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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Südamerika

J. Popper den argentinischen des Feuerlandes. O. Nordenskjöld drang 1896 von Osten und Westen her in das Feuerland ein.

In Patagonien unternahm G. Steinmann einen Ausflug durch die Halbinsel Brunswick, ging über die Gregorykette, berührte die Laguna Blanca, überschritt den Rio Gallegos, die Cordillera Latorre und den Rio Coile, und kehrte hierauf nach Punta-Arenas zurück. Der argentin. Marineoffizier Carlo Moyano bereiste 1882 die Ostküste Patagoniens zwischen dem Puerto-Sta. Cruz und dem Puerto-Deseado, und leitete 1883 eine ausgerüstete Expedition, welche den Rio Sta. Cruz aufwärts ging und die Ouellgebiete der Flüsse Sta. Cruz, Coile und Gallegos erforschte. 1884 ging Moyano mit dem Lieutenant Loqui im Thale des Gallegos aufwärts, verfolgte diesen bis zur Quelle, überstieg die Küstencordillere und erreichte am Fjord Last Hope Inlet den Großen Ocean (28. Jan. 1885). 1887 untersuchte Moyano den Ostabhang der Cordilleren zwischen dem Rio Negro und der Magalhãesstraße. In demselben Jahre untersuchte der Fregattenlieutenant Augustin del Castillo auf das eingehendste das Gebiet zwischen den Flüssen Sta. Cruz und Gallegos sowie die Möglichkeit einer Verbindung zwischen diesen Flüssen und den chilen. Häfen an der Küste des Stillen Oceans. Der Rio Deseado wurde 1888 vom Kapitän Villarino mit dem Dampfer Santa-Cruz befahren und 1884 von Ramon Lista untersucht. Das Stromgebiet des Chubut erforschte 1885 der Gouverneur des Territoriums Fontana. Vom Lago Musters und Lago Colhue aus machte er einen Ausflug zum Golfo de San Jorge. Am Rio Senger ging er abwärts bis zur Einmündung in den Chubut und traf 8. Febr. 1886 in der Kolonie Chubut ein. Das nördl. Patagonien südwärts bis zum 47. Breitengrade erforschte Oberstlieutenant Lino O. de Roa. 1888 unternahm Castillo eine zweite Reise in das Quellgebiet des Rio Sta. Cruz. Fontana setzte seine Forschungen bis 1888 fort, wobei er in den Cordilleren sechs Seen entdeckte. Der Paläontologe Ameghino bereiste 1887-89 Mittelpatagonien. Der Geologe Siemiradzki erforschte 1891 die südl. Pampa, Steinfeld und Mohler 1890 Südpatagonien; ihnen folgte 1892 und 1893 A. Mercerat und 1894-95 die chilen.-argentin. Grenzkommission.

In Argentinien untersuchte eine von der Regierung ausgesandte Kommission unter Leitung des Ingenieuroberst Olascoaga 1881-82 nach Vertreibung der Indianer aus den Pampas die eroberten Territorien auf ihre Kulturfähigkeit und bewirkte gleichzeitig eine vorläufige Aufnahme dieser Landstriche. Brackebusch widmete sich von 1875 bis 1888 der mineralog. Erforschung des gebirgigen Westens, namentlich der Provinzen Cordoba, San Juan, La Rioja, Catamarca, Salta und Jujuy, gleichzeitig um die genaue kartogr. Darstellung der bereisten Landesteile bemüht. Fr. Kurtz, Professor der Botanik in Cordoba, und der Konservator Bodenbender durchforschten 1887 und 1888 den Norden der Provinz San Juan. Dr. Calvimonte bahnte sich 1889 vom obern Paraguay einen Weg durch den nördl. Gran Chaco nach Bolivia. Der Begründer des Instituto Geográfico in Buenos-Aires, Zeballos, welcher an der Spitze der geogr. Bestrebungen in Argentinien steht, machte zahlreiche Ausflüge nach den Kolonien der Provinzen Santa Fé, Entre-Rios und Buenos-Aires. Avé Lallemant untersuchte die Cordilleren zwischen Rio Neuquen und Mendoza und F. Kurtz den Ostabhang zwischen Rio Negro und Rio Mendoza. Südlich von letzterm war 1896 F. P. Moreno erfolgreich thätig.

Oberstlieutenant Fontana verwendete als Secretario general de Gobierno del Chaco fünf Jahre (1875-80) auf Untersuchungen im Gran Chaco. Oberst Solá bereiste 1881 dieses Gebiet zwischen Pilcomayo und Vermejo. Auch die Indianerjagden 1879 und 1884 unter Roca und Victorica hatten bedeutende Bereicherungen unserer bisherigen Kenntnis dieses Gebietes zur Folge. Die Untersuchung des Deltas und Aufnahme des 1883 nur flüchtig skizzierten Unterlaufs des Pilcomayo machte sich Thouar, der 1883 das Schicksal Crevaux' (s. d.) erkundet hatte, 1885 zur Aufgabe. Die Untersuchungen von Page und Kerr (1890) haben ergeben, daß der Pilcomayo sich nicht für die größere Schiffahrt eignet. Niederlein, welcher bereits den Westen von Corrientes genau erforscht und Nebenflüsse des Parana aufgenommen hatte, ging Juli 1884 nach dem Territorium der Misiones ab, um die noch fast gar nicht bekannten innern und nördl. Teile dieses Gebietes zu erforschen.

Paraguay wurde 1883-84 von Toeppen im Auftrage der Hamburger Geographischen Gesellschaft bereist, um die Kolonisationsfähigkeit durch deutsche Ansiedler zu erforschen. 1887 gingen Sosa und de Bourgade mit einer Expedition quer durch die Republik vom Paraguay zum Parana, um die Flußläufe zu erforschen und die Indianerstämme kennen zu lernen.

In Brasilien nahm der Geologe Orville A. Derby mit de Sampaio, de Paula Oliveira und Gonzaga de Campos die Aufnahme von São Paulo am Rio Parana-Panema in Angriff, über die geolog. Verhältnisse berichtete de Paula Oliveira in dem "Boletim" der Geographischen und Geologischen Kommission der Provinz São Paulo, Nr. 2 (São Paulo 1889). Anfang 1885 besuchte Ehrenreich das noch vielfach von wilden Botokuden bewohnte Flußgebiet des Rio Doce in Minas Geraes und Espirito-Santo. Die einsame Insel Fernando Noronha untersuchte 1887 Ridley, namentlich hinsichtlich Fauna und Flora. Den Rio Para, welcher bisher häufig als Mündungsarm des Amazonas angesehen wurde, was er früher auch gewesen sein mag, lernte 1884 der engl. Ingenieur Wells als Mündung des Tocantins erkennen. Den Oberlauf des Xingu erforschte 1884 und 1885 Karl von den Steinen, begleitet von seinem Bruder Wilhelm und Clauß, und fuhr den Fluß hinab bis zum Amazonenstrom. Seine zweite Reise (1887), auf der er von seinem Bruder, Dr. Ehrenreich und Dr. P. Vogel begleitet war, galt besonders den Bakaïri-Indianern. Diese Forschungen setzte H. Mayer 1896 fort. Das Gebiet der Crichanas an den Ufern des in den Rio Negro mündenden Jauapery erschloß 1883 und 1884 Rodrigues. De Frontin und Paranagua haben 1888 den Rio das Velhas, Quellfluß des São Francisco, aufgenommen. Kapitän Telles bereiste in demselben Jahre das Quellgebiet des Tapajoz. Tyler befuhr 1893 den Rio Napo, Hübner erforschte 1895 das Gebiet des obern Orinoco.

In Guayana unternahm Fournereau eine Untersuchungsfahrt auf dem Maroni aufwärts bis 3° 55' nördl. Br., wobei er den Uferbewohnern, namentlich dem Negerstamme der Boni in der Gegend von Cotica, besondere Aufmerksamkeit schenkte. Der Franzose Coudreau durchzog 1885 das unbekannte Gebiet zwischen dem Amazonas und Guayana, nur