuhlentleerung, ein Fehler mancher Gelehrten und Stubensitzer. Die gewöhnlichen Folgen der S. sind Blutandrang nach dem Kopfe, Eingenommenheit des Kopfes, Schwindel, Kopfschmerz, Verstimmung und Verdrießlichkeit u. s. w., auch kann die habituelle Verstopfung Hämorrhoiden, Mastdarmvorfälle und andere Übel nach sich ziehen. Die habituelle Verstopfung darf nicht durch die gegen dieselbe angepriesenen drastischen Abführmittel (Aloe, Senna) behandelt werden, sondern ist durch Regelung der ganzen Lebensweise, passende Auswahl der Speisen, fleißiges Wassertrinken, Pflege der Leibesbewegung (Turnen, Rudern, Radfahren, Bergsteigen) und den vorsichtigen Gebrauch von Klystieren und milden Abführmitteln (s. Abführen) zu heben. In hartnäckigen Fällen erweist sich die methodische und konsequent fortgesetzte Massage (s. d.) des Bauches in der Regel erfolgreich.

Stuhlweißenburg. 1) S., ungar. Székes-Fejérvár (lat. Comitatus albensis), Komitat in Ungarn, jenseit der Donau, grenzt im N. an Komorn, im O. an Pest, im S. an Tolna und im W. an Veszprim, und hat 4156 qkm und (1890) 222 455 meist kath. magyar. E. (26 077 Deutsche, 2924 Slowaken, 2103 Serben), darunter 65 021 Evangelische und 8388 Israeliten. Der südlichste und zwar größte Teil des Komitats ist eine wellenförmige, früher sumpfige Ebene; der Norden wird von der Bergreihe Vértes, einer Fortsetzung des Bakonyer Waldes (mit dem vulkanartigen Csokaberge, 480 m), durchzogen. Der Hauptfluß ist die Donau an der Ostgrenze, gleich wichtig für die Schiffahrt und den Handel wie für den Fischfang. Das milde Klima befördert die Vegetation des fruchtbaren Bodens. Hauptprodukte sind Getreide, besonders Weizen, Mais, gute Weine, Obst im Überfluß, Tabak. Die fetten Weiden begünstigen die Viehzucht außerordentlich. Die großen Waldungen im Norden sind reich an Holz und Wild, die Gewässer an Fischen, Krebsen und Schildkröten. Das Komitat umfaßt die königl. Freistadt S. und 5 Stuhlbezirke. - 2) S., ungar. Székes Fejérvár (lat. Alba regia oder Alba regalis), Königliche Freistadt und Hauptstadt des Komitats S., in der Nähe der Sümpfe Sár-Rét, zu deren Entwässerung zahlreiche Kanäle und Gräben gezogen sind, an den Linien Budapest-Pragerhof, Neu-Szöny-S. (82 km) der Österr. Südbahn und Kis-Czell-S. (124 km) der Ungar. Staatsbahnen, ist Sitz der Komitatsbehörden, eines königl. Gerichtshofs, einer Finanzdirektion und eines Bischofs und hat (1890) 27 548 meist magyar. kath. E., darunter 2494 Evangelische, in Garnison 1 Bataillon des 69. Infanterieregiments "Graf Jellačić", das 24. Feldjägerbataillon und 3 Eskadrons des 12. Ulanenregiments "Franz II., König beider Sicilien", ein Standbild des Dichters Vörösmarty von Vay, eine Kathedrale zur Heiligen Jungfrau, unterhalb welcher durch Ausgrabungen die alten Königsgräber und die Basilika Stephans des Heiligen gefunden worden sind, eine schöne Johanniskirche (1752) mit ausgezeichnetem Gemälde (14. Jahrh.), bischöfl. Residenz, schönes Komitatshaus, gräfl. Zichysches Haus, neues ungar. Theater, neues Gymnasium, Schlachthaus, Hengstendepot, ein kath. Obergymnasium, königl. Staatsoberrealschule, Handelshochschule, bischöfl. Seminar, höhere Mädchenschule. Die Einwohner verfertigen Tuch, Flanell, Kattun, Maschinen, Messer, Corduan, Seife; Soda gewinnt man aus den Sümpfen, die reich an Fischen, Krebsen, Schildkröten und Wassergeflügel sind. Bedeutend ist der Wein-, Frucht- und Pferdehandel. Die Stadt ist von Weinbergen umgeben, welche von zahlreichen Villen besetzt sind. - S. war seit Stephan I. bis auf Ferdinand I. Krönungsstadt und bis auf Zapolya Begräbnisort der ungar. Könige, von denen 14 daselbst ruhen. Maximilian I. eroberte 1490 die Stadt, konnte sie aber nicht gegen Stephan Bathory und Paul Kinizsi behaupten. S. fiel 1543 den Türken in die Hände, wurde aber 1601 von Philipp Emanuel von Mercoeur, Herzog von

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