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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Swine - Sybaris

Swine, Ausmündung der Oder (s. d. und Swinemünde).

Swine-fever (engl., spr. swein fihwĕr), s. Schweineseuche.

Swine-Haff Kanal, s. Tabelle I zur Karte: Die Schiffahrtsstraßen des Deutschen Reiches, beim Artikel Schiffahrtskanäle.

Swinemünde, Kreisstadt im Kreis Usedom-Wollin des preuß. Reg.-Bez. Stettin, befestigter Seehafen und Seebad, auf der Insel Usedom an der Swine, der mittlern Ausmündung des Oderhaffs in die Ostsee, und der Nebenlinie Ducherow-S.-Heringsdorf der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Stettin), Artilleriedepots, einer Kommandantur, Handelskammer, Schiffahrtsdirektion, Fortifikation und mehrerer Konsuln, hat (1895) 9391 E., darunter 207 Katholiken und 124 Israeliten, in Garnison das 1. Bataillon des Fußartillerieregiments von Hindersin (pommersches) Nr. 2, Postamt erster Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung; Dampferverbindung mit Stettin, Rügen und Kopenhagen; breite Straßen mit Lindenbäumen, Denkmal (1895) Kaiser Wilhelms I. (von Calandrelli), mehrere Hotels, Schiffahrt, Schiffbau, Handel und Fischerei. S. bildet den Vorhafen von Stettin. Der Hafen mit 8 m tiefem Eingang, der beste an der preuß. Ostseeküste, durch zwei (1829 vollendete) 1600 und 1000 m lange Molen bezeichnet, ist seit 1850 stark befestigt und hat einen 65 m hohen Leuchtturm (s. Tafel: Leuchttürme, Fig. 2); sein Bollwerk, an dem Schiffe bis zu 10 m Tiefgang anlegen können, ist 3420 m lang und mit Bahngleisen versehen. Zur Verteidigung der Reede und der Einfahrt in die Swine dienen die Ost- und die Westbatterie, welche auf der Landseite durch geschlossene Werke gedeckt sind; außerdem ist eine alte Citadelle und am rechten Flußufer das alte Fort Mövenhaken vorhanden. Am Ostufer in der Nähe des Leuchtturms liegt der Fischerhafen "Osternothafen" mit 2½-4 m Tiefe. S. ist 1824 als Seebad gegründet und hat sich in den letzten Jahren bedeutend gehoben (1896: 9477 Kurgäste). Das bei der Stadt liegende Gehölz sowie einige entfernte Orte, wie Heringsdorf (s. d.), der Golm, Corswand, Camminke u. s. w., bieten Gelegenheit zu Ausflügen. Bis zur Mitte des 18. Jahrh. lagen sich an der Swine auf Usedom Westswine, auf Wollin Ostswine als Dörfer gegenüber, und die Einfahrt wurde durch die Swineschanze verteidigt. Als 1729 die Swine schiffbar gemacht war, wurde S. gegründet und, nachdem Friedrich II. die Hafenanlagen verbessert hatte, 1765 zur Immediatstadt erhoben. - Vgl. Wittenberg, S., Ahlbeck und Heringsdorf (Linz 1893); Edw. Müller, Die Seebäder der Inseln Usedom und Wollin und der angrenzenden Küste Pommerns (6. Aufl., Berl. 1896).

Swine-plague (engl., spr. swein plehg), s. Schweineseuche.

Swinoj-Ostrow, Insel, s. Apscheron.

Swinton (spr. ßwinnt'n), Stadt in der engl. Grafschaft York, im West-Riding, wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, zwischen den Flüssen Dearne und Don gelegen, hat (1891) 9697 E.

Swinton and Pendlebury (spr. ßwinnt'n änd penndlbörrĭ), Stadt in der engl. Grafschaft Lancashire, im NW. von Manchester, zählt (1891) 20 197 E. und hat Kohlengruben und Baumwollindustrie sowie Ziegeleien.

Swir, Fluß im russ. Gouvernement Olonez, entströmt im SW. dem Onegasee und mündet im SO. des Ladogasees, 233 km lang, schiffbar, auch für Dampfschiffe. Seine Mündung ist mit der Mündung des Sjaß durch den Swirkanal (43 km lang) verbunden. Kanal und Fluß gehören zum Marienkanalsystem.

Swjatoj Roß, Heiliges Kap, Name mehrerer Vorgebirge im Nördlichen Eismeer: der Südwestspitze der Ljachowschen Insel, Blishnij gegenüber (russ. Gouvernement Jakutsk); am Ostarm der Tschesskaja-Bucht; an der Nordostküste der Halbinsel Kola. Letztere beiden gehören zum russ. Gouvernement Archangelsk.

Swjenzjany, russ. Stadt, s. Swenzjany.

Swjet (Svět, spr. ßwjet, "Licht"), russ. Tageblatt in Petersburg, zuweilen slawophil-chauvinistisch, mit einer "Romanbeilage", 1885 begründet und herausgegeben vom Oberst a. D. Wissarion Wissarionowitsch Komarow, ehemaligen Chef des Generalstabs Tschernajews im Serbisch-Türkischen Kriege.

Swod Sakonow (Svod Zakonov, russ., "Sammlung von Gesetzen"), das russ. Reichsgesetzbuch, s. Russisches Recht.

Syagrius, der letzte selbständige röm. Machthaber in Gallien. Sein Vater, der Graf Ägidus, hatte das Gebiet nördlich von der Loire bis zur Somme, mit der Hauptstadt Soissons, anfangs als röm. Statthalter und (seit 456 n. Chr.) als Magister militium, aber seit dem Tode des trefflichen Kaisers Majorianus 461, dessen Nachfolger er nicht anerkannte, als unabhängiger Herrscher regiert, in guter Freundschaft mit dem Frankenkönig Childerich I. Er vererbte sein Reich 464 an seinen Sohn S. 486 wurde es, nachdem S. von Childerichs Nachfolger (seit 481) Chlodwig angegriffen und in einer Schlacht unweit Soissons überwunden worden war, die Beute der Franken. S. selbst floh nach Toulouse zum westgot. König Alarich II., wurde von diesem jedoch an Chlodwig ausgeliefert und auf dessen Befehl hingerichtet.

Sybaris, eine im 8. Jahrh. v. Chr. (angeblich 720) von Achäern gegründete griech. Ackerbaukolonie der westlichen der beiden Halbinseln Unteritaliens, zwischen dem untern Krathis und seinem Nebenfluß, dem Sybaris, in weiter Thalebene gelegen. Die Stadt gelangte infolge der außerordentlichen Fruchtbarkeit dieses Landes und des ausgebreiteten Zwischenhandels zwischen Kleinasien, namentlich Milet, und den Etruskern bald zu großem Reichtum und bedeutender Macht; sie hatte einen Umfang von beinahe 9 km, gründete selbst neue Kolonien (Skidros, Laos, Poseidonia u. a.) und beherrschte ein ausgedehntes Gebiet mit angeblich 25 Orten und vier Völkerschaften; aber das Wohlleben der Bewohner erreichte allmählich einen so hohen Grad, daß "Sybarit" und "sybaritisch" sprichwörtliche Ausdrücke zur Bezeichnung der ärgsten Üppigkeit und Verweichlichung geworden sind. Gegen Ende des 6. Jahrh. v. Chr. entbrannte ein heftiger Krieg zwischen Kroton und S., der 510 mit der gänzlichen Zerstörung von S. endigte. S. blieb in Trümmern liegen, bis 445 v. Chr. von Ansiedlern aus verschiedenen griech. Landschaften unter der Leitung der Athener eine neue Stadt, S. am Traeis, gegründet wurde, wohin auch die Reste der ältern Bevölkerung übersiedelten; doch wurde die Stadt 443 schon nach Thurii (s. d.) verlegt. Die Lage von S. ist erst seit 1879 einigermaßen festgestellt worden. - Vgl. Cavallari in den "Notizie degli scavi di antichià" (Rom 1879-81).