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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sturnus - Stuttgart

das System von 1871 an auch auf die großen Binnenseen ausgedehnt. In Deutschland liegt das Sturmwarnungswesen in der Hand der kaiserl. deutschen Seewarte (s. d.) zu Hamburg, während in Frankreich, England, in den Niederlanden die Meteorolog. Centralämter die S. geben. Die S. werden von hier aus den Signalstellen telegraphisch übersandt, die durch Sturmsignale (s. d.) die Warnungen den vorüberfahrenden Schiffen übermitteln. Dies geschieht außer durch den Signalmast auch durch Semaphore (s. d.) und, wie in den Niederlanden, durch das Aëroklinoskop (s. d.). Neuerdings werden auch in Spanien, Portugal, in den engl. Kolonien Indiens, Australiens und Südafrikas, in Japan, in Shang-Hai und einigen chines. Häfen, sowie in Hong-kong und Manila teils von besondern Wetterwachen eigene S. ausgegeben, teils telegraphisch von Centralstellen empfangen.

Sturnus, s. Stare.

Sturz, im Bauwesen die wagerechte Abdeckung über einer Maueröffnung (Fenstersturz, Thürsturz).

Sturz, Helfrich Pet., Schriftsteller, geb. 16. Febr. 1736 zu Darmstadt, studierte 1753-58 zu Jena, Göttingen und Gießen die Rechte, wurde 1764 Sekretär im Departement des Auswärtigen zu Kopenhagen und bald auch Privatsekretär des Grafen von Bernstorff des Ältern. 1768 begleitete er als Legationsrat Christian VII. nach England und Frankreich. Dieser Reise verdankt man die schönen "Briefe eines Reisenden", die zuerst im "Deutschen Museum" (1777) erschienen. 1770 wurde S. zum Direktor des Generalpostamtes ernannt; allein Struensees Fall zog 1772 auch den seinigen nach sich. Aus Kopenhagen verwiesen, ward er 1773 vom dän. Hofe als Regierungsassessor in Oldenburg wieder angestellt; 1775 trat er als Etatsrat in den oldenb. Staatsdienst über. Er starb 12. Nov. 1779 zu Bremen. S. gehört zu den bessern deutschen Prosaikern des 18. Jahrh.; er ist ein geschmackvoller, ästhetischer und philos. Essayist, der populäre Verständlichkeit mit soliden Kenntnissen und sicherm Urteil verbindet, durchaus den frischen Regungen der deutschen Litteratur gewogen. Die beste, aber nicht ganz vollständige Ausgabe seiner "Schriften" (2. Aufl., Lpz. 1786) erschien nach seinem Tode. - Vgl. Max Koch, H. P. S., Münch. 1879).

Sturzbäche, s. Bach.

Sturzblech, s. Blech.

Sturzbogen, im Bauwesen soviel wie scheitrechter Bogen (s. d.).

Sturzbügel, Steigbügel mit einer auf Federkraft beruhenden Vorrichtung, welche verhütet, daß der vom Pferde gefallene Reiter im Bügel hängen bleibt und geschleift wird. Entweder öffnet sich beim Sturz der Steigbügel selbst, so daß der darin hängende Fuß frei wird, oder der ganze Steigbügelriemen hakt sich vom Sattel los.

Sturzdecke, soviel wie Stülpdecke (s. Decke).

Stürze, Schalltrichter, Schallbecher (frz. pavillon), die trichterförmige Erweiterung, in die die Röhre der Blasinstrumente ausläuft.

Stürzer, ein Bergmann (s. d.).

Sturzgerüst, s. Gerüstbrücke.

Stürzguß, soviel wie Schwenkguß (s. d.).

Stürzgut, Güter, die bei ihrer Versendung lose, d. h. ohne Umhüllung ins Schiff geworfen werden.

Sturzlampe, s. Öllampen.

Sturzseen, s. Brecher.

Stutchb., hinter dem lat. Namen von lebenden und fossilen Tieren Abkürzung für Samuel Stutchbury (spr. stöttschbörrĭ), einen engl. Zoologen und Paläontologen, geb. 1797, gest. 1859.

Stutereien, s. Pferdezucht.

Stutterheim, Bezirk in der südöstl. Provinz der Kapkolonie, mit 1735 qkm und (1891) 8659 E., darunter 1963 Weißen.

Stuttgart. 1) Oberamt, ohne die Stadt S., im württemb. Neckarkreis, hat 206,01 qkm und (1895) 44 026 (21 308 männl., 22 718 weibl.) E. in 26 Landgemeinden. - 2) Haupt- und Residenzstadt des Königreichs Württemberg, des Neckarkreises und des Stadtdirektionsbezirks S., liegt 48° 47' nördl. Br. und 9° 11' östl. L. von Greenwich, vom Nesenbach durchflossen, der in der Vorstadt Berg in den Neckar mündet, in 260 m Höhe, in einem weiten Thalkessel, von anmutigen Rebenhügeln und waldigen Höhen umgeben, bedeckt eine Fläche von 29,79 qkm. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt etwa 9,8° C., der Luftdruck 740 und die Niederschlagsmenge 608 mm. (Hierzu ein Stadtplan mit Verzeichnis der Straßen, Plätze und öffentlichen Gebäude.)

^[Abb.]

Bevölkerung. Die ortsanwesende Bevölkerung betrug 1795: 19 510, 1834: 38 065, 1846: 48 635, 1861: 61 314, 1880: 117 303, 1890: 139 817, 1895: 158 321 (76 232 männl., 82 089 weibl.) E., d. i. eine Zunahme seit 1890 von 18 504 Personen oder 13,23 Proz. Dem Religionsbekenntnis nach waren 132 868 Evangelische, 21 809 Katholiken, 883 andere Christen, 2718 Israeliten und 43 andere. Es wurden gezählt 30 952 Haushaltungen und 69 Anstalten. In S. waren geboren 59 663. Die Zahl der Geburten betrug 1896: 4753, der Eheschließungen 1358 und der Gestorbenen (einschließlich Totgeborenen) 3090. In Garnison liegen Grenadierregiment Königin Olga (1. württemb.) Nr. 119, Infanterieregiment Kaiser Friedrich, König von Preußen (7. württemb.), Nr. 125, Dragonerregiment König (2. württemb.) Nr. 26 und die Schloßgardecompagnie.

Anlage, Straßen und Plätze. Von den alten Stadtmauern und Türmen sind nur Reste vorhanden, Wall und Graben überbaut. Zu den königl. Anlagen (80 ha) hinter dem Residenzschloß, die sich 4 km weit bis nach Cannstatt hinziehen und mit zahlreichen Bildwerken (Danneckers Nymphen, Hofers Pferdebändiger, Müllers Graf Eberhard) geschmückt sind, den Gärten der Museumsgesellschaft, des Liederkranzes, der Stadtgartengesellschaft sind in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Anlagen und Spaziergänge getreten. Aus der um den Marktplatz gelegenen engen Altstadt mit der ländlichen Eßlinger und der "reichen" obern Vorstadt entwickelte sich im 19. Jahrh. eine große regelmäßig gebaute, an großartigen Gebäuden reiche Stadt, die an der Entwicklung der neuen Renaissance durch hervorragende Meister (Leins, Egle, Gnauth und ihre Schüler) wichtigen Anteil hat. Unter den Straßen zeichnen sich vor allem als Verkehrsadern aus die Königs-, die Neckar- und die Olgastraße, durch prächtige Gebäude die Goethe-, Johannis-, Mörike-, Reinsburg-, Uhland- und Werastraße, durch ihre Lage die Hasenberg-, Hohenheimer, Hohenstaufen- und Alexanderstraße.

Denkmäler. Die Stadt hat zahlreiche Denkmäler, darunter das Schillerstandbild von Thorwaldsen (1839), die 18 m hohe Denksäule zur Erinnerung an