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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Sulfoxysmus - Sułkowski

wesentlich beeinträchtigt wird. Zur Herstellung von Azofarbstoffen benutzt man in der Regel bereits als Ausgangsmaterial S., z. B. an Stelle von Naphthol Naphtholsulfosäure oder Naphtholdisulfosäure.

Sulfoxysmus, Schwefelsäurevergiftung (s. d.).

Sulfozon, Pulver aus Schwefelblumen, die mit schwefliger Säure getränkt sind, wurden zur Tötung pflanzlicher und tierischer Parasiten angepriesen.

Sulfur (Sulphur, lat.), der Schwefel (s. d.). Offizinell sind S. depurātum, gereinigter Schwefel; S. praecipitātum, Schwefelmilch, und S. sublimātum, Schwefel (Schwefelblumen). - Sonstige lat. Benennungen für Schwefel und Schwefelverbindungen sind S. aurātum Antimonĭi, Antimonsulfid; S. caballinum, Roßschwefel (s. d.); S. citrīnum in bacillis, Stangenschwefel; S. jodātum, Jodschwefel (s. d.).

Sulfüre, die Schwefelverbindungen der Elemente, falls mehrere vorliegen, diejenigen mit geringerm Schwefelgehalt. (S. auch Sulfide.)

Sulfuret, früher übliche Bezeichnung für die Schwefelverbindungen der positiven Elemente, der Metalle (s. Schwefel).

Sulfurieren, chem. Prozeß, s. Sulfosäuren.

Sulfuröl, s. Olivenöl.

Sulfuryl, die Gruppe SO2 als Radikal der Schwefelsäure, H2S04 = SO2(OH)2, des Sulfurylchlorides, SO2Cl2, der Sulfonsäuren und mancher organischen Verbindungen, in denen das S. mit organischen Resten vereinigt ist.

Suli, Landschaft, s. Sulioten.

Sulina, Stadt im rumän. Kreis Tulcea, in der Dobrudscha, an der Südseite der Sulinamündung der Donau (s. d.), seit 1879 Freihafen, ist auf Pfählen im Sumpfe erbaut, hat (1890) 4317 E., daneben aber eine starke flottierende Bevölkerung infolge des starken Schiffahrtsverkehrs, zwei Leuchttürme, österr.-ungar. Konsulat, griech.-russ. und rom.-kath. Kirche sowie eine Moschee. 1895 liefen hier 5014 (1677 rumänische) Dampfer mit 2,06 Mill. Registertons ein, 5158 (1736) mit 1,95 Registertons aus. Hauptausfuhrartikel ist Getreide. S. ist Vorhafen von Galatz, wo die Europäische Donaukommission (s. d.) ihren Sitz hat. An der Sulinamündung sind zwei starke steinerne Leitdämme erbaut worden, durch die das eingeengte Fahrwasser auf 8 bis 10 m Tiefe gebracht worden ist.

Sulingen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Hannover, hat 541,72 qkm und (1895) 17 811 (9056 männl., 8755 weibl.) E.. 3 Städte, 31 Landgemeinden und 2 Gutsbezirke. - 2) Flecken im Kreis S., an der Sule, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Verden), hat (1895) 1606 E., darunter 19 Katholiken und 30 Israeliten, Post, Telegraph; Fabrikation von Sensen und Cigarren. - Durch die Konvention zu S. vom 3. Juni 1803 nötigte der franz. General Mortier die Hannoveraner zur Räumung des Landes und zum Rückzug über die Elbe nach Lauenburg.

Sulioten nannte man die griech.-albanesische, christl. Bevölkerung von Suli, einer zum Quellgebiet des Acheron gehörigen epirot. Gebirgslandschaft, die während des 17. Jahrh. sich in den öden Hochflächen angesiedelt hatte und daselbst unter Wahlhäuptern, sog. Kapitänen, so gut wie unabhängig lebte. Anfangs besaßen die S. nur vier Ortschaften, Kiapha, Awariko, Samonewa und Kako-Suli, und noch 1730 ward die Gesamtzahl der Bevölkerung auf nur 100 Familien geschätzt. Seit der Mitte des 18. Jahrh. aber erwarben sie durch Eroberung auf Kosten der benachbarten moslem. Bezirke Margariti und Paramythia ansehnliche Gebietsstrecken hinzu. Seitdem unterschied man die eigentlichen S., d. h. die Bewohner des ursprünglich kolonisierten Plateaulandes, und die Para-(Neben-) Sulioten, die Bewohner der später erworbenen Territorien, die zu jenen in einer Art von Abhängigkeitsverhältnis standen. Obwohl den benachbarten Mohammedanern wegen ihrer Raubzüge sehr unbequem, blieben doch die S. lange Zeit unbehelligt, bis Katharina II. von Rußland sich ihrer gegen die Pforte bediente. 1790-92 fehdeten sie mit Glück gegen Ali Pascha von Jannina. Erst 1800 wagte Ali Pascha einen neuen Angriff. Obwohl er aber unter den Suliotenführern in Georg Botzaris einen Verräter gefunden hatte, vermochte er doch den Widerstand des Bergvolks nicht zu brechen, bis endlich die S. (1803) der Übermacht unterlagen, aus ihrem Lande vertrieben und teilweise vernichtet wurden. Ihre Überreste fanden in Parga und später auf den Ionischen Inseln eine Zuflucht, wurden aber 1820, als Ali Pascha mit der Pforte in Konflikt kam, von diesem selbst in ihre Heimat zurückgerufen. Der Fall Alis hatte auch den ihren zur Folge. Von Türken und Albanesen eingeschlossen, übergaben sie nach tapferer Gegenwehr Aug. 1822 ihre Stellungen den Türken, wurden auf engl. Schiffen nach Kephallenia gebracht und nahmen fortan in Griechenland einen hervorragenden Anteil an dem griech. Befreiungskampfe. - Vgl. Perrävos, 'Ιστορία Σονλίον χαί Πάργα (2 Bde., Vened. 1815; englisch Lond. 1823); Lüdemann, Der Suliotenkrieg (Lpz. 1825); Zinkeisen, Geschichte des Osmanischen Reichs, Bd. 7 (Gotha 1863); S(alapantas), Τὸ Σονλι (Athen 1860); Kutsonikas, 'Ιστορία τοΰ Σονλίον (in seiner "Γενιχή ίστορία της ἑλληνιχης ἑπαναστάσεως", ebd. 1863); Mendelssohn-Bartholdy im "Histor. Taschenbuch" (4. Folge, Bd. 8, Lpz. 1867); ders., Geschichte Griechenlands, Bd. 1 (ebd. 1870).

Sulitelma, Gletscherberg im schwed. Län Norrbotten, an der norweg. Grenze, Plateau zwischen Schweden und Norwegen, 1876 m hoch. S. galt früher für den höchsten Berg Schwedens.

Sułkowski, eine poln. Fürstenfamilie im Posenschen und in Österreichisch-Schlesien, geteilt in die beiden noch bestehenden Linien von Bielitz und von Reisen. Der zweiten Linie gehört an Anton Paul, Fürst S., geb. 31. Dez. 1785 zu Lissa; er studierte in Warschau, Breslau und Göttingen und diente dann mit Auszeichnung in dem von Napoleon 1806 errichteten poln. Armeekorps. 1808 ging er an der Spitze eines Regiments nach Spanien, von wo er 1810 als Brigadegeneral zurückkehrte, befehligte 1812 die Avantgarde des Korps des Fürsten Poniatowski, ward Divisionsgeneral und übernahm in der Schlacht bei Leipzig nach Poniatowskis Tode den Oberbefehl über die Reste der poln. Armee. Später war er Generaladjutant beim Kaiser Alexander I., zog sich aber 1818 auf seine Besitzungen im Großherzogtum Posen zurück. Von Friedrich Wilhelm III. wurde er 1824 zum Marschall des ersten Posener Landtags, bald darauf zum Mitglied des Staatsrats ernannt. Er starb 13. April 1836. Sein einziger Sohn August, Fürst S., geb. 13. Dez. 1820, dessen Güter Friedrich Wilhelm III. unter Kuratel stellte, starb auf seinem Schlosse zu Reisen 20. Nov. 1882. Ihm folgte sein Sohn Anton, Fürst S.,