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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Taus; Tausch; Tauschaninseln; Tauschhandel; Tauschierarbeit; Tauschierung

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Taus - Tauschierung

dem es die Küstenländer Cilicien, Pamphylien und Lycien erfüllt und in der Küste Kariens sein Ende findet. Es bildet einen ununterbrochenen Höhenzug von Waldgebirgsketten, fällt gegen Süden in kurzen Absätzen oder steil, nur selten, wie in der Gegend von Tarsus und Adalia, schmalen Küstenebenen Raum gebend, zum Meere, nordwärts dagegen in sanften Gehängen zum innern Hochland ab und erreicht im östl. Cilicien die Gipfelhöhe von 3000 bis 3500 m, weiter westlich von 2000 bis 3000 m. Der höchste Gipfel, Metdesis, erreicht 3477 m, im Bulghar-Dagh die Schneegrenze im Norden 2925, im Süden 3250 m. Das Gebirge ist unwegsam und war von jeher der Sitz räuberischer Bergvölker. Der wichtigste Taurusübergang sind die Cilicischen Pässe (s. Cilicien). Östlich von dieser Passage durchbrechen zwei Flüsse den T., vom Norden kommend der Seihan (Sarus der Alten), der unterhalb Adana mündet, und weiterhin, von Nordosten her, der Dschihan (Pyramus). Weniger bedeutend sind die übrigen, der Tarsus-tschai (Kydnus) bei Tarsus, der Gök-su (Kalykadnus) bei Seleske u. a. m. Am nördl. Fuße liegen mehrere, meist salzige Seen. Der T. besteht in seinen Kernzügen aus alten paläozoischen Ablagerungen mit daran gelagertem Tertiär, im Westen aber nur aus letzterm.

Im Osten des erwähnten Hauptpasses zweigt sich ein mächtiger Seitenarm ab, welcher, von den Alten Antitaurus genannt, anfangs das obere Thal des Seihan einschließend, gegen Norden zieht, sich dem Kisil-Irmak (Halys), dann, gegen Nordosten gewendet, dem Euphrat nähert und die Wasserscheide zwischen beiden bildet. Die verschiedenen Gebirgsketten und Gruppen der Halbinsel sind nicht als Zweige des T. und Antitaurus anzusehen. Dagegen hat man den Namen T. auch auf die weitern östl. Fortsetzungen des eigentlichen T. übertragen, nämlich auf die von den Alten "Taurus" genannte armenische Gebirgskette, welche jenseit des Euphrat die Wasserscheide zwischen dessen südl. Quellarm und dem Tigris bildet.

Taus (richtiger Daus, verderbt aus dem franz. deux, zwei), das mit zwei Augen bezeichnete höchste Blatt der vier Farben der deutschen Spielkarte; es entspricht dem As der franz. Karte.

Taus. 1) Bezirkshauptmannschaft in Böhmen, hat 492,17 qkm und (1890) 46 461 (22 236 männl., 24 225 weibl.) meist czech. E. in 71 Gemeinden mit 122 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Neugedein und T. - 2) T., czech. Domažlice, königl. Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft sowie eines Bezirksgerichts (242,91 qkm, 25 292 meist czech. E.), an den Linien Iglau-T. (295 km) und Prag-Pilsen-Furth im Wald der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 7703 czech. E., Marienkirche, alte Allerheiligenkirche, Turm der frühern Jakobskirche, Augustinerkloster, alte Chodenburg (Grenzburg), jetzt Sitz der Behörden, neues Rathaus mit wertvollen Handschriften aus der Hussitenzeit, Museum, czech. Staats-Obergymnasium, Bürgerschule; bedeutende Bandfabrik, Strumpfwirkerei, Maschinenbauanstalt, Thonwaren- und Zündholzschachtelfabrikation, Zuckerraffinerie, Bautischlerei, Brauerei und Getreidehandel. Bei T. besiegten die Hussiten 14. Aug. 1431 ein deutsches Kreuzheer unter dem Kurfürsten Friedrich I. von Brandenburg.

Tausch, die Veräußerung einer Sache gegen eine andere Sache oder überhaupt eines Rechtsguts gegen ein anderes Rechtsgut. Der T. wird gültig abgeschlossen durch die Verabredung über den Austausch; die Übergabe der Sachen, Auflassung der Grundstücke, Abtretung der ausgetauschten Rechte u. s. w. ist die Erfüllung des T. Bei den Römern war der T. Realkontrakt, so daß aus der bloßen Verabredung auf Erfüllung nicht geklagt werden konnte. Rechtlich beurteilt wird der T. nach den Bestimmungen über den Kaufvertrag (Deutsches Bürgerl. Gesetzb. §. 515), so daß für jeden Kontrahenten der von ihm veräußerte Gegenstand als Ware, der erworbene als Preis gilt; besonders ist das maßgebend bei Entwährung (s. d.), doch hat nach Preuß. Allg. Landrecht, dem Schweizer Obligationenrecht und dem Code civil der Tauschnehmer die Wahl, ob er Entschädigung oder Rückgabe des von ihm vertauschten Gegenstands beanspruchen will.

Tausch, hinter lat. Pflanzennamen Bezeichnung für Ignaz Friedr. Tausch, geb. 1792 zu Taussing in Böhmen, gest. 1848 als Professor der Botanik zu Prag; er beschrieb die seltenen Pflanzen des Canalschen Gartens und gab eine Flora von Böhmen heraus.

Tauschaninseln (d. h. Kanincheninseln), zum türk. Wilajet Konstantinopel gehörige Inselgruppe zwischen Imbros und Tenedos, nahe dem südl. Eingänge der Dardanellen.

Tauschhandel, s. Baratthandel und Handel.

Tauschierarbeit, s. Tauschierung.

Tauschierung, eine Arbeit der Metalltechnik, durch die auf Gegenständen aus Eisen oder Bronze lineare Zeichnungen aus Gold- und Silberdrähten gebildet werden. Die Befestigung dieser Drähte auf dem Arbeitsstück erfolgt auf zweierlei Art. Nach der einen Methode wird die Oberfläche des Arbeitsstückes, z. B. die flache Seite der Klinge eines Säbels, durch kreuzweise gelegte Feilenhiebe aufgerauht, hierauf mit den der darzustellenden Figur entsprechend gebogenen Metalldrähten belegt und diese durch Überhämmern auf der Fläche befestigt, wobei die durch das Aufrauhen gebildeten scharfen Zähnchen in den weichen Draht eindringen und ihn festklammern. Nach der andern üblichern Methode wird die darzustellende Zeichnung mit Hilfe des Grabstichels in die Oberfläche des Arbeitsstückes derart graviert, daß die gebildete Schnittrinne nach unten erweitert ist. In diese Rinne wird der Zierdraht von passender Dicke eingelegt, durch Hammerschläge die Rinne gefüllt und der Draht befestigt. Das europäische christl. Mittelalter übte sie nicht, sondern pflegte statt dessen das Email (s. d.). In der Zeit der Türkenkriege kam jedoch mit der Liebhaberei für orient. Waffen die Technik auch in die Werkstätten der span., deutschen und ital. Waffenfabrikanten. Goldtauschierung im Maureskenstil findet sich daher häufig auf europ. Degen, Dolchen und Rüstungsstücken des 16. Jahrh. Auch kunstvolle eiserne Kasten und Kästchen und anderes Gerät von europ. Fabrikation findet sich aus jener Zeit mit Tauschierarbeit geschmückt. Mit dem 17. Jahrh. verschwand die Technik wieder aus der europ. Kunst, blühte aber bei allen orient. Völkern fort, von Bosnien angefangen bis nach Japan und Indien. Die Japaner verstehen es, sehr zierlich Silber- und Goldfäden in ihre Bronzegeräte einzulegen sowie in einen leicht aufgehauenen Grund Reliefplatten in Edelmetall zu befestigen; sie brachten somit die T. auf die höchste Stufe der Vollendung. (S. Tafel: Japanische Kunst II, Fig. 1.) Ihren Werken nahe stehen die der ind. Goldschmiede, die Schalen, Geräte, Waffen mit dem dichtesten