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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tapetenborten - Tapiau

dem Farbenspiel des Regenbogens ähnliches Aussehen hervorgeht. Das Irisieren geschieht beim Grundieren oder beim Drucke. Unter der Bezeichnung Lincrusta Walton wird seit 1877 in einigen engl. Fabriken eine Art Tapete hergestellt, die im Aussehen den geprägten Ledertapeten gleicht, aber aus einem Gewebe besteht, das auf der Rückseite mit Papier und einer aus oxydiertem Leinöl und Harz bestehenden Deckschicht, auf der Vorderseite mit der dem Linoleum (s. d.) charakteristischen Deckschicht bekleidet ist, auf welche mittels eines Prägeverfahrens vertiefte Muster aufgetragen sind.

Gesundheitsschädigungen können durch T. dann herbeigeführt werden, wenn dem Kleister, mit dem sie angeklebt werden, arsenige Säure zur Tötung von Ungeziefer an den Wänden zugesetzt wird; auch durch T., deren Farbe Schweinfurter Grün (s. d.) enthält, kann Arsenikvergiftung (s. d.) bewirkt werden. Ultramarinfarben in der Tapete können unter dem Einfluß des sich zersetzenden, säuernden Kleisters Schwefelwasserstoff entwickeln, der sich in den frisch tapezierten Zimmern durch lang anhaltenden fauligen Geruch zu erkennen giebt.

Vgl. Exner, Die Tapeten- und Buntpapierindustrie (Weim. 1869); Bötticher, Originalkompositionen zu Flachmustern (Dresd. 1878-80); Seemann, Die Tapete, ihre ästhetische Bedeutung und technische Darstellung, sowie kurze Beschreibung der Buntpapierfabrikation (Wien 1882); Gurlitt, Die deutsche Musterzeichnerkunst und ihre Geschichte (Darmst. 1890); Fischbach, Beitrag zur Geschichte der Tapetenindustrie (ebd. 1889); Deutsche Tapeziererzeitung (Berl. 1883 fg.); Tapetenzeitung (Darmst. 1888 fg.).

Tapetenborten, s. Tapeten.

Tapetenmotte, s. Motten.

Tapetum nigrum, s. Auge.

Tapezierarbeiten, ein Teil des Bauanschlages (s. d.), kommen vor bei Bauten, deren Wände oder Decken mit Tapeten beklebt werden sollen; ferner aber auch bei der Ausschmückung von Fenstern, Thüren, Nischen u. s. w. mit Vorhängen sowie beim Beziehen und Polstern von Möbeln zur innern Einrichtung von Zimmern und Sälen. Die Berechnung der Kosten für Tapezieren von Wänden geschieht nach Stückzahl der Tapeten oder nach Quadratmetern der Fläche einschließlich Anlegen der Borten, einfarbigen Streifen, in den Ecken u. s. w. und einschließlich der Papierunterlage. Es sind dann hierfür die bei den Maurerarbeiten für den Putz berechneten Flächen hierher zu übernehmen. Ein Stück (Rolle) Tapete hat gewöhnlich 0,47 m Breite und 8,16 m Länge, also 3,84 qm. Wegen des Verschnittes rechnet man jedoch 3,5 qm für je ein Stück Tapete. Für Ausschmückungen der Fenster und Thüren mit Stoffen wird gewöhnlich ohne besondere Berechnung der Einzelheiten eine runde Summe eingesetzt. Es kosten:

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M.

1 qm Wände zu leimen, Bandstreifen und Makulatur zu legen, einschließlich Material 0,18

1 qm Decken desgl. 0,21

1 Rolle Wände zu leimen, Bandstreifen zu legen und mit gewöhnlicher Tapete zu bekleben 0,50-0,60

1 Rolle Decken desgl. 0,75-1,00

1 Rolle gewöhnliche Tapete auf Makulatur zu kleben 0,50-0,60

1 Rolle feine Tapeten mit Pressung, sowie Goldtapete auf Makulatur zu kleben 0,60-1,00

1 Rolle plüschleder- oder seidenvelourartige Tapeten gestoßen auf Makulatur zu kleben 2,50-5,00

1 qm Paneel einfach 0,30-0,40

1 qm Paneel gemustert, oder mit Füllungen, Pilaster u. s. w., Sockel, auf Makulatur 1,50-3,00

1 qm weißes Maschinenpapier auf Makulatur zu kleben, ausschließlich Maschinenpapier 0,15

1 m Borte anzukleben, sowie Unieinfassung je 0,05-0,15

1 qm Leinwand oder Nessel auf Wände, Tapetenthüren zu spannen, einschließlich Näharbeit und Leinwand u. s. w. 1,00-1,50

1 qm bedruckte oder gewebte Stoffe auf Wände zu spannen, einschließlich Näharbeit 1,50-2,50

1 qm Decke mit Brot abzureiben, einschließlich Brot 0,15-0,20

1 qm Wand wie vorher 0,10-0,15

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Tapezierbienen oder Blattschneider (Megachile Ltr.), eine Gattung der einsam lebenden Sammelbienen, deren Weibchen aus kunstvoll aufgebissenen Blattstückchen fingerhutförmige Zellen bauen, die sie zu mehrern in Baum- oder Erdlöchern, Mauerritzen u. s. w. aneinanderreihen. Zum Einsammeln des Blütenstaubes benutzen sie eine Haarbürste an der Unterseite des Hinterleibes.

Tapezierborten, s. Bortenweberei.

Tapezierer, zunächst ein Handwerker, der das Aufziehen der Tapeten auf die Wände besorgt; im gewöhnlichen und erweiterten Sinn ein solcher, welcher auch das Polstern der Möbel, die Herstellung von Matratzen u. s. w. übernimmt. (S. auch Sattler und Tapezierarbeiten.) - Vgl. Prignot, Vorlagen für T. und Dekorateure (Berl. 1886); Kolb und Seubert, Der Dekorateur, Mustersammlung für T. (Stuttg. 1886-88); Kick, Der T. (Ravensb. 1887-89); Bergerhoff, Der praktische T. und Dekorateur (3. Aufl., Weim. 1889); Reuter, Die Schule des T. (3. Aufl., ebd. 1893).

Tapeziernägel, s. Nägel.

Tapezierspinnen (Cteniza Latr.), eine aus etwa 60 Arten bestehende, zu den Erdwebern (s. d.) gehörige Spinnengattung. Sie graben sich sehr lange Erdröhren, kleiden sie mit ihrem Gespinst aus und versehen sie mit einem genau schließenden, fallthürartigen Deckel. Sie bewohnen wärmere Länder, mehrere Arten auch Südeuropa; so lebt die einfarbig braune, etwa 20 mm lange Ctenzia Sauvagei Rossi (s. Tafel: Spinnentiere und Tausendfüßer I, Fig. 1) in Corsica.

Tapferkeitsmedaillen, militär. Ehrenzeichen, die an Unteroffiziere und Mannschaften für Auszeichnung vor dem Feinde verliehen werden. Zu den T. gehören das preuß. Militärehrenzeichen (s. d.) in zwei Klassen, das (goldene) Militärverdienstkreuz, das mecklenb. Militärverdienstkreuz (s. d.), der sächs. Heinrichsorden (s. d.), württemb. Militärverdienstorden, der bad. Karl-Friedrichs-Verdienstorden, die österr. Tapferkeitsmedaille, die ital. Militärmedaille, der bulgar. Militärverdienstorden (s. d.), die franz. Medailie militaire. Diese T., mit deren Besitz in der Regel eine Pension verbunden ist, werden wie Orden auf der Brust oder im Knopfloch getragen.

Tapiau, Stadt im Kreis Wehlau des preuß. Reg.-Bez. Königsberg, rechts am Pregel, von dem hier nach N. die Deime zum Kurischen Haff abzweigt, an der Linie Berlin-Kreutz-Königsberg-Eydtkuhnen der Preuß. Staatsbahnen, Dampferstation und Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Königsberg), hat (1895) 4061 E., darunter 81 Katholiken und 53 Israeliten, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Warendepot der Reichsbank, Gärtnerlehranstalt mit Obstweinfabrik, Provinzial-Besserungs- und Landarmenanstalt, seit 1792 in dem 1351 erbauten Schloß des Deutschen Ordens, in welchem 1568 Albrecht von Brandenburg starb; Biskuit- und Zuckerfabrik, Dampfschneide- und Mahlmühlen, Brauereien, Schiffahrt, Handel mit Holz, Steinen, Getreide, Butter und Käse. In der Besserungsanstalt werden Decken, grobes Tuch (Want), Baumwollzeug (Nessel), Strohmatten und Fischernetze angefertigt.