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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Stutzbeutler; Stutzen; Stutzflügel; Stutzkäfer; Stützmauer; Stutzuhr; Stüve; Styffe; Styl; Stylasteridae; Styliten; Stylobat

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Stutzbeutler - Stylobat

Berg und Cannstatt. Ferner hat S. 9 Postämter mit Telegraphenbetrieb und ein Fernsprechamt.

Geschichte. S., als Stutgarten (= Gestütsgarten, Fohlenhof), erscheint urkundlich zuerst 1229 als Ort, wo fremde Klöster mit Vorliebe Weinberge besaßen; bei S. lagen die jetzt nur noch in Flur- und Straßennamen bestehenden Burgen und Ortschaften Steinenhausen, Weißenburg, Tunzhofen, Immenhofen u. a. Seit dem 13. Jahrh. im Besitz der Grafen von Württemberg, wurde es von König Rudolf 1286 und 1287 belagert und entfestigt, erhielt 1321 ein Chorherrenstift, zugleich Grablege der Fürsten. Unter Graf Ulrich V. im 15. Jahrh. vergrößert, wurde die Stadt dauernd Hauptstadt und Residenz, bis im 18. Jahrh. Ludwigsburg gegründet und einige Jahrzehnte bevorzugt wurde. Handel und Gewerbe in größerm Umfang, Kunst und Wissenschaft zogen erst im 19. Jahrh. ein, nachdem 1775-94 die Karlsschule (s. d.) hier gewesen war. 1896 fand eine Ausstellung für Elektrotechnik und Kunstgewerbe statt.

Litteratur. Pfaff, Geschichte der Stadt S. l2 Bde., Stuttg. 1845-47); Beschreibung des Stadtdirektionsbezirks S. (hg. vom königl. Statistischen topogr. Bureau, ebd. 1856); Führer durch die Stadt S. und ihre Bauten (hg. vom Württembergischen Verein für Baukunde, ebd. 1884); Hartmann, Chronik der Stadt S. (ebd. 1886); Wörl, Führer durch S. (6. Aufl., Würzb. 1896); Klaiber, Stuttgart (in den "Europ. Wanderbildern", Zür. 1892); Hygieinischer Führer durch S. (Stuttg. 1895); Ströhmfeld, Führer durch S. und Umgebung (hg. vom Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs, 8. Aufl., ebd. 1896); Widmann, Wanderung durch S. und Umgebung (ebd. 1896).

Stutzbeutler, s. Beutelspringmäuse (Bd. 17).

Stutzen, frühere Bezeichnung einer kurzen Büchse (Gewehr).

Stutzflügel, Musikinstrument, s. Pianoforte.

Stutzkäfer (Histeridae), eine aus etwa 60 Gattungen und 1200 Arten bestehende Familie (pentamerer) kleiner, meist sogar sehr kleiner Käfer, die über die ganze Erde verbreitet sind und von Mist, verwesenden tierischen und pflanzlichen Stoffen, häufig auch unter Baumrinde, im faulen Holz, bei Ameisen u. s. w. leben. Sie haben einen gedrungenen, fast scheibenförmigen, flachen, bisweilen sehr flachen Körper, kurze, elfgliederige, geknickte, in einer Keule endigende Fühler, derbe, kräftige Beine; die hinten abgestutzten Flügeldeckel bedecken nicht den ganzen Hinterleib, von dem vielmehr das Endstück (Pygidium) frei bleibt. Beim Berühren ziehen die S. ihre Extremitäten, Fühler u. s. w. an sich, stellen sich tot und entrinnen so bei der Festigkeit ihrer Körperbedeckung mancher Gefahr. Die meisten sind glänzend schwarz, öfters mit roten Flecken auf den Flügeldecken. Der einfarbige S. (Hister unicolor Fabr., s. vorstehende Abbildung) ist ganz schwarz, 4 mm lang und namentlich im Frühjahr sehr gemein.

Stützmauer, soviel wie Erddruckmauer (s. d.).

Stutzuhr, s. Uhren.

Stüve, Joh. Karl Bertram, hannov. Staatsmann, geb. 4. März 1798 zu Osnabrück, studierte in Berlin und Göttingen die Rechte und wirkte seit 1820 als Advokat zu Osnabrück. 1824 wurde er Mitglied der Ständeversammlung und trat hier für die Befreiung des Grundeigentums durch Ablösung von Diensten, Zehnten, Meiergefällen u. s. w. ein. Auf dem Landtage von 1831, dem er seit seiner Erwählung zum Schatzrat (Ende 1830) angehörte, gab er den ersten und hauptsächlichsten Anstoß zu der neuen Verfassung, wurde hierauf Mitglied der zur Ausarbeitung des Grundgesetzes gewählten Kommission und vertrat die in seiner Schrift "Über die gegenwärtige Lage des Königreichs Hannover" (Jena 1832) ausgesprochenen Verfassungs- und Verwaltungsgrundsätze, die im wesentlichen in der 26. Sept. 1833 veröffentlichten Verfassung zum Ausdruck gelangten. 1833 wurde S. Bürgermeister von Osnabrück und vertrat diese Stadt in der Zweiten Kammer. Als König Ernst August das Staatsgrundgesetz aufhob, wurde S. die Seele des Widerstandes gegen das ungesetzliche Verfahren des Königs. Am 21. März 1848 ward er als Minister des Innern in das neu gebildete Ministerium berufen, in dem er eine Menge der wichtigsten Verfassungs- und Verwaltungsreformen durchsetzte; gegen die vom Frankfurter Parlament und dann von Preußen ausgehenden Einheitsbestrebungen verhielt er sich ablehnend. Der Sieg der Restauration infolge der Einflüsse der österr. Politik führte im Okt. 1850 zur Auflösung dieses Kabinetts. S. wandte sich nach Osnabrück zurück, wo er zunächst als Bürgervorsteher wirkte, bis er 1852 sein Amt als Bürgermeister wieder übernahm, das er 1864 niederlegte. Er starb 12. Febr. 1872 zu Osnabrück. Sein Denkmal auf dem Marktplatze in Osnabrück wurde 17. Sept. 1882 enthüllt. Von ihm erschienen ein dritter Teil von Justus Mösers "Osnabrücker Geschichte" (Berl. 1824), die Fortsetzung der von Friderici und einem Bruder S.s begonnenen "Geschichte der Stadt Osnabrück aus Urkunden", Bd. 3 (Osnabr. 1826), eine "Darstellung des Verhältnisses der Stadt Osnabrück zum Stifte" (Hannov. 1824); ferner "Über die Lasten des Grundeigentums und Verminderung derselben in Rücksicht auf das Königreich Hannover" (ebd. 1830), "Wesen und Verfassung der Landgemeinden" (Jena 1851), "Geschichte des Hochstifts Osnabrück" (2 Bde., ebd. 1853, 1872) u. a. - Vgl. Frensdorff, Karl Bertram S. (in den "Preuß. Jahrbüchern", Bd. 30-32).

Styffe, Karl Gustav, schwed. Historiker und Archivforscher, geb. 28. März 1817 zu Latorp (Nerike), erhielt nach Studien in Upsala 1835-42 eine Anstellung als Amanuensis am Reichsarchiv. Er ward 1858 zum Unterbibliothekar, 1864 zum Bibliothekar in Upsala ernannt und trat 1882 in den Ruhestand. Sein Hauptwerk ist "Bidrag till Skandinaviens historia ur utländska arkiver" (Bd. 1-5, Stockh. 1859-84). Er wirkte mit an der Herausgabe der Schriften und Briefe Oxenstiernas und gab selbst (1861) die Schriften Gustav II. Adolfs heraus sowie 1867 eine Schilderung Skandinaviens während der Unionszeit (neue Aufl. 1880).

Styl, s. Stil.

Stylasteridae, Familie der Hydracorallinae (s. d.) mit meist rotem, violettem oder blauem Kalkgehäuse. Die S. finden sich in tropischen Meeren.

Styliten (grch.) oder Säulenheilige, die christl. Einsiedler, die eine besondere Bußübung darin suchten, daß sie den größten Teil ihres Lebens auf der Spitze einer hohen Säule ("stylos", daher der Name) zubrachten. Der Begründer dieser Ascese war Simeon (s. d.) der Stylite in der ersten Hälfte des 5. Jahrh. Sein Beispiel fand in Syrien und Palästina bis in das 12. Jahrh. Nachahmung.

Stylobat (grch.), Fußgestell für mehrere Säulen.