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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Susa (in Persien) - Suso

Susa (hebr. und assyr. Šušan oder Schuschan, d. h. die Lilie), in den einheimischen Inschriften Schuschin oder Schuschun, gegenwärtig Sus oder Schus (im heutigen Persien), die Hauptstadt von Susiana, lag zwischen den Flüssen Choaspes, wegen seines Wassers berühmt (heute Kercha), und Euläus (im Alten Testament und den Keilinschriften Ulaï, heute Dscherrahi), war in Gestalt eines Rechtecks von 120 Stadien (22 km) Umfang erbaut und hatte keine Mauern, aber eine stark befestigte Burg, die den herrlichen Palast und eine der Hauptschatzkammern des Persischen Reichs enthielt. Wie Babylon war auch S. aus Ziegelsteinen und Erdpech erbaut. Als Erbauer der Burg galt der mythische Memnon, daher sie den Namen Memnonium führte. Die Perserkönige von Darius I. an erbauten hier prachtvolle Paläste, deren Reste von Loftus untersucht worden sind. Die Ruinen gehören zu den großartigsten Asiens. In S. spielte die Intrigue Esthers, deren Sage noch heute sich in diesen Gegenden verewigt; ebenso zeigt man ein Grabmal Daniels. Die zahlreichen Keilinschriften sind noch nicht vollständig entziffert und erklärt worden. Neuerdings hat die franz. Regierung eine Mission unter den Architekten Dieulafoy (s. d.) zur Erforschung S.s gesandt. Unfern von S. liegt die Stadt Schuschter (s. d.). - Vgl. Billerbeck, Susa (Lpz. 1893).

Susam-Adassi, s. Samos.

Susanna (hebr., d. h. Lilie), nach einer jüd. Erzählung eine Jüdin zu Babylon, Gemahlin des Jojakim und Tochter des Helkia, deren Schönheit und Gottesfurcht gerühmt wird. Ihre Geschichte wird in dem apokryphischen Buche "Historia von der S. und Daniel" erzählt. Von zudringlichen Liebhabern, die sie beim Baden überraschten, des Ehebruchs angeklagt, wurde sie zum Tode verurteilt, doch durch den jurist. Scharfsinn des jugendlichen Daniel gerettet, der die falschen Ankläger entlarvte, worauf diese dem Todesurteil unterlagen. Das Buch steht in den Septuaginta als Kap. 13, in einigen Handschriften derselben aber vor Kap. 1 des Buchs Daniel. Wortspiele und Paronomasien mit griech. Wörtern beweisen die griech. Abfassung des Buchs.

Suscipere et finire (lat.), "Unternehmen und vollbringen", Devise des hannov. Ernst-August-Ordens (s. d.).

Suscitieren (lat.), anreizen, aufmuntern; Suscitation, Anreizung.

Suscription (frz., spr. ßüßkripßióng), in der Diplomatik, s. Aufschrift.

Susdal (Suzdal, spr. ßúsdalj). 1) Kreis im nördl. Teil des russ. Gouvernements Wladimir, zumeist im Gebiet des Nerl (zur Kljasma), hat 2860 qkm, 105 156 E.; Acker-, Gemüsebau, Hausweberei, 2 Kattunfabriken und 1 Baumwollweberei. - 2) Kreisstadt im Kreis S., an der Kamenka, besteht aus drei Teilen, von denen der mittlere, der Kreml, mit hohem Erdwall und Graben umgeben ist, und hat (1891) 7210 E., 25 Kirchen, darunter mehrere Kathedralen, 2 Mönchs-, 2 Nonnenklöster, bischöfl. Palast, 8 Buchhandlungen, Kaufhof, Stadtbank, Gartenbau (namentlich Meerrettich, Zwiebeln, Pfefferminze, Cichorien). - S. war früher eine reiche, stark bevölkerte und industrielle Stadt, besonders bekannt durch ihre Heiligenbildermalerei und durch ihren Hausierhandel in ganz Rußland (die Hausierer hießen überall Susdaler). 1116-1390 bestand ein besonderes Fürstentum S., anfangs mit der Stadt S., dann mit Wladimir als Hauptstadt, das im Großfürstentum Moskau aufging. Die ehemalige Eparchie S. (seit 1213) ist mit der von Wladimir verbunden.

Susemihl, Franz, Philolog, geb. 10. Dez. 1826 zu Laage in Mecklenburg, studierte in Leipzig und Berlin, wurde Gymnasiallehrer in Güstrow und Schwerin und habilitierte sich 1852 an der Universität Greifswald. 1856 wurde er daselbst außerord., 1863 ord. Professor der klassischen Philologie. Er veröffentlichte: "Prodromus Platonischer Forschungen" (Gott. 1852), "Die genetische Entwicklung der Platonischen Philosophie" (2 Bde., Lpz. 1855-60), "Platonische Forschungen" (im "Philologus", Gött. 1863), "Aristoteles über die Dichtkunst, griechisch und deutsch" (2. Aufl., ebd. 1874), "Aristoteles' Politik, griechisch und deutsch" (2 Bde., ebd. 1879), "De Politicis Aristoteleis quaestiones criticae" (ebd. 1886), "Bericht über Aristoteles und die ältesten Akademiker und Peripatetiker" (Berl. 1896), sowie Ausgaben anderer Werke des Aristoteles und eine "Geschichte der griech. Litteratur in der Alexandrinerzeit" (2 Bde., Lpz. 1892).

Suser, eine Art Most (s. d.).

Susiana, von der Stadt Susa so genannt, auch Susis, der bei den Griechen gebräuchliche Name für das heutige Chusistan (s. d.). Der semit. Name ist Elam (s. d.), worunter jedoch gewöhnlich nur der obere Teil der Landschaft begriffen wird; die Gegend um Susa bewohnten die Kassiter (s. d.), den Nordosten die Kossäer (s. d.). Außerdem werden noch andere, nicht weiter hervortretende Völkerschaften genannt, ebenso zahlreiche Städte, deren wichtigste die Hauptstadt Susa (s. d.) war. - Vgl. Dieulafoy, La Perse, la Chaldée et la Susianae (1887).

Sušice (spr. ßúschitze), czech. Name der Stadt Schüttenhofen (s. d.) in Böhmen.

Susis, s. Susiana.

Suslowsche Lehre, s. Raskolniken.

Suso oder Seuse, Heinrich, mit dem Beinamen Amandus, deutscher Mystiker, geb. 21. März 1295 in Überlingen, gehörte dem Geschlecht der Herren von Berg an, trat, 13 J. alt, in das Dominikanerkloster zu Konstanz als Novize ein und ging dann nach Köln, um sich unter Meister Eckardt weiter auszubilden. Der Tod seiner Mutter brachte ihn auf eine ascetische und mystische Lebensanschauung. Er legte sich den Namen seiner Mutter bei (Siuse, latinisiert Suso), zog sich wieder in das Kloster nach Konstanz zurück und gab sich den schmerzlichsten Entsagungen und Kasteiungen hin. Mit seinem 40. Jahre beendete er seine Büßungen, zog als Wanderprediger umher, gewann namentlich in den Frauenklöstern Schwabens und der Schweiz großen Anhang und starb 25. Jan. 1366 zu Ulm im Dominikanerkloster, in dessen Kreuzgange er begraben liegt. Seine Hauptschriften, die er vier Jahre vor seinem Tode redigierte und mit merkwürdigen Bildern ausstattete, sind eine Beschreibung seines Lebens, nach gesprächsweisen Mitteilungen von Elise Stagel, einer Freundin, niedergeschrieben und von ihm selbst nachträglich durchgesehen und vervollständigt, dann das viel verbreitete "Buch von der ewigen Weisheit", das "Buch von der Wahrheit" und endlich ein "Briefbüchlein", 11 Briefe enthaltend. Fälschlich ist ihm das von Rulman Merswin (s. d.) verfaßte "Buch von den neun Felsen" beigelegt worden. S.s Mystik hat nichts Eigentümliches. Er schließt sich vielmehr eng an Eckardt (s. d.) an; dagegen charakterisiert ihn das Vorwiegen des Gemüts und des poet. Elements, das sich bis zum Phantastischen versteigt, so