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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tannenklee - Tann-Rathsamhausen

einem Schnabel, der dem der Spechte ähnlich ist. Der T. brütet im Norden der Alten Welt, in den Alpen und andern höhern Gebirgen, findet sich aber bisweilen im Winter in größern Scharen über ganz Deutschland verbreitet.

Tannenklee, soviel wie Wundklee (s. Anthyllis).

Tannenkrebs, s. Tanne.

Tannenlaus (Chermes), Gattung der Schildläuse (s. d.) mit fünfgliedrigen Fühlern. Vorderflügel mit 3 einfachen, hintere mit einer verloschenen Schrägader. Die gemeine T. oder Fichtenrindenlaus (Chermes abietis L.) ist 1,25-1,5 mm lang, im geflügelten Zustande braun, weiß bereift, mit gelbgrünem Hinterleib, im ungeflügelten schwarzbraun und dicht mit einem faserigen Wachsüberzug bedeckt. Ihre Entwicklung ist noch nicht in allen Einzelheiten aufgeklärt. Die ungeflügelte weibliche Form überwintert am Grunde junger Fichtenknospen. Im nächsten Frühjahr wächst sie bedeutend, indem sie an derselben Stelle verbleibt, sie häutet sich einigemal und legt viele, unbefruchtete Eier, die sich auf parthenogenetischem Wege (s. Parthenogenesis) entwickeln. Die aus diesen Eiern hervorgehenden Jungen stechen die Nadeln der Fichtenknospen an, wodurch sich eine ananasförmige Galle (s. Tafel: Nadelhölzer. Waldbäume VII, Fig. 1, 11) entwickelt. Danach werden diese Jungen zu geflügelten Weibchen, die wieder unbefruchtet sich entwickelnde Eier hervorbringen. Aus diesen gehen die geflügelten gelblichen Geschlechtstiere hervor; die mit dunklerm Hinterleibe sind die Männchen. Aber die Sache scheint noch viel komplizierter zu sein, indem namentlich die Zahl der Generation größer ist, und bei den verschiedenen Generationen ein Wechsel der Aufenthaltspflanze stattfindet. Die geflügelte zweite Generation wandert nämlich zum Teil auf die Lärche aus, wo sie unbefruchtete Eier legt, aus denen eine dritte, ungeflügelte Generation hervorgeht, die auf der Lärche überwintert. Diese erzeugt im nächsten Frühjahr eine vierte, geflügelte Generation, die zur Fichte zurückkehrt, parthenogenetisch Eier legt, aus denen als fünfte Generation die Geschlechtstiere sich entwickeln, die die Eltern einer neuen, der ersten entsprechenden Generation werden. Der Teil der zweiten Generation, der nicht auf die Lärche auswanderte, sondern auf der Tanne verblieb, erzeugt als dritte Generation ungeflügelte Weibchen, aus deren unbefruchteten Eiern eine Sommergeneration, als vierte, von geflügelten Geschlechtstieren hervorgeht. Die T. wird der Fichte und Lärche bisweilen sehr schädlich.

Tannenmeise, s. Meise.

Tannenpapagei, s. Kreuzschnabel.

Tannenpfeil, s. Fichtenschwärmer.

Tannhäuser, in der deutschen Volkssage ein Ritter, der in den Berg der Frau Venus (s. Venusberg) hinabgestiegen war, um ihre Wunder zu schauen. Als ihn nach einiger Zeit sündiger Wonnen das Gewissen rührte, pilgerte er reuig gen Rom zu Papst Urban IV., um durch Beichte und Buße Vergebung seiner Sünden zu suchen. Allein der Papst, der gerade einen dürren Stab in der Hand hielt, bedeutete ihn, daß er Gottes Huld so wenig erlangen könne, als jener Stecken zu grünen vermöge. Da kehrte der T. verzweifelnd zurück zu Frau Venus. Am dritten Tage aber begann der Stock zu grünen, und alsbald sandte der Papst Boten in alle Lande, der T. aber war nicht zu finden. So erzählt das weit verbreitete und noch 1830 im Entlebuch gesungene Volkslied (am besten in Uhlands "Alten hoch- und niederdeutschen Volksliedern", Bd. 1, 3. Aufl., Stuttg. 1893), und die Vorrede des "Heldenbuchs" fügt hinzu, daß vor dem Venusberge der getreue Eckart (s. d.) sitze und die Leute warne. In dieser Fassung läßt die Sage sich zurück verfolgen bis ins 14. Jahrh.; einzelne Züge weisen aber bis ins german. Heidentum. In manchen Versionen gilt als Sitz der Venus der Hörselberg (s. Hörsel) bei Eisenach, in welchem die altdeutsche Göttin Holda, unsere Frau Holle, ihren Hof hielt. Auch allerlei Sagen von Elfenweibern, die Sterbliche an sich locken, klingen an. In neuester Zeit ist die Sage wiederholt, z. B. von Tieck, Heine, poetisch bearbeitet, von Richard Wagner, der T. nach dem Vorgang E. T. A. Hoffmanns mit Heinrich von Ofterdingen identifizierte und ihn in den Sängerkrieg auf der Wartburg einführte, zu einer Oper benutzt worden. Eine solche hat auch Ed. Duller gedichtet und C. A. Mangold (gest. 1889) komponiert (aufgeführt 1846; neu bearbeitet von E. Pasqué; aufgeführt 1890 in Darmstadt).

Um die Mitte des 13. Jahrh. und gleichzeitig mit Papst Urban IV. (1261-64) lebte aber in Deutschland wirklich ein T., wahrscheinlich ein nichtadliger Kleriker, der als fahrender Sänger sich der Gunst des österr. Herzogs Friedrich II. erfreute, mit Weibern und Tafelfreuden sein Gut verthat und unstet durch Deutschland von Hof zu Hof zog (1240-70). Er ist ein glänzender Humorist, stark in der Selbstironie, dichtete burschikose Strophen, die an Studentenlieder erinnern, sang ausgelassene, mit gelehrtem Unsinn und tollen Fremdwörtern komisch gespickte Tanzleiche und parodierte die unmöglichen Aufgaben des Frauendienstes. Aber auch ein Bußlied von ihm ist erhalten, das vielleicht den Anlaß zu der Sage gab. Seine Gedichte stehen in von der Hagens "Minnesingern", Nr. 90; eine "Hofzucht" (höfische Sittenlehre, in der "Zeitschrift für deutsches Altertum", Bd. 6) ist nicht sein Werk. - Vgl. Öhlke, Zu T.s Leben und Dichten (Königsb. 1890); Erich Schmidt, T. in Sage und Dichtung (in der "Festschrift zum 8. Okt. 1892", Weim. 1892); Siebert, T., Inhalt und Form seiner Gedichte (Berl. 1894).

Tannieren, soviel wie Gallieren (s. d.).

Tannigen, s. Bd. 17.

Tannin, s. Gerbsäure.

Tanninbäder, s. Bad.

Tannin-Bleisalbe, s. Bleisalbe.

Tanninextrakt, amerikanisches, soviel wie Hemlockextrakt (s. Hemlockrinde).

Tanningensäure, s. Katechin.

Tanninstoffe, soviel wie Gerbsäuren (s. d.).

Tann-Rathsamhausen, Ludwig Samson, Freiherr von und zu der, bayr. General der Infanterie, geb. 18. Juni 1815 zu Darmstadt, trat 1833 als Junker in das 1. bayr. Artillerieregiment ein, wurde noch in demselben Jahre Unterlieutenant und nahm 1843 unter Bugeaud in Algerien an einem Zuge nach der tunesischen Grenze teil. Seit 1848 Major und Flügeladjutant des Königs Max II., ging T. nach Schleswig-Holstein und bildete ein Freikorps gegen die Dänen. Am 13. April 1849 zeichnete er sich bei Düppel aus als Chef des Generalstabs der bayr.-kurhess. Division. 1850 trat er als Oberst und Chef des Generalstabes in die schlesw.-holstein. Armee unter General von Willisen und machte die Kämpfe bei Idstedt, Duvenstedt und Missunde mit. Nach der Niederwerfung der schlesw.-holstein. Erhebung kehrte T. als Oberstlieutenant und Flügeladjutant nach Bayern zurück, avancierte 1861 zum