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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tagwechsel; Tahaa; Tahiriden; Tahiti; Tahiti-Archipel; Tahkali; Tahuamanu; Tai-Hu; Taiding; Taifune; Taikun; Tail; Taillandier

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Tagwechsel - Taillandier

Tagwechsel oder Präciswechsel, ein Wechsel, dessen Zahlungszeit auf einen bestimmten Tag festgesetzt ist. Bestimmter Tag ist ein Kalendertag ("am 10. Jan. zahle ich, zahlen Sie"), also auch z. B. Ostermontag, Michaelistag, Sylvester, dritter Ostertag, auch z. B. Montag nach dem 1. Jan., nicht aber Weihnachten, Ostern, Pfingsten. Nach der Deutschen und Österr. Wechselordnung gilt als T. auch der Medio- und Ultimowechsel, ebenso der Wechsel, in welchem die Zahlungszeit auf Anfang eines Monats gestellt ist; darunter wird nach dem Gesetz der erste des Monats verstanden. Ist der so bestimmte Tag aber ein Sonntag oder allgemeiner Feiertag, so ist der nächste Werktag der Zahlungstag.

Tahaa, öfter Otaha genannt, eine der franz. Gesellschaftsinseln im Großen Ocean, nördlich von Raiatea, mit der sie durch ein Korallenriff verbunden ist, ist 82 qkm groß, von Klippen umgeben, gebirgig, hat zwei gute Häfen und etwa 700 prot. E.

Tahiriden, Dynastie in Pcrsien (s. d.).

Tahiti, früher Otaheiti genannt, die größte der franz. Gesellschaftsinseln (s. d.) im Stillen Ocean, besteht aus zwei durch eine etwa 2 km breite, im höchsten Punkte nur 14 m hohe Landenge (Tarawao) verbundenen Halbinseln, deren größere nordwestliche, das eigentliche T. oder Porionu oder Tahiti-nui (Groß-Tahiti), die kleinere südöstliche aber Taiarapu oder Tahitiiti (Klein-Tahiti) heißt, mit zusammen 1042 qkm und 10 113 E. Das Innere der von einem Korallenriff umgebenen, aber mit trefflichen Häfen versehenen Insel ist gebirgig. Die höchste Spitze ist der Orohena oder Tobreonu, der sich bis zu 2231 m erhebt. Im Innern ist das Land unbebaut; nur die Küstenebene und einige Bergthäler sind kultiviert. Mit Ausnahme dieser Stellen ist T. mit Wäldern von Kokos- und andern Palmen, Bananen, Brotfruchtbäumen, Orangen und andern tropischen Gewächsen bedeckt. Obst, Kopra, Perlmutter, Vanille und Baumwolle wird ausgeführt, Baumwollzeuge und Konserven eingeführt. Der Anteil der Franzosen am Handel ist unbedeutend. Hauptort und Centrum der franz. Besitzungen im östl. Oceanien ist Papeete (s. d.) an der Nordwestküste.

Die Insel ist berühmt durch den naiv-idyllischen Charakter, den man ihren Einwohnern einst andichtete, sowie durch die Rolle, die sie in der Geschichte der Entdeckungen und bei der Verbreitung des Christentums in der Südsee gespielt hat. Nachdem schon 1606 der Spanier Quiros auf der östlich gelegenen niedrigen Insel gelandet war, wurde T. im Juni 1767 vom engl. Seefahrer Wallis und 1. April 1768 vom Franzosen Bougainville besucht. Cook, welcher auf der Insel 10. April 1769 landete und sie nach Beobachtung des Venusdurchgangs mit Forster genauer untersuchte und beschrieb, fand ein harmloses, auf 100 000 Seelen geschätztes Naturvolk, welches unter einem König stand, der zugleich oberster Priester war. Die Berührung mit der europ. Civilisation verwandelte indessen bald das unbefangene Sinnenleben dieses Volks zu gemeiner Sittenlosigkeit. Vor allem richteten die Lustseuche und der Gebrauch des Branntweins ungeheure Verwüstungen an. Um diesen Zustand zu bessern, wurden bereits 1797 Missionare von England nach T. ausgesendet, doch erst 1812 trat der König Pomare II. zum Christentum über, befestigte durch dasselbe mit Hilfe der Missionare seine eigene Macht, that aber auch viel für Verbreitung des Christentums. Außerdem verschaffte er dem ersten geschriebenen Gesetze Eingang. Der jugendliche Nachfolger starb bereits 1827; ihm folgte seine 16jährige Schwester Pomare IV. (1827-77), die seit 1842 unter franz. Bevormundung und Willkürherrschaft nur noch eine Scheinregierung führte. Am 29. Juni 1880 wurde vom König Pomare V. und dem Kommissar der franz. Republik ein Vertrag unterzeichnet, durch welchen die volle Souveränität über alle von der Krone von T. abhängenden Gebiete an Frankreich cediert wurde. Ein Gesetz vom 30. Dez. 1880 erklärte die Inseln für eine franz. Kolonie und gewährte den Unterthanen des Königs die franz. Nationalität. Pomare V. (gest. 1891) erhielt eine Pension von 25 000 Frs. Durch Erlaß vom 28. März 1881 wurden die Häfen Papeete und Port-Phaeton auf T. sowie Papetoai auf Eimeo dem auswärtigen Handel geöffnet.

Tahiti-Archipel, s. Gesellschaftsinseln.

Tahkali, Indianerstamm, s. Tinneh.

Tahuamanu, amerik. Fluß, s. Orton.

Taiding, s. Ding (Volksversammlung).

Taifune (Teifune, engl. typhons), chines. Siü-fung oder Tai-fung, Cyklone, die mit geringer horizontaler Erstreckung größte Heftigkeit verbinden und die Gewässer des Chinesischen Meers nach allen Richtungen hin durchziehen. Die T. treten am häufigsten im September und Oktober auf, können also als wahre Äquinoktialstürme (s. d.) bezeichnet werden. Von 46 T. in der Zeit von 1780 bis 1845 kamen auf Juni 2, Juli und August je 5, September 18, Oktober 10, November 6. - Vgl. Reye, Die Wirbelstürme, Tornados, Wettersäulen (Hannov. 1872).

Tai-Hu (Thai-hu), Binnensee in den chines. Provinzen Tsche-kiang und Kiang-su, zwischen Shang-hai und Nanking, von Norden nach Süden 50-65 km lang, 40-50 km breit. Die Ufer sind bergig, mit Maulbeerbäumen bedeckt. Der See ist seicht und enthält bergige Eilande. Wasserläufe geben ostwärts nach Su-tschou-fu, nordwärts nach Wu-si-hien, westwärts nach I-Hing-Hien und südwärts nach Hu-tschou-fu.

Taikun ("großer Herr"), ein in Japan selbst ungebräuchlicher Titel, mit welchem die Ausländer in neuerer Zeit häufig die Shogune (s. Japan, Geschichte) von Japan bezeichnen. Der Titel T. kommt zuerst in einem Schreiben des Königs von Korea an den dritten Shogun der letzten Dynastie, Jemits(u) (1623-51), vor.

Tail, Geldgröße und Gewicht in China, s. Tael.

Taillandier (spr. tăjangdĭeh), René Gaspard Ernest, genannt Saint-René T., franz. Schriftsteller, geb. 16. Dez. 1817 zu Paris, widmete sich dem Studium der Rechte, beschäftigte sich aber daneben mit Philosophie und Litteratur. 1840 trat er mit der größern Dichtung "Béatrice" hervor, studierte dann zu Heidelberg und wurde Ende 1841 zum supplierenden Professor an der Faculté des lettres zu Straßburg ernannt. Er erwarb sich hierauf 1843 mit der Schrift "Scot Erigène et la philosophie scholastique" (Par. 1843) zu Paris die Doktorwürde und wurde Professor der franz. Litteratur an der Fakultät zu Montpellier. 1863 kam er als Professor der Faculté des lettres nach Paris und erhielt 1868 die Professur der Eloquenz. Im Jan. 1870 wurde er Generalsekretär im Ministerium des öffentlichen Unterrichts, 17. Jan. 1873 Mitglied der Akademie. Er starb 24. Febr. 1879. Besonders wandte er seine Aufmerksamkeit dem Gange der Philosophie und Litteratur in Deutschland zu und begann im Okt. 1843 in der "Revue