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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tabu - Tachograph

Persern, welche engl., deutsche und franz. Artikel importieren. Seit Eröffnung der Transkaukasischen Bahn hat Rescht den Verkehr an sich gezogen. Berühmt ist T. durch seinen Gartenbau und die vorzüglichen Mandeln, Apfel und Melonen.

Tabu (Tapu), auf den meisten Inseln der Südsee teils die Satzung über die Heiligkeit und Unantastbarkeit gottgeweihter Gegenstände, Personen und Orte, teils die Heiligkeit und Unverletzlichkeit derselben, teils auch die mit dem Vorzuge dieser Heiligkeit ausgerüsteten Vornehmen. Vor der Ankunft der Europäer waren die Insulaner, namentlich auf den Gesellschafts - und Sandwichinseln, Sklaven des Tabu-Aberglaubens, der ihnen viele Entbehrungen auferlegte und Tausenden unschuldiger Menschen das Leben kostete. Der König war tabu, heilig und unverletzbar, und ebenso alles, was er berührte; daher er in kein fremdes Haus ging, weil sonst niemand es wieder hätte benutzen können. Selbst der Becher, woraus er getrunken, wurde sogleich zerstört. Aber auch die Priester sprachen das T. über Gegenstände und Orte aus, ja über gewisse Speisen, deren man sich dann enthalten mußte. Seitdem es indes den europ. und amerik. Missionen gelungen ist, dem Christentum Eingang zu verschaffen, verschwindet dieser Aberglaube mehr und mehr.

Tabŭla Bantīna, s. Bantia

Tabŭla iliăca, s. Ilische Tafel.

Tabŭla Peutingeriāna, s. Peutinger.

Tabŭla rasa (lat.), geglättete («abgekratzte») Tafel (Schreibtafel), auf der die mit dem Griffel in das Wachs eingegrabenen Schriftzüge wieder beseitigt worden sind, besonders gebräuchlich in der Redensart T. r. machen, d. h. völlig beseitigen, zu Ende bringen, spurlos vertilgen.

Tabulārbesitz, s. Besitz.

Tabulāten oder Stockwerkskorallen, eine wichtige und eigentümliche Gruppe paläozoischer Korallenstöcke, bei denen die Längsscheidewände oder Septen zurücktreten oder fehlen und die einzelnen Röhrchen durch regelmäßig übereinander wiederholte zahlreiche Querböden in Stockwerke geteilt sind. Zu ihnen gehören die silurischen und auch im Devon als Leitfossilien wichtigen Favositiden, Kalamoporen oder Wabenkorallen und Halysiden oder Kettenkorallen. Durch die ebenfalls silurisch-devonischen Heliolithen wird die Verbindung hergestellt zu den lebenden Helioporiden (s. Helioporidae) und den Milleporiden (s. Milleporidae). Die T. sterben im Carbon aus und gehören nicht, wie man früher annahm, zu den Oktaktinien (s. d.), sondern zu den Hydroidpolypen (s. d.).

Tabulatūr (vom lat. tabula,, d. h. Tafel oder Schema), in der Musik eine Schreibart, durch welche die Harmonie einer Komposition auf kurze übersichtliche Weise, wie auf einer Tafel, dargestellt wurde. Es gab zwei Arten: die italienische und die deutsche. Während die ital. Organisten das Liniensystem mit den Noten annahmen, gingen die deutschen auf die alten Gregorianischen Buchstaben als Bezeichnung für die Noten zurück und benutzten diese für die T. Die deutsche T. war bis gegen 1700 in Gebrauch; aus ihr stammt unsere Ordnung des Tonsystems und die den Deutschen eigentümliche Benennung der Töne nach den Buchstaben; die Oktaven wurden durch große und kleine Buchstaben unterschieden. Höhere Oktaven wurden durch Striche bezeichnet, z. B.: ^[img] und ^[img] u. s. w. (S. Eingestrichen.) Für die Bezeichnung der verschiedenen Notenwerte hatte man ebenfalls entsprechende Zeichen. Die deutsche T. war weit komplizierter als die italienische. Eine besondere T. gab es für die Laute. Erst die Erfindung des Generalbasses machte der T. ein Ende. – In der Kunstsprache des Meistergesanges, der ja auch eine musikalische Kunst war, bedeutete T. die gesamte Sing- und Reimordnung, den Inbegriff der Kunstregeln, die in jeder einzelnen Singschule galten.

Tabŭla votīva (lat.), s. Votivtafel.

Tabulétt (vom lat. tabula,), Rahmen, Tafel-, Glasbrett des Kegelstuhls; Tragkasten mit Fächern für herumziehende Krämer (Tabulettkrämer).

Tabun (russ., aus dem türk. tabun), in Rußland Name der in den Steppen und Feldern weidenden Pferdeherden.

Tabûr oder Tabor, in der türk. Armee die Bezeichnung für Infanteriebataillon.

Taburétt, s. Tabouret.

Tacahamaca, s. Takahamak.

Tacarigua, See von, s. Valenciasee.

Taccastärke, s. Arrow-Root.

Tacchini (spr. tackī-), Pietro, ital. Astronom, geb. 21. März 1838 zu Modena, wurde 1859 Direktor der Sternwarte daselbst, war dann seit 1863 an der Sternwarte zu Palermo hauptsächlich mit Beobachtung der Sonne beschäftigt und ist jetzt Direktor der Sternwarte des Collegio Romano zu Rom. Mit Secchi gründete er 1871 die Italienische Spektroskopische Gesellschaft, in deren Schriften er seitdem die Resultate seiner Untersuchungen veröffentlichte. Im J. 1874 beobachtete er in Indien den Venusdurchgang.

Taceat mulier in ecclesia, s. Mulier taceat in ecclesia.

Tachau. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 615,01 qkm und (1890) 41277 (19759 männl., 21518 weibl.) deutsche E. in 78 Gemeinden mit 116 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Pfraumberg und T. – 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (293,48 qkm, 23015 E.), an der Mies, mit Lokalbahn (13 km) nach Plan, hat (1890) 4290, als Gemeinde 4524 deutsche E., alte Pfarr- (seit 1329 Friedhofs-)Kirche zu St. Wenzel mit der Gruft der Fürsten Windisch-Grätz, ein Franziskanerkloster (1451), Fachschule für Drechslerei, Krankenhaus; Glashütte, Spiegelpoliererei (Neufürstenhütte), Fabrikation von Holzwolle, Holzformen, Schuhleisten und Schirmstöcken, Brauereien und Landwirtschaft. - Bis 1623 böhm. Krongut, blieb T. in den Hussitenkriegen trotz der Bedrängnisse, die es namentlich während der von 1427 bis 1434 dauernden Diktatur einer hussitischen Besatzung erdulden mußte, dem Böhmenkönig treu.

Tacheomēter (grch.), s. Tachymeter.

Tachinīnae, s. Raupenfliegen.

Tachira (spr. tátsch-), Landschaft und westl. Sektion des Staates Los Andes in Venezuela, Grenzgebiet gegen Columbia, umfaßt die hohen Andenketten der westl. Cordillere von Merida, ist äußerst fruchtbar und ziemlich stark bevölkert. Hauptort ist San Cristobal (s. d.).

Tachogrāph (grch.), ein Vervielfältigungsapparat für Schriftstücke und Zeichnungen, ähnlich dem Hektographen (s.d.), vordem er sich dadurch auszeichnet, daß er weit mehr Abzüge gestattet und daß dieselben an Schärfe der Lithographie nahe kommen. Der von der Firma Hermann Hurwitz & Co. in