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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Sturm; Sturmbänder; Sturmbock; Sturmbrücke; Stürmer; Sturmfeuer; Sturmflut; Sturmflutthor; Sturmfrei

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Sturm (Johs.) - Sturmfrei

Theologie, dann die Rechte, lebte 1880-82 als Regierungsassessor in Rudolstadt und wurde 1884 Rechtsanwalt in Naumburg. Außer jurist. Schriften ("Der Kampf des Gesetzes mit der Rechtsgewohnheit", Cass.1877; "Recht und Rechtsquellen", ebd. 1883; "Die Lehre vom Vergleiche", Berl. 1889; "Beiträge zu einer allgemeinen Rechtslehre", Naumb. 1895 u. a.) hat S. eine größere Anzahl von Dichtungen veröffentlicht: "Gedichte" (Gütersloh 1877), "Pereat tristitia" (ebd.1882; 2.Aufl. u. d. T. "Deutsches Liederbuch", Lpz. 1894), "Auf Flügeln des Gesanges" (Neuhaldensleben 1883), "Wechselnde Lichter" (Hamb. 1887), "Lied und Leben" (ebd. 1889), "Kaiser Friedrich der Edle" (Naumb. 1896), "Neue Lieder" (Hamb. 1896), die Dramen "Donat" (ebd. 1891), "Reinhart Frei" (Naumb. 1893), "Verschollen" (ebd. 1894), "Das Rätsel des Lebens" (ebd. 1895), "Im Gewitter" (ebd. 1895), "Ein Künstlertraum" (ebd. 1897), das Epos "Merlin" (Gera 1892).

Sturm, Johs., Schulmann, geb. 1. Okt. 1507 zu Schleiden, studierte zu Leiden und Löwen und ging dann nach Paris, wo er akademische Vorträge hielt und zur reform. Lehre übertrat. Er wurde dann nach Straßburg berufen, um daselbst die neue Organisation des Schulwesens zu leiten. Bald nach seiner Ankunft (Jan. 1537) begründete er das Gymnasium, in dem er das humanistische Bildungsideal zu verwirklichen suchte (vgl. seine Schrift "De literarum ludis recte aperiendis", Straßb. 1539). Daneben war S. auch mit kirchlichen Angelegenheiten beschäftigt und wurde zu diplomat. Missionen verwendet. Da er vielfach in Streitigkeiten mit den Lutheranern verwickelt war, wie namentlich mit Marbach, dem Präsidenten des geistlichen Konvents, dann, nach dem Erscheinen der Konkordienformel, mit dem Professor Pappus, führten S.s Gegner zuletzt dessen Entlassung vom Amte (Ende 1581) herbei. Er starb 3. März 1589 zu Straßburg. S. stand in hohem Ansehen und war in Schulsachen der allgemeine Ratgeber in Deutschland. Kaiser Karl V. hatte ihn in den Reichsadel erhoben. - Vgl. Schmidt, La vie et les travaux de S. (Straßb. 1855); Kückelhahn, Johannes S., Straßburgs erster Schulrektor (Lpz. 1872): Laas, Die Pädagogik des Johannes S., kritisch und historisch beleuchtet (Berl. 1872); G. Schmid, J. S. in Straßburg (in Schmids "Geschichte der Erziehung", Bd. 2, Abteil. 2, Stuttg. 1889).

Sturm, Julius, Dichter, geb. 21. Juli 1816 zu Köstritz in Reuß, studierte 1837-41 in Jena Theologie und war dann einige Zeit Hauslehrer zu Heilbronn und zu Friesen in Sachsen, worauf er Erzieher des Erbprinzen Heinrich XIV. von Reuß wurde, den er auch auf das Gymnasium zu Meiningen begleitete. Seit 1851 wirkte S. als Pfarrer in dem Walddorfe Göschitz bei Schleiz, von wo er 1857 in gleicher Eigenschaft nach Köstritz übersiedelte. Im Okt. 1885 legte er sein Amt nieder und erhielt den Titel als Geh. Kirchenrat. Er starb 2. Mai 1896 in Leipzig. In allen seinen Poesien bekundet sich S. als lyrischer Dichter voll tief religiösen Sinnes, dabei zugleich als Mann von Gemüt und echt deutscher Gesinnung. Die Form seiner einfachen und wahren, zum Teil höchst zarten und innigen Dichtungen ist klar und glatt. Gedichte religiösen Inhalts veröffentlichte er in den drei Sammlungen "Fromme Lieder" (Tl. 1, Lpz. 1852; 12. Aufl. 1893; Tl. 2, 1858: 4. Aufl. 1892: Tl. 3,1892), ferner in "Zwei Rosen oder das Hohe Lied der Liebe" (ebd. 1854; 2. Aufl. 1892), "Israel. Lieder" (3. Aufl., Halle 1881), "Von der Pilgerfahrt" (ebd. 1868), "Gott grüße dich" (Lpz. 1876; 4. Aufl. 1892), "Aufwärts" (ebd. 1881), "Ich bau auf Gott" (Brem. 1883), "Dem Herrn mein Lied" (ebd. 1884), "Palmen und Krone" (ebd. 1888). Weltlichen Inhalts sind: "Gedichte" (Lpz. 1850: 6. Aufl. 1892), "Neue Gedichte" (2. Aufl., ebd. 1880), "Für das Haus" (ebd. 1861), "Lieder und Bilder" (2Tle., ebd. 1870: 2. Aufl. 1892), "Kampf- und Siegesgedichte" (Halle 1870), "Spiegel der Zeit in Fabeln" (Lpz. 1872), "Märchen" (ebd. 1881), "Immergrün. Neue Lieder" (ebd. 1880; 2. Aufl. 1888), "Kinderleben" (mit Zeichnungen von Ludwig Richter, 2 Bde., Bas. 1877), "Neues Fabelbuch" (Lpz. 1881), "Buch für meine Kinder" (2. Aufl., ebd. 1880), "Natur, Liebe, Vaterland" (ebd. 1884), "Bunte Blätter" (Wittenb. 1885), "Kinderlieder" (Nürnb. 1894), "Neue lyrische Gedichte" (Lpz. 1894), "In Freud und Leid. Letzte Lieder" (ebd. 1896). - Vgl. Hepding, Julius S. (Gießen 1896).

Sturm, Siegmund, Pseudonym für Joh. Heinr. Aug. Ebrard (s. d.).

Sturmbänder, s. Helm.

Sturmbock, s. Widder (Kriegsmaschine).

Sturmbrücke, soviel wie Fallbrücke (s. d.).

Stürmer, eine Art Most (s. d.).

Sturmfeuer, Feuerwerkskörper verschiedenster Art, die im Festungskriege in Anwendung kommen; hierhin gehören Rollbomben, Brandkränze, Sturmsäcke, Feuerballen (s. d.) u. s. w.

Sturmflut, vom Wechsel der Gezeiten (s. d.) nicht abhängiger besonders hoher Wasserstand des Meers, den ein gegen die Küste wehender Wind erzeugt. Der in immer nahezu derselben Richtung wehende Wind treibt die Wassermassen vor sich her, so daß ein Anstauen gegen die Küste stattfinden muß. Je mehr dann die Küstenentwicklung den schnellen Abfluß des Wassers hindert, um so höher wird die S.; weshalb Buchten, wie die der deutschen Nordseeküste, bei andauernden nordwestl. und westl. Stürmen, und die Kieler und Lübecker Bucht bei nordöstl. und östl. Stürmen besonders gefährdet sind. In der Ostsee sind die Bedingungen für eine S. folgende: Wenn längere Zeit stürmische Westwinde geweht haben, so daß das Ostseebecken sich durch Zufluß aus der Nordsee über Normalstand gefüllt hat und dann eine Depression in östl. Richtung etwa in der Linie Hamburg-Lübeck-Swinemünde fortschreitet, dann kann das nunmehr wieder westwärts getriebene Ostseewasser nicht schnell genug durch den Sund und die Belte wieder abfließen und wird durch die nordöstl. Windrichtung in die Kieler und Lübecker Bucht hineingedrängt. Die letzten S. von 1855 bei Cuxhaven, 1872 und 1883 bei Travemünde und Kiel und 1895 bei Hamburg trieben das Wasser über 3 m über den mittlern Hochwasserstand. Die Bucht von Bengalen leidet sehr unter S. Im Delta des Brahmaputra kamen 1. Dez. 1876 an 200 000 Menschen ums Leben. Der Wasserstand wächst bei S. oft so sehr, daß er Dämme und Deiche überflutet und durchbricht und oft viele Quadratmeilen dahinter liegenden Landes verwüstet. - Vgl. P. Mayer, über S. (Berl. 1873); Lentz, Flut und Ebbe und die Wirkung des Windes auf den Meeresspiegel (Hamb. 1879).

Sturmflutthor, s. Schleuse.

Sturmfrei (Befestigungskunst) sind solche Hindernisse, die die Feldarmee ohne besondere Hilfsmittel nicht überwinden, und solche Befestigungen, die sie nicht erstürmen kann. Neben hohen Mauern (frei-^[folgende Seite]