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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tardigraden; Tardoniten; Tarent; Tarentaise; Târgoviştea; Targowiza

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Tardigraden - Targowiza

"Voyage de découvertes aux terres australes" (Par. 1807-10; 2. Aufl., 4 Bde., 1824-25) u. s. w.

Sein Sohn, Ambroise T., geb. 2. März 1788 zu Paris, gest. 17. Jan. 1841, widmete sich dem Kartenstich, entwickelte aber auch gleiches Talent im Stechen von Bildnissen und Architekturstücken. Er gab auch mehrere von ihm selbst redigierte größere Kupferwerke heraus, wie den "Atlas de géographie ancienne" (1818), die "Iconographie universelle ancienne et moderne" (1820-28) und den "Atlas universel de géographie ancienne et mederne" (1829). Sodann stach er die Pläne und Porträte zu dem Prachtwerke der "Victories, conquêtes, désasters des Français de 1792 à 1815" (27 Bde., Par. 1816-21) und die 36 Platten der "Colonne de la Grande Armée" (ebd. 1837).

Tardigraden (Tardigrăda) nannte Illiger die Familie der Faultiere (s. d.), Doyère die Ordnung der Bärtierchen (s. d.).

Tardoniten, Mönchsorden, s. Basilius (der Heilige).

Tarent (ital. Táranto; lat. Tarentum; grch. Taras), Hauptstadt des Kreises T. (152 941 E.) der ital. Provinz Lecce in Apulien, an der Nordecke des Golfs von T., auf einer einem Binnensee (Mare Piccolo oder Kleines Meer) vorgelagerten, durch zwei Brücken (im NW. und SO.) mit dem Festlande verbundenen Felseninsel, am Mare Grande, dem im SO. vom Kap San Vito (mit Leuchtturm) begrenzten und westlich von den Inseln San Paolo und San Pietro (mit Leuchtturm) geschützten Meeresteil, und an den Linien Potenza-Brindisi des Mittelmeernetzes sowie Bari-T. (115 km) des Adriatischen Netzes, reicht mit der Bahnhofsvorstadt im NW., bei Porta di Napoli, und der Neustadt im SO., bei Porta di Lecce, beiderseits auf das Festland, ist sehr eng gebaut, Sitz eines Erzbischofs, eines deutschen Vicekonsuls und hat (1881) 25 246, als Gemeinde 33 942 E., in Garnison ein Bataillon des 81. Infanterieregiments und die 3. Küstenartilleriebrigade, eine im 11. Jahrh. gegründete, aber modernisierte Kathedrale San Cataldo, am Südende der Insel ein Kastell, eine von Norden kommende, 15 km lange Wasserleitung (il Triglio), geringe antike Reste und in der Neustadt, wo hauptsächlich die antike Stadt stand, ein Museum von Altertümern (im Kloster San Pasquale). T. hat einen Kriegs- und Handelshafen mit großartigen Marinebauten, Arsenal, 200 m langen und 40 m breiten Docks und bei Porta di Lecce einen 90 m breiten, für die größten Schiffe genügend tiefen Kanal zum Mare Piccolo, ferner Lyceum, Navigationsschule, zwei Hospitäler, Salinen, Weberei, besonders aber Fischerei und Zucht von Austern und andern Muscheln (Cozze, die besten Coccioli) im Mare Piccolo sowie lebhaften Handel mit Olivenöl, Weizen, Hafer und den seit dem Altertum berühmten Feigen, Wein, Obst und Honig. Die Befestigungen bestanden bis 1895 aus Batterien auf Kap San Vito und Rondinella, auf San Pietro und San Paolo. Seitdem sind deren zwei in l'Olmo, je eine in Chianca und im Kastell San Angelo und drei Deiche zur Einengung der Fahrwasser erbaut worden, um in T. einen gut gesicherten Kriegshafen zu erhalten.

T. war eine der bedeutendsten altgriech. Kolonien in Unteritalien. Sie wurde an Stelle einer von Japygern bewohnten Ortschaft durch lakedämonische Auswanderer, die sog. Parthenier, unter Führung des Phalanthos 705 v. Chr. gegründet und gelangte bald zu hoher Blüte und großem Reichtum, ja zu einer Art von beherrschender Stellung unter den griech. Städten Italiens. Wollfärberei und Wollweberei, Töpferei (Vasen, Terrakotten) bildeten die Hauptindustrie. Daneben wurden Handel, Fischfang, Wein-, Obst- und Ackerbau getrieben. Noch in der Mitte des 4. Jahrh. v. Chr. stand T. unter seinem Strategen, dem Pythagoräer Archytas, in ungeschwächter Kraft; freilich begannen bald Luxus und Üppigkeit einzureißen, und nur mühsam erwehrte sich die Stadt mit Hilfe griech. Söldnerführer der Angriffe der Lucaner und anderer benachbarter Stämme. Dann wurde sie 282 v. Chr. in Krieg mit Rom verwickelt, der trotz der anfänglichen glänzenden Erfolge des von ihr zu Hilfe gerufenen Königs Pyrrhus von Epirus 272 mit der Eroberung der Stadt durch die Römer endete. Während des zweiten Punischen Krieges erhob sie sich gegen Rom und ergriff die Partei Hannibals (212 v. Chr.), wurde aber 209 wieder unterworfen; 123 v. Chr. wurde hier eine röm. Kolonie angelegt, die den Namen Colonia Neptunia erhielt, neben der aber das griech. Gemeinwesen fortbestand. T. blieb immer noch ein ansehnlicher Hafenplatz. Nach dem Sturz der Ostgotenherrschaft kam es an das Oströmische Reich, wurde um 675 vom langobard. Herzog Romuald von T. erobert, war 856-887 in den Händen der Sarazenen, denen es 871 Kaiser Ludwig II. vergeblich zu entreißen suchte, und gelangte 929 wieder in die Gewalt der Byzantiner. 1063 setzten sich die apulischen Normannen hier fest, unter denen T. nach dem Tode Robert Guiscards 1089 als Fürstentum an dessen Sohn Bohemund I. kam, der an dem ersten Kreuzzuge Anteil nahm. Mit dem Königreich beider Sicilien wurde T. 1861 dem Königreich Italien einverleibt. - Vgl. Doehle, Geschichte T.s bis auf seine Unterwerfung unter Rom (Straßb. 1877); de Vincentiis, Storia di Taranto (5 Bde., Neap. 1878 fg.); Gagliardo, Descrizione topografica di Taranto (Tarent 1886); Evans, The horsemen of Tarentum (im "Numismatic Chronicle", X, 1889); Geffken, Die Gründung von T. (in den "Jahrbüchern für Philologie", Bd. 147, Lpz. 1893).

Tarent, Herzog von, s. Macdonald, Etienne Jacques Joseph Alexandre.

Tarentaise (spr. -rangtähs'), der nördl. Teil des franz. Depart. Savoie, das obere Thal der Isère an der Grenze von Piemont, das Thal des Doron de Salins u. a. enthaltend, ein höchst malerisches Hochalpenland mit Weiden und Nadelwäldern, erst seit kurzem mit der Eisenbahn Samt Pierre d'Albigny nach Moutiers-Salins zugänglich, war früher eine Grafschaft und hat zur Hauptstadt Moûtiers (2489 E.).

Târgoviştea, Têrgovişte, Hauptstadt des Kreises Dimboviţa in Rumänien, an der Jalomiţa am Nordrande der walachischen Tiefebene gelegen, Station der Linie Titu-T. der Staatsbahnen, hat 8299 E., ein Gymnasium und ist Sitz der 4. Territorial-Militärdivision. Als strategischer Punkt hat T. ein Arsenal und auf dem nahen Berge Deal zwei Kasernen. T. war 1383-1716 zeitweise Residenz der Fürsten und hat bemerkenswerte Baureste, Kirchen- und Palastruinen, außerdem 30 Kirchen. In der Nähe die Klöster Deal und Viforita.

Targowiza, auch Targowitz, poln. Targowica, auch Torhowica, Flecken im Kreis Uman des russ. Gouvernements Kiew, an der Sinjucha, durch diese von dem Flecken Nowoarchangelsk (Gouvernement Cherson) getrennt, hat 2346 E., zur Hälfte Juden, eine russ. Kirche, und ist bekannt durch die