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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Syr-darja-Gebiet; Syrallum; Syrd-arja

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Syrallum - Syr-darja-Gebiet

der Ara Hieros II., eines griech. Theaters aus dem 5. Jahrh. v. Chr. mit einem Durchmesser von 150 m, der Kirche Sta. Lucia (11. Jahrh.), eines angeblichen Cerestempels und der großartigen Katakomben, von denen nur wenig ausgegraben ist. Die Kirche San Giovanni, 1182 gegründet und später vielfach erneuert, hat eine Krypta (4. Jahrh.) mit dem Grabe des heil. Marcian und stand mit den Katakomben in Verbindung. Die Festungswerke der Burg Euryalos im äußersten Nordwesten zeigen noch massive Türme, die in Fels gehauenen Gräben und unterirdischen Gänge. Die ehemaligen Steinbrüche Latomia del Paradiso, di Sta. Venera, de Cappuccini sind jetzt mit üppigem Pflanzenwuchs bedeckt.

Geschichte. S. wurde um 734 v. Chr. von korinth. Auswanderern unter Führung des Herakliden Archias gegründet. Die älteste Verfassung war auf den nationalen Unterschied der Bevölkerung gegründet. In den Händen der Gamoren (Landeigentümer), der Nachkommen der dor. Gründer der Stadt, lag die Herrschaft; ihnen waren die alten, zum Stamme der Sikeler gehörigen Bewohner der Gegend, Killikyrier genannt, als Leibeigene unterthan. Als S. sich durch Handel hob, gesellte sich ein dritter Stand hinzu in den allmählich zugewanderten Griechen. Durch sie wurden zu Anfang des 5. Jahrh. v. Chr. die Gamoren vertrieben. Gelon, der Herrscher von Gela, an den sie sich wendeten, führte sie 485 zurück, bemächtigte sich aber zugleich der Herrschaft (Tyrannis), die er mit solcher Kraft und Klugheit und so glücklich führte, daß unter ihm S. der mächtigste unter den sicil. Staaten wurde. An S. schließt sich die Geschichte der Insel, die Gelon durch den Sieg bei Himera 480 gegen den ersten Eroberungsversuch der Karthager beschützte, von nun an vorzugsweise an. Auf Gelon folgten seine Brüder Hiero I. (478-467) und Thrasybulus. Dieser wurde schon 466 wegen seiner Grausamkeit vertrieben. An die Stelle der Tyrannis trat jetzt die Demokratie. Als Schutzmittel gegen das Übergewicht einzelner Bürger wurde der dem athenischen Ostracismus analoge, aber nur kurze Zeit bestehende Petalismus ("Blättergericht", Abstimmung mit beschriebenen Olivenblättern) eingeführt. Die landeseingeborenen Sikeler, die 451 Duketios gegen die Griechen vereinte, wurden nach hartem Widerstand unterworfen, die Kriege mit den griech. Städten meist glücklich geführt, bis 424 Hermokrates den Frieden vermittelte. Als aber 416 Selinus gegen Egesta von den Syrakusanern unterstützt wurde, riefen die Egestaner Athen, das schon 427 den Leontinern gegen S. beigestanden hatte, um Hilfe an. Eine starke Flotte ging unter Nicias, Lamachus, Alcibiades ab; aber Alcibiades' rasche Rückberufung und die Uneinigkeit der zurückbleibenden Feldherren lähmte die Operationen. Dennoch erreichten die Athener bedeutende Erfolge, bis S. von den Spartanern unter Gylippus Hilfe erhielt. Zwar sendeten auch die Athener neue Truppen unter Demosthenes; aber nachdem ihre Flotte vernichtet worden war, mußte sich das Landheer 413 ergeben. Nicias und Demosthenes töteten sich selbst im Gefängnis, 7000 gefangene Athener wurden als Sklaven verkauft oder in den Steinbrüchen, den Latomien, aufgerieben. In der Stadt siegte die Volkspartei unter Diokles, der vollständige Demokratie herstellte und strenges Recht einzuführen bemüht war, über die von Hermokrates geführte Adelspartei (411). Nach Diokles' Tode aber kam es zu neuen Parteikämpfen, in denen Hermokrates den Tod fand (408). Zugleich drohte Gefahr von Karthago. Da erhielt S. in Dionystus den Ältern, der, 406 zum Oberbefehlshaber ernannt, sich der Alleinherrschaft bemächtigte, einen zwar gewaltthätigen, aber kraftvollen Herrscher, der den Kampf mit den Karthagern, wenn auch mit wechselndem Glück, aufnahm, gegen die unterital. Griechen und die etrurischen Seeräuber siegreich kämpfte und den Handel und die Macht der von ihm stärker befestigten Stadt ansehnlich hob. Ihm folgte 367 sein Sohn Dionysius der Jüngere, der infolge seiner schlechten Regierung 356 von den Syrakusanern unter Dions Führung vertrieben wurde, 346 aber zurückkehrte; 344 nötigte ihn Timoleon an der Spitze einer von Korinth aus abgesandten Expedition zur Abdankung. Dieser beschränkte die Karthager, nachdem er sie 340 am Krimissus geschlagen, durch einen Frieden auf ihr Gebiet im westl. Teile der Insel, stürzte die Tyrannen der Griechenstädte und vereinte die Städte in einen Bund, an dessen Spitze S. stand. Timoleon stellte auch die Demokratie wieder her; aber sogleich nach seinem Tode (337) zerfiel sein Werk, und S. erhielt 317 wieder einen Tyrannen in Agathokles, der sich unter Kriegen mit den Karthagern und den Städten und Völkerschaften Unteritaliens bis 289 behauptete. Als dann S. von neuem der innern Zwietracht verfiel, drangen die Karthager 279 bis zur Stadt selbst vor; erst König Pyrrhus, den S. aus Italien zu Hilfe rief, drängte sie wieder zurück. In den Unruhen, die nach seinem Abzug 275 ausbrachen, erhob sich Hiero II. und ließ sich 269 zum König ausrufen. Ein treuer Bundesgenosse der Römer im ersten Punischen Kriege, erhielt er sein Gebiet in dem Frieden von 241 ungeschmälert, und S. blühte unter seiner Regierung (bis 215) neu empor. Sein Enkel Hieronymus verband sich wieder mit den Karthagern, und ihre Partei behielt auch nach seiner Ermordung (213) unter Hippokrates und Epikydes die Oberhand. Daher wurde von den Römern in demselben Jahre Marcus Claudius Marcellus gegen S. gesendet, das, durch des Archimedes Maschinen geschützt, seinen Angriffen und der Blockade widerstand, bis es endlich im Aug. 212 von ihm erobert, geplündert und zum Teil zerstört wurde. Seitdem sank es, obwohl Augustus eine Kolonie hinsendete, so daß schon unter den Römern die Stadt sich vorzugsweise auf die Insel Ortygia beschränkte.

Vgl. Cavallari-Holm, Topografia archeologica di Siracusa (Palermo 1883; deutsch von B. Lupus, Straßb. 1887); Holm, Geschichte Siciliens im Altertum, Bd. 1 u. 2 (Lpz. 1870-74); Freeman, The history of Sicilia from the earliest times (Bd. 1-4, 1891-94; Bd. 1-2, deutsch Lpz. 1895-97).

Syrallum, Stadt, s. Tschorlu.

Syrd-arja, Fluß, s. Syr.

Syr-darja-Gebiet, russ. Syr-darjinskaja oblastij im nordwestl. Teil des russ.-centralasiat. Generalgouvernements Turkestan, grenzt im N. an das Gebiet Turgaj, im NO. an Akmolinsk und Semipalatinsk, im SO. an Ferghana, im S. an Samarkand und an das Chanat Buchara, im W. an Chiwa und an den Aralsee und hat 504 658,1 qkm mit 1479 902 E., d. i. 2,9 auf 1 qkm. Der südöstl. Teil ist gebirgig, das übrige niedrige Steppe. Der Fluß Syr (s. d.) teilt das Land in zwei Teile, im NO. bildet die Tschu die Grenze, im O. der Unterlauf des Amu-darja. Seen nehmen einen