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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tagal; Tagale; Tagalen; Taganrog; Tagauren; Tagbogen

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Tagal - Tagbogen

kürzeste T. an Dauer abnimmt. Unter den Polarkreisen (s. d.) giebt es einmal im Jahre einen T. ohne Nacht und einmal eine Nacht ohne T., d. h. die Sonne geht hier einmal im Jahre 24 Stunden lang nicht unter und ein halbes Jahr später einmal 24 Stunden lang nicht auf. Zwischen den Polarkreisen und den zugehörigen Polen geht die Sonne im Sommer mehrere T., Wochen und Monate, je nach der größern Nähe des Ortes gegen den Pol, gar nicht unter und im Winter ebenso lange nicht auf. Unter den Polen herrscht ein T. von einem halben Jahre, dem am Nordpol um die Zeit der Herbstnachtgleiche und am Südpol um die Zeit der Frühlingsnachtgleiche eine ebenso lange Nacht folgt. - Die Angabe in den Kalendern, betreffs Beginn und Ende des bürgerlichen T., beziehen sich gewöhnlich nicht auf das Erscheinen und Verschwinden des obern Sonnenrandes in Bezug auf den Horizont, sondern auf das des Sonnenmittelpunkts, und zwar abgesehen von der Strahlenbrechung (s. d.), die namentlich nach den Polen zu die Dauer der T. stark beeinflussen kann. Im gewöhnlichen Leben pflegt man den T. vom Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung bis zum Ende der bürgerlichen Abenddämmerung zu rechnen. (S. Dämmerung.)

Wegen seiner höchst ungleichen Dauer ist der T. in dem bisherigen Sinne oder der natürliche T. als Maß für unsere Zeitrechnung nicht geeignet. Man versteht aber unter T. noch ferner die Zeit von einer Kulmination (s. d.) der Sonne bis zur andern und nennt einen solchen T. einen wahren Sonnentag. Allein wegen der ungleichförmigen Bewegung der Sonne und wegen der Bewegung der Sonne in der Ekliptik und nicht im Äquator, müssen auch diese T. ungleich sein. Man denkt sich daher statt der wahren Sonne eine andere Sonne, die sich mit völlig gleichmäßiger Geschwindigkeit im Äquator bewegt, und nennt den Zwischenraum zwischen zwei aufeinander folgenden Kulminationen derselben, der das Mittel aus allen wahren Sonnentagen im Jahre ist, einen mittlern Sonnentag. Dieses ist die Zeit, nach der man im bürgerlichen Leben zu rechnen pflegt, und die auch unsere Uhren angeben. Im bürgerlichen Leben pflegt man den mittlern Sonnentag, der meist T. schlechthin genannt wird, von Mitternacht an zu rechnen und zählt ihn durch zweimal 12 Stunden hindurch, wobei man die Zeit zwischen dem Beginn des natürlichen T. bis zum Mittag als Vormittag und die Zeit vom Mittag bis zum Ende des natürlichen T. als Nachmittag unterscheidet. Da die astron. Beobachtungen in der Hauptsache in den Nachtstunden angestellt werden und die Astronomen daher mitten im Laufe derselben das Datum wechseln müßten, ist es in der Astronomie gebräuchlich, den mittlern Sonnentag vom Mittag an zu rechnen und durch volle 24 Stunden fortzuzählen. Sagt man z. B. im bürgerlichen Leben: den 14. April 9 Uhr vormittags, so sagt der Astronom: den 13. April 21 Uhr.

Das einzige von der Natur selbst gegebene Zeitmaß, das sich immer gleich bleibt und das daher in der Astronomie auch als Grundmaß der Zeit dient, ist die Zeit zwischen zwei aufeinander folgenden Kulminationen des Frühlingspunktes, der Sterntag (s. Sternzeit). Die Länge dieses T., in dem wir die Rotationszeit der Erde vor uns haben, hat sich nach den genauesten Untersuchungen der größten Astronomen, seitdem Beobachtungen vorhanden sind, noch nicht um ein Zehntel Sekunde geändert. Über die Tageszeiten, die Differenz in Bezug auf Stunden und Datum, s. Länge (geographische).

Die Juden, Römer und Griechen teilten den natürlichen T. in 12 Stunden, ebenso die Nacht, sodaß die Stunden in den verschiedenen Jahreszeiten von ungleicher Länge waren. Bei den Babyloniern dagegen kamen auf T. und Nacht je 6 Stunden. Die Juden begannen den T. nur Sonnenuntergang, die Babylonier dagegen mit Sonnenaufgang, welche letztere Zeitrechnung auch bei den Griechen und Römern die gebräuchliche war. Eingehend handelt hierüber Bilfinger, Der bürgerliche T. (Stuttg. 1888).

Im Rechtswesen versteht man unter T. einen Zeitraum von 24 Stunden, welcher von Mitternacht zu Mitternacht gerechnet wird. (S. Dies und Frist.) Unter Jahr und T. wurde in der deutschen, namentlich sächs. Rechtssprache eine Frist von 1 Jahr 6 Wochen 3 Tagen verstanden; die libri fundorum und das Preuß. Allg. Landrecht haben einen Zeitraum von 1 Jahr und 30 Tagen an die Stelle gesetzt. Über Gebundene Tage s. d.

Im Bergbau bedeutet T. soviel wie Erdoberfläche; daher der Ausdruck: über T. und unter T.

Tagal, Residentschaft auf Java, s. Tegal.

Tagale, Tetele, Berglandschaft im Sudan, westlich vom Weißen Nil.

Tagalen, bedeutender Stamm malaiischen Ursprungs, dessen Vertreter hauptsächlich in Mittel-Luzon, Mindoro, Marinduque und in geringerer Anzahl auf den übrigen Inseln der Philippinen ansässig sind. Sie sind die Nachkommen malaiischer Einwanderer, welche die in den Küstenstrichen bereits vorhandene Mischbevölkerung, entstanden aus früher eingewanderten Malaien und Negrito (s. d.), den Ureinwohnern der Philippinen, in das Innere drängten, zum Teil auch in ihr aufgingen. Am Aufstand 1894-97 waren die T. hervorragend beteiligt. - Vgl. F. Blumentritt, Versuch einer Ethnographie der Philippinen (Ergänzungsheft Nr. 67 zu "Petermanns Mitteilungen", Gotha 1882).

Taganrog. 1) Bezirk im südwestl. Teil des russ. Gebietes der Donischen Kosaken, im S. vom Asowschen Meere, im W. vom Kalmius begrenzt, hat 14 025,3 qkm, 392 158 E.; Ackerbau, Viehzucht, Steinkohlenlager. - 2) Bezirksstadt im Kreis T. und Hafenstadt auf einem Vorgebirge des Asowschen Meers, 32 km westlich von der Mündung des Don, an der Eisenbahn Kursk-Charkow-Asow, hat (1897) 51 748 E., darunter viele Griechen und Armenier, 11 Kirchen, 1 Synagoge, griech. Kloster, Denkmal Kaiser Alexanders I., der in T. 1825 starb, Knaben-, Mädchengymnasium, Theater, russ. Zeitung, Börse, 5 Banken, darunter eine Filiale der Russischen Reichsbank; Lichter-, Leder-, Tabak-, Maccaronifabriken, bedeutenden Handel. T. war früher der Hauptstapelplatz für Don, Donez und Wolga, geht aber zurück infolge der Versandung des Hafens und der Konkurrenz Rostows. Im Hafen liefen ein (1895) 875 Seeschiffe, 1510 Küstenfahrer; es liefen aus 876 Seeschiffe und 1400 Küstenfahrer. - T. wurde im Orientkrieg 3. Juni 1855 von einer engl.-franz. Flotte beschossen und teilweise zerstört.

Tagauren, s Osseten.

Tagbogen, häufige Bezeichnung für den über dem Horizont liegenden Teil des von einem Gestirn beschriebenen Tagkreises (s. d.). Unter halbem T. versteht man den Stundenwinkel eines Gestirns beim Auf- oder Untergang, d. h. den Winkel, den eine durch den Pol, den Erdmittelpunkt und den