Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tabaksblei; Tabakschneidmaschinen; Tabakskampfer; Tabakskollegium; Tabaksmonopol; Tabakspapier; Tabakspfeife

577

Tabaksblei - Tabakspfeife (Rauchgerät)

als gemeinsame Steuer im Zollverein. Der Ertrag war geringfügig und erreichte im Zollverein netto durchschnittlich kaum 1 Mill. M. jährlich. Nach mehrfachen Anregungen zu einer Reform der Steuer und einer 1878 vorgenommenen großen Enquete kam nach Ablehnung des von der Reichsregierung gewünschten Monopols das Gesetz vom 16. Juli 1879 zu stande, welches eine Besteuerung des Rohtabaks nach dem Gewicht der fermentierten Blätter einführte und nur für ganz kleine Pflanzungen die Flächensteuer beibehielt. Die Gewichtssteuer (die vierte Form der Tabaksbesteuerung) beträgt in Deutschland 45 M. für 100 kg. Dieser Satz ist seit 1882 in Geltung. Als Übergangssatz wurden 1880: 20 M. und 1881: 30 M. für 100 kg erhoben. Für die zur Verwendung kommenden Surrogate sind 65 M. für 100 kg zu zahlen. Die als Ergänzung noch beibehaltene Flächensteuer ist seit 1882: 4,5 Pf. (1880: 2 Pf., 1881: 8 Pf.) für den Quadratmeter. Zugleich wurde der Eingangszoll bedeutend erhöht (für Tabaksblätter auf 85 M., für Fabrikate auf 180-270 M.). Bei der Ausfuhr von Tabak und Fabrikaten wird eine Steuervergütung gewährt. Der Ertrag dieser Steuer hat den Erwartungen wenig entsprochen. Er stieg vorübergehend im Erntejahr 1881/82 auf 11 640 000 M., war aber 1883/84 wieder auf 8 390 000 M. zurückgewichen. Seitdem ist er wieder bis 1886/87 (11 067 000 M.) gestiegen und danach bis 1888/89 auf 10 964 500 M. gesunken. 1893/94 betrug er 11 918 300 M., nach dem Voranschlage für 1897/98 11 293 000 M. Die mit Tabak bebaute Fläche war 1880: 24 259 ha, 1888 nur 18 032 ha, 1892: 14 730 ha, 1893: 15 198 ha, 1894: 17 575 ha, 1895: 21 154 ha. Dagegen ist der Ertrag des Eingangszolls, nach einem starken Rückgange im J. 1879/80, wieder gestiegen und belief sich 1888/89 auf 38 741 000 M., 1893/94: 44 465 600 M., 1894/95: 46 308 900 M., 1895/96: 48 096 900 M. Im ganzen bezog das Reich 1894/95 aus der Tabaksbesteuerung nach Abzug der Ausfuhrvergütungen 57 486 900 M. und 1895/96: 59 887 000 M. gegen 20 614 300 im J. 1877/78. Es ist dies im Vergleich mit den entsprechenden Einnahmen anderer Staaten noch immer eine sehr mäßige Summe (1 M. pro Kopf). Die besprochene Gewichtssteuer ist eine Materialsteuer; die letztere ist auch in der Form der Wertsteuer denkbar, hat aber als solche keine Bedeutung erlangt.

Die Fabrikatsteuer kann zwar ebenfalls hohe Erträge liefern, aber sie belastet dann die Konsumenten verhältnismäßig entschieden stärker als das Monopol, da sie zu der Konzentrierung der Fabrikation in den Händen weniger Großunternehmer führt, die ihrerseits eine mehr oder weniger monopolistische Stellung erhalten, ohne dem Publikum dieselben Garantien in Bezug auf Unverfälschtheit und Gleichmäßigkeit der Qualität zu bieten wie der Staatsbetrieb. Auch erfordert die Fabrikatsteuer sehr lästige und auch auf den Tabaksbau auszudehnende Kontrollvorschriften. Die Fabrikatsteuer bestand früher in der Türkei und ist noch in Rußland (seit 1877) und in den Vereinigten Staaten von Amerika (seit 1868) vorhanden. Die Erhebung erfolgt durch Stempelmarken, die auf den Waren derart anzubringen sind, daß sie beim Verbrauch zerstört werden müssen (russ. Banderollensystem). Dies Verfahren verlangt natürlich eine genaue Kontrolle des Handels. Das russ. Besteuerungssystem beruht auf zwei gleich verwerflichen Grundsätzen: a. Lokalisierung der Tabaksfabrikation und b. Steuerkontingentierung an die Tabaksfabrikanten; denn beide führen im Princip zum Privatmonopol einer Majorität von Fabrikanten. Daß auch das amerik. System, nach welchem sich die Steuerbehörde um die geerntete Menge Tabak gar nicht kümmert und die Kontrolle erst beim Tabakshändler beginnen läßt, unleugbare Schwächen hat, geht aus dem Bericht hervor, den die deutschen Delegierten seiner Zeit für die 1878er Tabaksenquete (vgl. Bd. 4 der Drucksachen, S. 47 fg.) geliefert haben. Die Vereinigten Staaten bezogen 1893/94 aus der Fabrikatsteuer 28,6 Mill. Doll., was auf den Kopf etwas über 2 M. ausmacht. In Rußland betrug der Ertrag 1891: 28,3 Mill. Rubel und ist für 1895 mit 31,7 Mill. veranschlagt. In Deutschland ist 1893 und 1895 eine Fabrikatsteuer versucht worden; indes sind die bezüglichen Entwürfe nicht zur Annahme gelangt.

Vgl. von Mayr, Vorbereitende Studien zur Einführung des Tabaksmonopols in Deutschland (Stuttg. 1878); ders., Das Deutsche Reich und das Tabaksmonopol (anonym, ebd. 1878); ders., Tabakssteuer (in Stengels "Wörterbuch des deutschen Verwaltungsrechts", Freib. i. Br. 1890); Mähreln, Die Besteuerung des Tabaks im Zollverein (Stuttg. 1868); M. Mohl, Denkschrift für eine Reichstabaksregie (ebd. 1878); R. Schleiden, Zur Frage der Besteuerung des Tabaks (in Hirths "Annalen", 1878); Felser, Das Tabaksmonopol und die amerik. Tabakssteuer (in Hirths "Annalen", 1878); ders., Zur Tabakssteuerfrage (Lpz. 1878); Krükl, Das Tabaksmonopol in Österreich und Frankreich (Wien 1879); Pierstorff, Entwicklung der Tabakssteuergesetzgebung in Deutschland (in Conrads "Jahrbüchern", Bd. 23); ders., Ältere und neuere Litteratur zur Frage der Tabaksbesteuerung in Deutschland (ebd., Bd. 30) u. s. w.; Bericht der deutschen Enquetekommission über die Tabaksbesteuerung vom 22. Dez. 1878 (6 Foliobände); Lewinstein, Die Belastung des Tabaks in den europ. Staaten (Berl. 1894); zahlreiche deutsche Handelskammerberichte, insbesondere von Mannheim und Bremen, den Haupttabaksplätzen Deutschlands.

Tabaksblei, s. Blech.

Tabakschneidmaschinen, s. Tabak.

Tabakskampfer, s. Nikotin.

Tabakskollegium, eine Abendgesellschaft, die König Friedrich Wilhelm I. von Preußen zu seiner Unterhaltung häufig in Berlin, Potsdam oder Wusterhausen um sich versammelte. Teilnehmer waren des Königs Vertraute, Minister und höhere Offiziere. Alle Anwesenden pflegten aus kurzen thönernen Pfeifen Tabak zu rauchen. Jedes Ceremoniell war verpönt. Die Unterhaltung bezog sich auf Kriegsgeschichten, Jagderlebnisse, Tagesneuigkeiten und Politik. Die österr. Partei verstand es, die herrschende gesellige Freiheit zu mißbrauchen, um den arglosen König in ihr Garn zu locken.

Tabaksmonopol, s. Tabaksbesteuerung.

Tabakspapier, s. Tabakpapier.

Tabakspfeife, das Gerät zum Rauchen des Tabaks, nach Zeit und Ort seiner Verwendung von den verschiedenartigsten Formen und Größen. Die T. besteht aus dem, oft mit Deckel oder auch mit Abguß (Saftsack) versehenen Kopf zur Aufnahme des Tabaks, dem Rohr zur Leitung des Rauches und der Spitze als Mundstück. Diese drei Teile können zusammengesteckt oder geschraubt, auch ganz oder teilweise aus einem Stück gefertigt sein. Die zur Verfertigung der T. hauptsächlich verwendeten