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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Stummheit - Stundung

schläge zur Durchführung eines wirksamern Arbeiterschutzes zu machen. S. bekämpft auf das schärfste die Socialdemokratie (gegen die er energische Ausnahmegesetze verlangt), aber auch den sog. Kathedersocialismus und die gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen. Allen diesen Bestrebungen stellt er die Vorzüge des persönlichen Verhältnisses zwischen Arbeiter und Arbeitgeber gegenüber und führte auf dieser Grundlage eine umfassende Arbeiterfürsorge auf seinen eigenen Werken ein.

Sämtliche auf dem Neunkircher Eisenwerke getroffenen Wohlfahrtseinrichtungen (Knappschaftsverein, Kranken- und Armenpflege, Schulen, Bade- und Waschanstalten, Speiseanstalten, Wohnungen, Prämien u. s. w.) stehen unter persönlicher Aufsicht des Chefs der Firma, ohne dessen Zustimmung kein Arbeiter gestraft oder entlassen werden darf. Auch die für das Neunkircher Eisenwerk bestehende Arbeitsordnung enthält eine ganze Anzahl eigentlicher Wohlfahrtseinrichtungen, so die Bestimmung, wonach die jugendlichen Arbeiter einschließlich der Pausen nur acht Stunden arbeiten, ferner die den Arbeitern eingeräumte Berechtigung, während eines unfreiwilligen Feierns von mehr als drei Tagen den halben Lohn fortzubeziehen, das Rekursverfahren gegen Disciplinarstrafen u. s. w. Die jährliche Produktion der Firma Gebrüder S. betrug 1897 etwa 200 000 t Roheisen und 200 000 t, Fabrikate; es wurden beschäftigt 61 Beamte und 5146 Arbeiter mit 10 872 Angehörigen. An Betriebsvorrichtungen waren vorhanden: 349 Koksöfen, 10 Hochöfen, 8 Kupolöfen, 2 Flammöfen, 7 Konverter, 2 Martinöfen, 54 Puddelöfen, 31 Schweißöfen, 216 Dampfmaschinen mit 34 100 Pferdestärken, 179 Dampfkessel, 27 Lokomotiven, 18 Walzenstraßen, 23 Dampfhämmer. Die Halberger Hütte besitzt und betreibt Eisenerzgruben in Lothringen und hat an Betriebsmitteln: 120 Koksöfen, 5 Hochöfen, 10 Kupolöfen, 2 Tiegelöfen, 49 Dampfmaschinen, 28 Dampfkessel, 336 Arbeitsmaschinen, 62 Trockenöfen, 5 Lokomotiven, 4 Dynamomaschinen, 37 Elektromotoren. Die Arbeiterzahl betrug (1897) 2243 mit 5546 Angehörigen, die Jahresproduktion 50 000 t Röhren, Bauguß, Poterie und Kanalisationsartikel.

Stummheit, s. Stumm und Sprachorgane.

Stumpenformer, s. Filzfabrikation.

Stumpf, Karl, Philosoph, s. Bd. 17.

Stumpfmuscheln, s. Donax.

Stumpfsinn, ein niederer oder höherer Grad von Geistesschwäche, wobei insbesondere die Abstumpfung der Gefühle ins Auge fällt. Stumpfsinnige zeigen wenig Interesse selbst an Dingen, die für ihre eigene Person bedeutungsvoll sind, sind gleichgültig ("apathisch", "indolent") gegenüber allen Vorkommnissen u. dgl. m. In den höhern Graden leiden alle Gefühle, in den niedern zumeist oder ausschließlich die höhern (geistigen), insbesondere die moralischen und ästhetischen, während die niedern sinnlichen Gefühle noch wenig verändert erscheinen können. Alle Arten von Geistesschwäche (s. d.), sowohl die angeborene (Idiotie) als die erworbene, können mit S. einhergehen, beginnen oder enden. Doch sind keineswegs alle geistig Schwachen auch stumpfsinnig; der sog. erregte (erethische) Schwachsinn bildet in manchen Beziehungen das Gegenteil des S., insofern dort eine gesteigerte Lebhaftigkeit mancher Gefühle und Triebe hervortritt.

Stunde, der 24. Teil eines Tags (s. d.). Die meisten civiiisierten Völker fangen die erste S. des Tags im bürgerlichen Leben nach dem Eintritt der Mitternacht an zu zählen, zählen aber nur bis 12 und beginnen zu Mittag wieder von vorn, so daß der Tag in zweimal 12 S. zerfällt. Die S. wird in 60 Minuten und die Minute in 60 Sekunden eingeteilt. Manche Völker aber kennen bis jetzt die Einteilung des Tags in S. gar nicht, bei andern sind die S. des eigentlichen Tags bald größer, bald kleiner als die S. der Nacht. In einem kleinen Teile von Italien beginnt man noch die S. erst eine S. vor Sonnenuntergang zu zählen und zählt bis 24 fort. Letzteres thun übrigens auch nach dem Beispiel des Ptolemäus die Astronomen, wobei sie von Mittag zu rechnen anfangen. Die Einteilung des Tags in 24 S. findet man schon im grauen Altertum bei den Juden und Babyloniern, welche letztere den Tag mit Sonnenaufgang anfingen. Die Juden, Römer und Griechen teilten den natürlichen Tag in 12 S., ebenso die Nacht, so daß die S. in den verschiedenen Jahreszeiten von ungleicher Länge waren.- Über S. als Wegmaß s. Wegstunde.

Stundenachse, s. Parallaktische Aufstellung.

Stundenampere, s. Ampèrestunde.

Stundenkilowatt, s. Joule.

Stundenkreis, s. Äquator und Parallaktische Aufstellung.

Stundenpferd, s. Joule.

Stundenrohr, s. Uhren.

Stundenschauer, s. Horoskop.

Stundenvoltampere, Stundenwatt, s. Joule.

Stundenwinkel eines Gestirns, der Winkel, den der durch das Gestirn gehende Abweichungs- oder Stundenkreis mit dem Meridian einschließt. Er wird von der südl. Hälfte des Meridians nach Westen hin bis 360° oder 24h gezählt. Ebenso gebräuchlich aber ist die Unterscheidung zwischen positiven und negativen S., wobei erstere von Süden nach Westen, letztere von Süden nach Osten hin gerechnet werden. Der S. der Sonne ist jederzeit gleich der wahren Sonnenzeit.

Stundenzonenzeit, s. Eisenbahnzeit.

Stundisten, eine pietistisch-evang. Richtung in Rußland, die sich unter dem Einfluß der deutschen evang. Kolonien und baptistischer Missionare gebildet und unter der von der russ. Kirche unbefriedigten bäuerlichen Bevölkerung verbreitet hat. Eine größere Verbreitung erfolgte erst seit etwa 1870, jetzt wird die Zahl der S. auf eine halbe Million geschätzt. Sie sind hauptsächlich in Südrußland und im Dnjeprgebiet verbreitet. Die S. lassen den Sakramenten nur eine symbolische Bedeutung, lehren die Gleichheit aller Menschen, verwerfen den Handel und lassen nur den Tausch von Gütern gelten; Grund und Boden, Wasser, Vieh u. a. sollen nicht persönliches Eigentum sein. Sie legen in ihren Versammlungen selbst die Bibel aus und singen Lieder, die zum Teil aus den deutsch-prot. Gesangbüchern übersetzt sind. Die Bewegung wird von der russ. Regierung verfolgt (Gesetz vom 16. [4.] Juli 1894). (S. Russische Sekten.) - Vgl. Dalton, Evang. Strömungen in der russ. Kirche der Gegenwart (Heilbr. 1881); ders., Der Stundismus in Rußland (Gütersloh 1896).

Stündler, religiöse Partei, s. Mômiers.

Stundung, der Verzicht des Gläubigers auf rechtzeitige Befriedigung seiner Forderung durch den Schuldner. Wie alle Verzichte ist derselbe nur wirksam, wenn er vertragsmäßig oder letztwillig erfolgt. Meist ist mit diesem Verzicht die Festsetzung eines neuen Leistungstermins verbunden, daher der Name S. Die S. hemmt die Verjährung, benimmt