Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

518

Sure (Fluß) - Surrikulo

Sure (spr. ßühr), Nebenfluß der Mosel, s. Sauer.

Surenen, Paß der Dammagruppe in den Berner Alpen, zwischen den Massiven des Titlis und des Uri-Rothorns. Der Saumweg steigt von Engelberg über die Alpen Herrenrüti, S. und Blacken zur Paßhöhe (2303 m) der Surenenegg empor, die eine großartige Aussicht über das Engelberg- und das Reußthal und die Berge des Titlisstockes, des Schächen- und Maderaner Thals bietet. Dann senkt er sich östlich zur Waldnachtalp hinab, von wo er einerseits Attinghausen und Altdorf, andererseits durch das wilde Bockitobel Erstfeld an der Gotthardstraße erreicht.

Suresnes (spr. ßürähn), westl. Vorort von Paris, im Arrondissement St. Denis, Kanton Puteaux, des franz. Depart. Seine, an der Linie Paris (rive droite)-Versailles der Westbahn, hat (1896) 8331, als Gemeinde 9057 E.; Weinbau, Färberei, Fabrikation von Gummi elastikum, Gips und Topfwaren. S. liegt am Ostfuß des Mont-Valérien (136 m), auf dem bis 1830 ein von Ludwig XIII. erbautes Kloster stand, zu dem gewallfahrtet wurde; Ludwig Philipp legte dann die Forteresse du Mont-Valérien an, das Hauptaußenwerk der Festung Paris.

Surettahorn, Bergstock der Oberhalbsteiner Alpen in den Rhätischen Alpen, erhebt sich östlich von der Paßhöhe des Splügen an der Grenze des schweiz. Kantons Graubünden und der ital. Provinz Sondrio auf der Wasserscheide zwischen Hinterrhein und Liro (Adda) als vergletscherte Gneispyramide zu 3025 m Höhe. Unter dem Namen Surettahörner werden öfters auch die andern aus dem Surettagletscher aufsteigenden Felshörner, so die Schwarzhörner und der Piz La Mutalla zusammengefaßt. - Nicht zu verwechseln hiermit ist der Piz Suvretta (3074 m), der weiter östlich in der Umgebung des Piz d'Err (s. Err) gelegen ist.

Surf, eine Art Brandung (s. d.).

Surguci, s. Kumanen.

Suri, Stadt in Bengalen, s. Birbhum.

Suria, türk. Name von Syrien.

Surikate, Scharrtier (Suricata tetradactyla Ill.), ein den Schleichkatzen nahestehendes kleines Raubtier aus Südafrika mit beweglicher Nase und vierzehigen, mit langen Grabkrallen versehenen Füßen. Es wird leicht zahm und deshalb in seiner Heimat häufig gefangen gehalten, kommt auch oft in die europ. Tiergärten, die das Stück mit 30-50 M. bezahlen.

Surilho, der einheimische Name des südamerik. Stinktiers.

Surinam, s. Guayana II.

Surinamische Wabenkröte, s. Pipa.

Surja (im Sanskrit Sūrya), in der ältesten ind. Mythologie Name des Sonnengottes. Er gilt als Sohn des Dyāus (s. d.), fährt auf einem von einem oder mehrern schnellen, rötlichen Rossen gezogenen Wagen, wird als Seele von allem, was da lebt und webt, als allsehend und allerschaffend gepriesen. In seiner Eigenschaft als Schöpfer führt er vorwiegend den Namen Savitar. Seine Tochter ist Sūrjā, als deren Gatten die Açvins, und als Sohn Pushan genannt wird, der später nur ein anderer Name des Sonnengottes ist. In der spätern Mythologie gilt Sūrjā als Frau des S. und er als Vater eines Königsgeschlechts, das sich nach ihm Sūrjāvamça (Sonnengeschlecht) genannt hat. Abgebildet wird S. auf einem Wagen sitzend, der von sieben Rossen gezogen und von seinem Wagenlenker Aruna geleitet wird, mit vier Armen und von einem Strahlenkranz umgeben.

Surjoo (spr. ßördschu), englisch für Sardschu, Nebenfluß des Ganges, s. Ghagra.

Surnia ulula, s. Sperbereule.

Surnidae, die Käuze, s. Eulen.

Suronen, Packmaterial, s. Seronen.

Surplus (frz., fpr. ßürplüh), der finanzielle Überschuß, Rest.

Surprise (frz., spr. ßürprihs'), Überraschung.

Surre (arab.), Geldbörse, Geldrolle; dann das Geschenk in Gold, welches jährlich mit der Pilgerkarawane von Konstantinopel nach Mekka geht.

Surrey (spr. ßörrĕ), eine der südöstl. Grafschaften Englands zwischen Middlesex im N., Berkshire und Hampshire im W., Essex im S. und Kent im O., hat (1891) auf 1963 qkm 1 730 871 E., d. i. 882 auf 1 qkm und eine Zunahme von 20,5 Proz. gegen 1881, wovon aber 90,21 qkm mit 1 156 896 E. (Southwark, Lambeth, Wandsworth, Camberwell) zu London als Zählbezirk und außerdem noch 35 Kirchspiele mit 316 133 E. zum Polizeidistrikt London gehören. Das Land ist hügelig. Der Höhenzug der North-Downs durchläuft die Grafschaft von Westen gegen Osten. Südlich davon, jenseit einer Einsenkung, zieht die Hügelreihe des Wealds hin, die hier im Leith-Hill 294 m Höhe erreicht und zum Teil stark bewaldet ist. Einzelne nördl. Striche sind außerordentlich fruchtbar. Im allgemeinen aber beeinträchtigen beide Höhenzüge und ausgedehnte Heiden den Ertrag, so daß der Feldbau auf verhältnismäßig niederer Stufe steht. Außer Getreide baut man im Südwesten, bei Farnham, viel Hopfen, und längs der Themse sowie nach London hin breiten sich ausgedehnte Küchengärten aus. In die Themse fließen Wey und Mole. Der Medway gehört nur in seinem obern Laufe hierher, der Arun geht südwärts in den Kanal. Die Grafschaft schickt sechs Abgeordnete in das Parlament. S. war in der angelsächs. Zeit der nördlichste Teil von Sussex. Hauptort ist Guildford. Wichtiger sind Reigate und Kingston.

Surrey (spr. ßörrĕ), Henry Howard, Graf von, engl. Dichter, geb. 1516 oder 1517, der älteste Sohn des Herzogs von Norfolk, wurde am Hofe Heinrichs VIII. mit dessen natürlichem Sohne, dem Herzog von Richmond, erzogen, den er auch auf die Universität Oxford begleitete. Um 1510 trat er in Staats- und Kriegsdienste und zeichnete sich namentlich in den Feldzügen gegen Schottland (1542) und Frankreich (1544) als Gouverneur von Boulogne aus. Seine Feindschaft mit dem Grafen von Hertford, Schwager des Königs, und unvorsichtige Reden führten sein Verderben herbei. Des Hochverrats angeklagt, wurde er im Tower 21. Jan. 1547 enthauptet; sein ebenfalls verhafteter Vater wurde durch Heinrichs VIII. Tod gerettet. S.s Hauptstärke liegt in lyrischen Gedichten, namentlich in den Liebesliedern, in denen er Geraldine, wahrscheinlich die noch im kindlichen Alter stehende Tochter des Grafen von Kildar, besang. Er führte zuerst den reimlosen iambischen Fünffüßler in die engl. Sprache ein. Hoher Flug der Einbildungskraft ging ihm ab, aber er besaß Gefühl und Zartheit. Sein Vers ist fließend und wohlklingend, die Sprache elegant und rein. Seine Gedichte erschienen zuerst 1557, neuere Sonderausgaben besorgten Nott (zusammen mit Wyatts Gedichten, 2 Bde., Lond. 1815; neue Ausg. 1871) und Bell (ebd. 1854 u. 1871).

Surrikulo, Ortschaft in Bornu (s. d.).