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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tai-Ping; Tai-wan; Taille; Taille-douce; Taille á étoile; Tailleur; Taillon; Tailon; Taimyr; Tain; Taine; Taitai; Taïti; Tajipuru; Tajmyr; Tajo

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Taille - Tajo (Strom)

des Deux Mondes" eine Reihe von Artikeln über deutsche Litteratur, welche deren Bekanntwerden in Frankreich ungemein förderten. Hieran schlossen sich "Études de littérature étrangère: Novalis" (Montpellier 1847), "Historie de la jeune Allemagne" (Par. 1848), "Études sur la révolution en Allemagne" (2 Bde., ebd. 1853): ferner "Allemagne et Russie" (ebd. 1856), "Historie et philosophie religieuse" (ebd. 1860), "Littérature étrangère, écrivains et poëtes modernes" (ebd. 1861), "Correspondence entre Goethe et Schiller" (2 Bde., ebd. 1863), "La Comtesse d'Albany" (ebd. 1862), "Lettres inédites de Sismondi" (ebd. 1863), "Corneille et ses contemporains" (ebd. 1864), eine treffliche histor. Studie "Maurice des Saxe" (2 Bde., ebd. 1865), "Drames et romans de la vie littéraire" (ebd. 1869), und die histor. Arbeit: "La Serbie au 19e siècle. Kara-George et Milosch" (ebd. 1875).

Taille (frz., spr. tallje), Schnitt; Einschnitt des Leibes unter den Rippen und das entsprechende Stück der Kleidung; in der Musik soviel wie Tenor; beim Pharaospiel soviel wie Abzug, d. i. eine Tour des Spiels und die Karten dazu in der durchs Mischen bewirkten Reihenfolge.

In Frankreich hieß Taille (spr. taj), mittellat. tallia, die im 15. Jahrh. unter Karl VII. an die Stelle der frühern außerordentlichen und gelegentlichen Auflagen tretende regelmäßige direkte Steuer von dem Vermögen oder Einkommen der nicht privilegierten Stände. (S. Frankreich, Geschichte.) Man unterschied die T. réelle, die nach einem unvollkommenen Kataster von dem Grund- und Hausbesitz erhoben wurde, und die T. personelle, die eine Erwerbs- und Personalsteuer bildete. Der Ausdruck tallia kommt übrigens auch in Deutschland vor, gleichbedeutend mit petitio, exactio oder Bede (s. d.), auch mit incisio (adcisio, woraus später mit einer verengerten Bedeutung Accise), was wohl auf die Verrechnungsweise an Kerbhölzern hindeutet.

Taille á étoile (frz., spr. taj a etŏál), der Sternschnitt am Brillanten, s. Edelsteinschleiferei.

Taille-douce (frz., spr. taj duhß), Kupferstich (im Gegensatz zu der mittels Scheidewasser hergestellten Radierung).

Tailleur (frz., spr. tăjöhr), Schneider; Kartenabzieher, Bankhalter; taillieren, schneidern; die Karten abziehen, Bank halten.

Taillon (frz., spr. tăjóng), Nachsteuer.

Tailon, Geldgröße in Hinterindien, s. Dong.

Taimyr (Tajmyr), Halbinsel des Nördlichen Eismeers, zum Bezirk Turuchansk des russ.-sibir. Gouvernements Jenisseisk gehörig. Sie spaltet sich durch die Taimyrbucht in zwei Hälften, deren größere, östliche, bis zu 77½° nördl. Br. reicht, und wird vom Byrrangagebirge durchzogen, das bis zu 305 m Seehöhe ansteigt und mit vielen Vorgebirgen ins Eismeer ausläuft. In die genannte Bucht mündet im Süden der Taimyrfluß, der durch den von ihm durchflossenen Taimyrsee (2653 qkm, unter 74½° nördl. Br.) in einen Obern und Untern T. geteilt wird. Das Land ist mit Tundren bedeckt und wird kaum zuweilen von nomadisierenden Samojeden und Ostjaken besucht. Die Flora ist viel ärmer als in Grönland, zeichnet sich aber noch durch starke Kriechstöcke der Polarweiden und hochwüchsige Rittersporne aus. Erforscht wurde es zuerst von dem russ. Reisenden Middendorff (s. d.). - Die nordwestlich an der Taimyrbucht liegende, durch eine schmale Meerenge vom Festlande getrennte Insel heißt auch T.

Tain (spr. tehn), Hafenstadt in der schott. Grafschaft Roß und Cromarty (s. d.).

Taine (spr. tähn), Hippolyte, franz. Literarhistoriker, Ästhetiker und Geschichtschreiber, geb. 21. April 1828 zu Vouziers (Ardennes), besuchte die Normalschule in Paris, bekleidete sodann Oberlehrerstellen an verschiedenen Lyceen in der Provinz, geriet aber wegen seiner freien Anschauungen in Konflikte mit seinen Vorgesetzten, so daß er seinen Beruf aufgab und nach Paris ging. Hier studierte er Naturwissenschaften und moderne Sprachen, erhielt 1863 eine Professur an der Ecole des beaux-arts und wurde 1878 Mitglied der Französischen Akademie. Er starb 5. März 1893 zu Paris. Außer der gekrönten Preisschrift "Essai sur Tite-Live" (1856; 2. Aufl. 1860) und der "Voyage aux eaux des Pyrénées" (1855 u. ö.) erschienen von ihm: "Essais de critique d'histoire (ebd. 1858) und "Nouveaux essais" (1865), " Les philosophes français du XIXe siècle" (Par. 1857 u. ö.; 6. Aufl. u. d. T. "Les philosophes classiques du XIXe siècle en France"), und dann seine "Histoire de la littérature anglaise" (4 Bde., ebd. 1864; in deutscher Bearbeitung von Katscher, 3 Bde., Lpz. 1877-78), ein bedeutendes Werk, das seinem Autor Anklagen wegen Atheïsmus zuzog. Hieran schlossen sich: "Idéalisme anglais, étude sur Carlyle" (1864), "Le positivisme anglais, étude sur Stuart Mill" (1864), "Philosophie d l'art en Italie" (1866), "Voyage en Italie" (2 Bde., Par. 1866), "Notes sur Paris. Vie et opinions de M. Fréd. Thomas Graindorge (1867), "L'idéal dans l'art" (1867), "Philosophie de l'art dans les Pays-Bas" (1866), "Philosophie de l'art en Grèce" (1869), "De l'intelligence" (2 Bde., 1870; deutsch von Siegfried, 2 Bde., Bern 1880), "Notes sur l'Angleterre" (1872). In seinen frühern Schriften zeigt sich T. als entschiedener Anhänger des deterministischen Gesichtspunkts bei der Beurteilung und Betrachtung der menschlichen Dinge; darin besteht seine schriftstellerische Originalität; sein Name und Ruf verknüpften sich mit der Anwendung der Physiologie und Mechanik auf Geschichtschreibung. Seine größern Werke sind jedoch nicht nach einem festgehaltenen Plane gearbeitet, und der Verfasser bleibt sich dabei weder in der Tendenz noch in der Ausführung immer gleich. Das schlagendste Beispiel von derartigem Widerspruch zwischen Ausgangspunkt und Resultat, zwischen Prämissen und Schluß ist T.s Hauptwerk: "Les origines de la France contemporaine" ("L'ancien régime", 1875, "La révolution", 3 Bde., 1878-84, "Le régime moderne", 2 Bde., 1890-94), das von Katscher deutsch bearbeitet wurde (Lpz. 1877 fg.). Nach seinem Tode erschienen: "Derniers essais de critique et d'histoire" (1894) und "Carnets de voyage. Notes sur la province" (1897). - Vgl. Katscher, H. Taine (in "Unserer Zeit", Jahrg. 1876, 2. Hälfte).

Tai-Ping (Thai-ping), die Aufständischen in China 1851-66, s. China (Geschichte).

Taitai, Hafenplatz auf den Calamianes (s. d.).

Taïti, Gesellschaftsinsel, s. Tahiti.

Tai-wan (Thai-wan), s. Formosa und Thainan.

Tajipuru, Arm des Amazonenstroms (s. d.).

Tajmyr, s. Taimyr.

Tajo (spr. -cho), portug. Tejo, frz. Tage, lat. Tegus, der längste Strom der Pyrenäischen Halbinsel, entspringt im westl. Teil der span. Provinz Teruel, an der Westseite der Muela de San Juan (1610 m), unweit der Quellen des Guadalaviar, des Jucar und Cabriel. Er fließt zuerst ent-^[folgende Seite]