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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tauschwert - Tausendundeine Nacht

Arabeskenspiel zu dem Effekt eines ganz goldigen Scheins überziehen. In Nachahmung wird auch wohl das Gold mit feinem Pinsel nach der Zeichnung aufgetragen und dann eingebrannt. Die alte echte Technik ist aber für Europa durch Zuluaga in Madrid wieder erweckt und berühmt geworden. Eine andere verwandte Technik ist die Einlage von Gold- und Silberfäden in Holz; auch sie ist alt und findet sich schon im 17. Jahrh. auf Gewehr- und Pistolenkolben.

Tauschwert, s. Wert.

Tauschwirtschaft oder Verkehrswirtschaft, im Gegensatz zu der frühern Naturalwirtschaft (s. d.) wie zu der kommunistischen Idealorganisation der Gesellschaft die gegenwärtig in der Kulturwelt vorherrschende wirtschaftliche Ordnung, nach welcher die Einzelwirtschaften vorzugsweise nicht solche Güter produzieren, die sie selbst brauchen, sondern solche, gegen welche sie unter Vermittelung des Geldes ihre eigentlichen Bedarfsgegenstände eintauschen können. (S. auch Geldwirtschaft.) Allerdings ist mit diesem System der Mißstand verbunden, daß der einzelne Produzent häufig nicht im stande ist, die Marktverhältnisse richtig zu beurteilen, und daher sein Angebot weiter ausdehnt, als Nachfrage vorhanden ist. So können Überproduktion (s. d.) und Handelskrisen (s. d.) eintreten. (S. auch Absatz.)

Tausendfüßer (Myriopoda), eine artenarme Klasse der Gliedertiere. Der langgestreckte Körper besteht aus dem Kopf, der ein Paar Fühler und 2 bis 3 Paar Kiefer trägt, und einer größern Anzahl von im ganzen gleichgebildeten Leibesringen, von denen jeder ein oder zwei Paar Beine trägt. Die Anzahl der Beinpaare schwankt von 9 bis weit über 100. In ihrem innern Bau schließen sich die T. eng an die Insekten an, namentlich bestehen die Atmungsorgane wie bei diesen aus feinen, meist verzweigten Röhren (Tracheen, s. d.). Die T. sind lichtscheu, sie verbergen sich am Tage an feuchten Orten. Ihre Nahrung besteht teils aus tierischen, teils aus pflanzlichen Stoffen. Die Fortpflanzung geschieht fast ausnahmslos durch Eier. Die T. sind über die ganze Erde verbreitet, am zahlreichsten aber in den wärmern Ländern entwickelt. Man teilt sie in die Ordnungen: I. der Skolopendren (s. d., Chilopoda), hierher die Lucassche Bandassel (Scolopendra Lucasi Blanch., s. Tafel: Spinnentiere und Tausendfüßer II, Fig. 10), die Schildassel (Scutigera coleoptrata L., Fig. 11), der Steinkriecher (Lithobius forficatus L., Fig. 12); II. Schnurasseln (s. d., Diplopoda) mit der gerandeten Schalenassel (Glomeris marginata Leach, Fig. 13), dem Sandvielfuß (Julus sabulosus L., s. Taf. I, Fig. 9) und III. der Klauenträger (s. d., Onychophora) mit dem kapischen Klauenträger (Peripatus capensis Grube, s. Taf. II, Fig. 14). - Vgl. Latzel, Die Myriopoden der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (2 Bde., Wien 1880 u. 1884); Graf Attems, Myriopoden (Frankf. a. M. 1897).

Tausendgüldenkraut (Erythraea Rich.), Pflanzengattung aus der Familie der Gentianaceen (s. d.) mit etwa 30, besonders in der nördl. gemäßigten Zone weit verbreiteten Arten, krautartige Gewächse mit gegenständigen Blättern und rispig oder doldentraubig angeordneten Blüten. Die Frucht ist eine zweifächerige, mehrsamige Kapsel, die Staubbeutel drehen sich nach dem Aufspringen schraubenförmig zusammen. Das gemeine T., Kieberkraut, Erdgalle Erythrea centaurium L., s. Tafel: Contorten, Fig. 4), hat einen vierkantigen, 15-30 cm hohen, astlosen Stengel mit länglichen Blättern und endständigen Doldentrauben von rosenroten Blüten. Es wächst truppweise auf Triften und bebuschten Hügeln, blüht im Spätsommer, enthält einen bittern Extraktivstoff und ist, zur Blütezeit gesammelt, als Herba Centaurii offizinell. Es dient gegen Magenleiden und zur Bereitung bitterer Branntweine.

Tausendjähriges Reich, s. Chiliasmus.

Tausendschön, Pflanzenart, s. Bellis und Polygala.

Tausendundeine Nacht (arab. Alif laila walaila, Tausend Nächte und eine Nacht), Titel einer der berühmtesten und populärsten, in arab. Sprache abgefaßten Sammlungen von Erzählungen und Märchen, die aus verschiedenen Ländern und Jahrhunderten stammen, aber durch ihre Einfügung in eine Rahmenerzählung zu einem zusammengehörenden Ganzen gestaltet sind. Obwohl nur zum Teil auf mohammed. Boden erwachsen, bieten die Erzählungen ein vielseitiges Gemälde des mohammed. Volkslebens in seinen mannigfachen Beziehungen; namentlich ist es das Leben in den Hauptstädten Bagdad (mit seinem hochsinnigen Chalifen Hârûn [s. d.] al-Raschid) und Kairo, das uns vorgeführt wird. Man erhält dabei ein farbenreiches Bild der volkstümlichen mohammed. Weltauffassung.

Der Rahmen dieser Erzählungen ist folgender. Der König von Indien, der von seiner Gemahlin betrogen ist und an der Treue der Frauen verzweifelt, befiehlt seinem Wesir, ihm jeden Tag ein anderes Mädchen seines Reichs zuzuführen und jede derselben am darauffolgenden Tage hinrichten zulassen. Längere Zeit wird dieser Befehl vollführt, da entschließt sich die Tochter des Wesirs, Schehersad (Schehrezade, Scheherezade), das Land von dem furchtbaren Unglück zu befreien und den König von seinem unheilvollen Wahn zu heilen, und bittet ihren Vater, sie dem König zuzuführen. Der lange widerstrebende Wesir giebt endlich den Bitten seiner Tochter nach, und diese weiß den König durch ihre Erzählungsgabe tausendundeine Nacht lang so zu fesseln, daß er, immer auf den Schluß einer angefangenen, aber durch den Anbruch des Morgens unterbrochenen, oder auf eine weitere, ihm als ganz besonders interessant angekündigte Erzählung begierig, sie zu töten unterläßt und von seinem Frauenhaß geheilt wird. Die Erzählungen der Wesirstochter bilden den Inhalt der T. N. Die pers., ihrem Inhalt nach mit ind. Erzählungen zusammenhängende Märchensammlung "Hezâr efsâne" (d. i. tausend Erzählungen) ist der Grundstock der T. N., welcher bereits im 10. Jahrh. in arab. Übersetzung verbreitet war und den Gegenstand allmählicher Erweiterung durch andere alte pers. Geschichten bildete. In dieser Bearbeitung erhielten die Erzählungen mohammed. Gepräge und die Farbe der Blütezeit der abbasidischen Regierung in Bagdad. Gewerbsmäßige Märchenerzähler erweiterten durch Einschachtelung neuer Erzählungen und Episoden im Lauf der Jahrhunderte den aus dem 10. Jahrh. überkommenen Erzählungsstoff, bis endlich das Material für T. N. zusammengetragen wurde, dessen Inhalt und Anordnung aber hinsichtlich der neu hinzugekommenen Partien in den verschiedenen Recensionen voneinander wesentlich abweicht. Frühestens in der zweiten Hälfte des 15. Jahrh. erhielt die Sammlung und zwar in Ägypten die allgemeine Gestaltung, in wel-^[folgende Seite]