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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tehl - Teichmüller

dynastie, liegt in 1161 m Hohe in einer 150 km langen, 70 km breiten Hochebene, die, früher Steppe, durch Anlage von Bewässerungskanälen in eine blühende Landschaft verwandelt worden ist, an den südl. Ausläufern des schneebedeckten Elburs (s. d.) mit dem Vulkan Demawend (5900 m), hat einen Umfang von 30 km und 170-200 000 fast ausschließlich schulische E., je nach der Jahreszeit, da im Sommer viele mit dem Schah die Dörfer im Gebirge aufsuchen. Ein ausgetrockneter Graben und Erdwälle umgeben die Stadt, zu der sechs mit bunten Fliesen verzierte Thore führen. Den Mittelpunkt bilden die Bazare; die Straßen sind jetzt für Wagenverkehr eingerichtet und mit Gas versehen. Die Armen wohnen in Lehmhütten, zahlreich sind die Bauten der Großen und Würdenträger, die sich durch schöne innere Dekorierung, prachtvolle Gärten, Bassins und Ventilationstürme auszeichnen. Vor allem ragt das Residenzschloß hervor mit seinen Gartenanlagen, Bädern, Kiosken und Prunksälen, besonders in dem zum Harem bestimmten Teil. T. hat außer den Koranschulen ein Kollegium, in welchem europ. und pers. Professoren lehren und die Schüler nebst voller Verpflegung auch Stipendien vom Schah erhalten, ferner zahlreiche Moscheen, eine armenische Kirche, eine kath. Missionsschule und eine Synagoge. Die Bevölkerung besteht meist aus Beamten, Hofbediensteten und Handwerkern. Die europ. Kolonie, die Gesandtschaften mit inbegriffen, zählt an 200 Köpfe. Die sanitären Verhältnisse, früher sehr schlecht, haben sich erheblich gebessert. Zahlreich sind die benachbarten Lust- und Jagdschlösser des Schah und der Prinzen im Elburs; unter diesen zeichnet sich das etwa 20 km entfernte, aus sieben Terrassen bestehende Schloß Kasr-i-Kadschar besonders aus. Eine Schmalspurbahn führt nach Schah Abd ul-Asim, einem Wallfahrtsort, in einer grünen Oase auf den Trümmern des alten Rhages, welches, einst Residenz mohammed. Fürsten, im Anfange des 13. Jahrh. von Dschingis Chan zerstört wurde. In der hier befindlichen Moschee werden die Mitglieder der königl. Familie neben den Gebeinen mehrerer Abkömmlinge des Propheten beigesetzt. Die Industrie ist nicht bedeutend, wichtig aber der Karawanenhandel nach Rescht, Hamadan, Meschhed, Kaschan und Ispahan. Es besteht eine kaiserl. Bank.

Tehl, Tael, Geldgröße und Gewicht in Siam und China, s. Bat und Tael.

Tehua, s. Pueblo-Indianer.

Tehuautepec, Isthmus von, Einschnürung des Landes in Mexiko zwischen dem Busen von Coatzacoalcos (Golf von Campeche) und dem Golf von T., einer flachen Bucht des Stillen Oceans, 210 km breit, zugleich eine Senke (bis zu 203 m) zwischen den Hochländern von Mexiko und Guatemala, die zu Projekten einer Verbindung zwischen beiden Oceanen Veranlassung gegeben hat. Auf einen Kanalbau gingen schon die Vorschläge von Cortez 1521 und Gomara, sowie die auf Veranlassung des Kardinals Alberoni und später unternommenen Untersuchungen des Isthmus. Der Mexikaner Don José Garay erhielt 1812 das Privilegium für diesen Kanalbau, das er einer engl. Gesellschaft überließ, welche ihrerseits wiederum drei Nachfolger, zuletzt die Tehuantepec-Eisenbahngesellschaft hatte, die sämtlich aus Mangel an Mitteln und Vertrauen in die Verwaltung des Landes die Arbeiten einstellten. Auch verhinderten Eifersucht zwischen England und Nordamerika den Bau, bis 1852 zwischen beiden ein neuer Vertrag für die Dauer von 50 Jahren zum Abschluß kam, wonach beide Schutz und Sicherstellung des Unternehmens gewährten. Die Vereinigten Staaten sandten 1870 eine Expedition nach T., deren Bericht dahin ging, daß der Bau eines Kanals keinen außerordentlichen Schwierigkeiten begegnen würde. Gegenüber dem Panamakanal (s. d.) und dem Nicaraguakanal (s. d.) trat das Projekt jedoch in den Hintergrund. Der Plan, eine Schiffseisenbahn zu bauen, ist mit dem Tode von Eads (s. d.) wieder verschwunden; dagegen ist die Isthmusbahn (s. Tehuantepec-Eisenbahn) jetzt fertig gestellt. - Der Ort T. im mexik. Staate Oaxaca, 22 km von dem Bahnendpunkt Salina Cruz, hat etwa 8000 E., meist Farbige. T. ist Sitz eines deutschen Konsularagenten. - Vgl. Shufeldt, T. Explorations and surveys (mit Karten, Washington 1873).

Tehuantepec-Eisenbahn, die die Landenge von Tehuantepec (s. d.) durchschneidende Eisenbahn, welche die Hafenorte Coatzocoalcos am Busen von Mexiko und Salina Cruz am Stillen Ocean verbindet (318 km, 1895 vollständig eröffnet). Die T., auch interoceanische Nationalbahn von Tehuantepec genannt, war über 16 Jahre im Bau; die Kosten betrugen an 80 Mill. M. (S. auch Schiffseisenbahnen.)

Teich, s. Teichwirtschaft.

Teichel, Stadt im Landratsamt Rudolstadt des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt (Oberherrschaft), hat (1895) 495 E., Postagentur, Telegraph, evang. Kirche, Vorschußverein.

Teichfischerei, der Fischereibetrieb in der Teichwirtschaft (s. d.).

Teichfrosch, Wasserfrosch, grüner Frosch (Rana esculenta L., Rana viridis Rösel, s. Tafel: Frösche und Kröten I, Fig. 9, Bd. 7), ein in ganz Europa heimischer, in alten Exemplaren 12 cm und noch längerer Frosch, von vorwiegend grüner Färbung, die allerdings nach Witterung, Aufenthalt, Gemütsstimmung nicht unbeträchtlich wechselt, jedoch fast immer einen hellen Längsstreifen in der Mitte des Rückens erkennen läßt. Der Kopf bildet ungefähr ein gleichseitiges Dreieck; die einander sehr genäherten Augen treten weit hervor. Der T. ist ein ziemlich intelligentes, sehr scheues und gefräßiges Tier, das alles verschlingt, was es bewältigen kann, und sogar die eigene Brut nicht schont. Die Laichzeit fällt in den Juni, währenddessen werden die Tiere oft sehr laut; auch nach der Laichzeit entfernt sich der T. niemals weit vom Wasser. Die Keulen geben ein besonders in Frankreich, jetzt auch in Deutschland beliebtes Gericht.

Teichhuhn, soviel wie Wasserhuhn (s. d.).

Teichhühnchen (Gallinula chloropus Lath.), ein 31 cm langer, zu den Rallen gehöriger Sumpfvogel, der oben graubraun, unten, und an den Seiten grau ist, einen roten Stirnfortsatz des Schnabels, grüne Beine und Hautsäume um die Zehen hat. Das T. bewohnt in mehrern Lokalrassen fast die ganze Erde und ist auch in Deutschland, kein seltener Zugvogel, der im April erscheint und im Oktober wegzieht.

Teichkolben, Pflanzengattung, s. Typha.

Teichlinse, Pflanze, s. Lemna.

Teichmanns Blutprobe, s. Blutflecke.

Teichmüller, Gustav, Philosoph, geb. 19. Nov. 1832 zu Braunschweig, studierte 1851-55 in Tübingen und Berlin Philosophie. 1856-58 war er Erzieher im Hause des Freiherrn von Werther in Petersburg und darauf Lehrer am dortigen Gymnasium der St. Annenkirche. 1860 habilitierte er sich in Göttingen und wurde 1867 zum außerord.