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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stuhlzäpfchen - Stumm-Halberg

Lothringen, und General Rußwurm mit Sturm genommen. Durch Meuterei der Besatzung geriet sie schon 1602 wieder in die Gewalt der Türken, die sie erst 1688 aufgaben. Die Stadt büßte nach und nach ihre Bedeutung ein, und Preßburg wurde nun Krönungs- und Hauptstadt.

Stuhlzäpfchen, s. Suppositorien.

Stuhlzeug, s. Roßhaargewebe.

Stuhlzwang, s. Tenesmus.

Stuhm. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Marienwerder, hat 610,91 qkm und (1895) 37 589 (18 252 männl., 19 337 weibl.) E., 2 Städte, 75 Landgemeinden und 52 Gutsbezirke. - 2) Kreisstadt im Kreis S., zwischen dem Barlewitzer und dem Hintersee, an der Nebenlinie Thorn-Graudenz-Marienburg der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Elbing), hat (1895) Post, Telegraph, kath. und evang. Kirche, eine 1219 gegründete, jedoch völlig umgebaute Ordensburg, die im Aug. 1151 von den Polen eingenommen wurde; große Torflager, Schweinezüchterei, Brauerei, Käserei und Pferdemärkte. Nahebei Dorf Vorschloß-Stuhm mit 119 E.

Stuhmsdorf, preuß. Dorf, s. Bd. 17.

Stuiben, Berg des Bregenzer Waldes in den Allgäuer Alpen im bayr. Reg.-Bez. Schwaben und Neuburg, 7 km südwestlich von Immenstadt, 1765 m hoch, bietet eine schöne Aussicht über die Allgäuer Alpen, Sentisgruppe, Bodensee und oberschwäb. Hochebene.

Stuibenfall, Großer, s. Ötzthal.

Stuiver (spr. steu-), ältere niederländ. Geldgröße und Scheidemünze, s. Stüber.

Stüler, Friedr. Aug., Architekt, geb. 28. Jan. 1800 zu Mühlhausen in Thüringen, erhielt seine Ausbildung unter Schinkel und trat nach einer ital. Reise 1830 als Hofbauinspektor in den Staatsdienst. 1832 wurde er zum Hofbaurat und bald darauf zum Direktor der Schloßbaukommission ernannt. S. war seit 1812 Oberbaurat und Architekt des Königs, seit 1816 Geh. Oberbaurat, seit 1819 Mitdirektor der Bauakademie, seit 1850 vortragender Rat im Ministerium. Er starb 18. März 1865. Außer manchen Privatgebäuden, die er in und bei Berlin erbaute, und den Entwürfen zum Wiederaufbau des Winterpalais in Petersburg, zur Berliner Börse und zur kath. Kirche in Rheda lieferte S. zu etwa 100 Kirchenbauten die Pläne. Er bewegte sich dabei in allen Stilrichtungen, baute die St. Jakobikirche (1815 vollendet) in Berlin in Form einer altchristl. Basilika, die Matthäikirche (1815-16) im ital.-roman. Stil, die Markuskirche (1818-55) als Centralbau im Geiste der ital. Renaissance, die Bartholomäuskirche (1851-58) gotisch. Zu dem projektierten Berliner Dom entwarf er drei (unausgeführte) Pläne. Seine Hauptschöpfungen auf dem Gebiete des Profanbaues sind: das Neue Museum in Berlin (1813-55), die Akademie der Wissenschaften in Pest, das Universitätsgebäude in Königsberg (1814-63), das Nationalmuseum zu Stockholm (1850-66) und die kurz vor seinem Tode entworfene, von Strack ausgeführte Nationalgalerie zu Berlin (s. Tafel: Museen I, Fig. 1). Am reichsten aber konnte er den Renaissancestil zur Ausübung bringen, als ihm 1851 die Vollendung des großherzogl. Schlosses in Schwerin (erster Entwurf von Demmler) übertragen wurde. Im got. Stil aufgeführt sind das Museum in Köln (1855-61), die Architekturen der Brücken bei Dirschau und Marienburg, die Burg Stolzenfels und vor allem die Burg Hohenzollern (1850-55).

Stülpdecke, s. Decke.

Stülphelm, s. Helm.

Stultorum feriae (lat.), Fest der Römer, s. Fornax.

Stumba, s. Seide.

Stumm, Stummheit (Mutitas), das Unvermögen, artikulierte Laute hervorzubringen, gründet sich auf Gehirnfehler, Gehirnkrankheit (Schlagfluß), Nervenzerrüttung (Epilepsie), Zerstörung der Sprachwerkzeuge, oder ist eine Folge von Taubheit (s. d.) und wird dann Taubstummheit (s. Taubstumm) genannt.

Stumm, Ferdinand, Freiherr von, Diplomat, geb. 12. Juli 1813 zu Neunkirchen, machte als Offizier die Feldzüge gegen Dänemark (1861) und Österreich (1866) mit, wurde 1867 der preuß. Gesandtschaft in Florenz attachiert, nahm 1868 an dem Feldzug der Engländer in Abessinien teil und war 1869 im Auswärtigen Amte in Berlin thätig. Nachdem er sich auch an dem Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 beteiligt hatte, war er 1871 preuß. Geschäftsträger beim Heiligen Stuhl und später bei den deutschen Missionen in Paris, München, Washington, Brüssel, Petersburg und London als zweiter und erster Sekretär beschäftigt; 1883 wurde er zum preuß. Gesandten in Darmstadt, 1885 zum kaiserl. Gesandten in Kopenhagen, 1887 zum Gesandten, später Botschafter in Madrid ernannt. 1892 wurde er unter Ernennung zum Wirklichen Geheimrat zur Disposition gestellt.

Stummelaffe, s. Schlankaffen.

Stumme Rollen, die Rollen, in denen der Darsteller nicht spricht oder singt, sondern sich nur durch Mimik und sichtbare Zeichen und Handlungen ausdrückt (z. B. die Titelrolle in der "Stummen von Portici", Gottfried im "Lohengrin").

Stummes Spiel, in der Schauspielkunst die Bewegungen, Mienen u. s. w., mit denen der Darsteller die Reden anderer oder überhaupt die Situation des Augenblicks begleitet und unterstützt.

Stumm-Halberg, Karl Ferdinand, Freiherr von, Industrieller und Politiker, Bruder von Ferdinand, Freiherrn von Stumm, geb. 30. März 1836 zu Saarbrücken, studierte in Bonn und Berlin und trat 1858 an die Spitze der Firma Gebrüder Stumm zu Neunkirchen. Er brachte das der Firma gehörige Eisenwerk zu großartiger Entwicklung. E. ist ferner Präsident der Aktiengesellschaft der Dillinger Hüttenwerke und Haupteigentümer der Kommanditgesellschaft der Halberger Hütte, Vorsitzender der Saarbrücker Handelskammer, des Vereins zur Wahrung der wirtschaftlichen Interessen der Saarindustrie, der südwestl. Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller sowie der südwestdeutschen Eisen-Berufsgenossenschaft. Den Krieg von 1870 machte S. als Eskadronführer der Reservekavallerie mit. 1888 erhielt er den Freiherrentitel. 1867-70 war S. Mitglied des preuß. Abgeordnetenhauses, 1882 wurde er in das Herrenhaus berufen. Dem Reichstag gehörte S. 1867-81 und wieder seit 1889 an. Er ist Mitbegründer der Deutschen Reichspartei, deren Vorstand er angehört, und wirkt hauptsächlich als Socialpolitiker und als Vertreter des Schutzes der nationalen Arbeit für Industrie, Landwirtschaft und Handwerk. Er beantragte schon 1869 im Reichstag die gesetzliche Invalidenversicherung für alle Fabrikarbeiter. Kaiser Wilhelm II. berief S. 1890 in den Staatsrat, als es galt, Vor-^[folgende Seite]