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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Telegraphenamt; Telegraphenbeamte; Telegraphenbetriebsweisen

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Telegraphenamt - Telegraphenbetriebsweisen

Telegramm manchmal dem Auge allein, manchmal dem Ohr allem, manchmal beiden zugleich wahrnehmbar gemacht werden; die Benutzung anderer Sinne hat in der Telegraphie keinen bleibenden Eingang gefunden. Man unterscheidet formgetreue und sinngetreue Nachbildung des Originals. Bei formgetreuer Nachbildung werden gesprochene Worte als solche wiedergegeben, wie beim Telephon; Schriftstücke oder Zeichnungen werden als Nachbildungen aller einzelnen Züge wiedergegeben, wie beim Pantelegraph und beim Telautograph. Die sinngetreue Nachbildung giebt eine Nachricht entweder mittels der gewöhnlichen Buchstaben und Ziffern wieder, wie bei den Typendrucktelegraphen, oder sie benutzt vereinbarte Schriftzeichen (z. B. das Morsealphabet). Sollen die Zeichen bleibend sein, so kann die Wiedergabe im Schreiben oder im Drucken bestehen; vergängliche Zeichen sind entweder für das Auge oder für das Ohr bestimmt. Über die hiernach sich ergebenden Klassen von T. s. Elektrische Telegraphen.

Die sichtbaren und hörbaren Zeichen (s. auch Sensophon), durch welche das am Empfangsort ankommende Telegramm dem Auge, dem Ohr oder beiden zugleich wahrnehmbar gemacht werden soll, lassen sich auf verschiedene Weise vom Aufgabeorte aus hervorbringen. Man kann die dem Auge und dem Ohr zuzuführenden tönenden und sichtbaren Schwingungen vom Absendungsort selbst ausgehen lassen und am Empfangsort dem Auge und Ohr unmittelbar zuführen; dies geschieht bei Benutzung der Optischen Telegraphen (s. d.) und der Akustischen Telegraphen (s. d.); man könnte aber auch, wie z. B. beim Photophon (s. d.), die am Empfangsort ankommenden Schwingungen erst durch ein Zwischenmittel auf die Sinne wirken lassen. Man kann sich aber auch irgend eines Zwischenmittels bedienen, um vom Absendungsort aus mittelbar erst am Empfangsort sichtbare oder hörbare Zeichen hervorzurufen. Sieht man im letztern Fall von der Benutzung starrer Körper (z. B. von gewöhnlichen Klingelzügen) ab, weil ihre Anwendung sehr beschränkt ist, so bleiben als benutzbare Zwischenmittel noch die atmosphärische Luft, das Wasser und die Elektricität übrig, wodurch sich die Pneumatischen Telegraphen (s. d.), die Hydraulischen Telegraphen (s. d.) und die Elektrischen Telegraphen (s. d.) ergeben. Über den physiologischen T. s. Sensophon.

Telegraphenamt, s. Telegraphie.

Telegraphenbeamte, s. Post- und Telegraphenbeamte.

Telegraphenbetriebsweisen, die verschiedenen Arten, in welchen bei Elektrischen Telegraphen (s. d.) der Betrieb abgewickelt und die Elektricitätsquelle benutzt wird. So lange bei einem elektrischen Telegraphen auf derselben Telegraphenleitung (s. d.) nur ein einziges Telegramm auf einmal befördert wird, handelt es sich um einfache Telegraphie, bei der Mehrfachen Telegraphie (s. d.) dagegen werden mehrere Telegramme zugleich auf derselben Leitung befördert. Bezüglich der Hervorbringung der Stromzustandsänderungen im gebenden Amt unterscheidet man Handtelegraphie und Automatische Telegraphie (s. d.); bei ersterer werden jene Änderungen von der Hand des Telegraphisten erzeugt, bei letzterer durch mechanische Mittel, z. B. durch einen vorher in besonderer Weise gelochten Papierstreifen. Die genannten Änderungen können sich erstrecken auf die Stärke und Richtung des Stroms allein, oder auf beide zugleich;

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ferner könnten auch Ströme verschiedenartigen Ursprungs nebeneinander benutzt werden. Je nach der Art, wie die Stromänderungen hervorgebracht werden, unterscheidet man folgende T.:

1) Ist die Leitung im Ruhezustand stromerfüllt, so kann man zunächst durch Änderung der Stromstärke telegraphieren. Schwächt man den Strom stets bis zum völligen Verschwinden, so arbeitet man mit Ruhestrom, und zwar mit gewöhnlichem Ruhestrom, wenn die Zeichen durch Unterbrechung des Stroms hervorgebracht, also z. B. bei Schreibtelegraphen geschrieben werden, mit amerikanischem Ruhestrom, wenn sie durch Schließung des vor Beginn der Korrespondenz unterbrochenen Stroms geschrieben werden. Geht man in der Schwächung des Stroms nicht so weit, oder verstärkt man ihn, so telegraphiert man mit Differenzstrom. Ändert man beim Telegraphieren die Stromrichtung in regelmäßiger Folge und benutzt man für jedes Elementarzeichen ein Strompaar, das zwei Ströme verschiedener Richtung enthält, so arbeitet man mit dauernden Wechselströmen, und zwar ist hierbei die Leitung zu keiner Zeit stromfrei, beim Aufhören des Stroms der einen Richtung beginnt sofort der Strom der andern Richtung; man telegraphiert also hier durch Umkehrung der Stromrichtung.

2) Ist die Leitung im Ruhezustand deshalb stromlos, weil keine Stromquelle in ihr liegt, so telegraphiert man durch Einfügung der Stromquelle in die Leitung. Man entsendet einen Strom in die Leitung und macht darauf die Leitung wieder stromlos. Diese Betriebsweise wird Arbeitsstrombetrieb genannt; man braucht dabei für jedes im Empfänger hervorzubringende Elementarzeichen nur eine einzige Stromsendung und überträgt im Empfänger die Wiederherstellung des Ruhezustandes einer Gegenkraft; durch Arbeitsströme von zweierlei Richtung lassen sich verschiedene Elementarzeichen geben, ebenso durch Arbeitsströme von verschiedener Dauer; Arbeitsströme von gleicher Richtung und verschiedener Stärke hat man nur selten zum Telegraphieren benutzt. Wenn man beim Übergange von jedem Elementarzeichen zum nächsten zugleich die Richtung des Telegraphierstroms ändert, so nähert man sich vom Arbeitsstrombetrieb dem Betrieb mit flüchtigen Wechselströmen (s. auch Gegenstrom unter 3), bei dem die Leitung abwechselnd stromerfüllt und stromlos ist, die Stromrichtung aber bei den aufeinander folgenden Stromgebungen ganz regelmäßig abwechselt und zu jedem Elementarzeichen ein Strompaar verbraucht wird, das zwei Ströme von verschiedener Richtung enthält.

3) Ist die Leitung im Ruhezustand dadurch stromlos gemacht, daß in sie zwei gleichstarke, einander entgegengesetzt wirkende Stromquellen eingeschaltet sind, so ist sie zum Betrieb mit Gegenström bereit. Beim Telegraphieren kann man dann die eine dieser Stromquellen dadurch in Thätigkeit versetzen, daß man die andere ganz oder teilweise unthätig macht oder dadurch, daß man die Richtung des von ihr gelieferten Stroms umkehrt; man kann aber auch beide Stromquellen in zwei verschiedenen Teilen der Leitung wirksam machen.

Man unterscheidet die T. auch nach den zur Verwendung kommenden Apparaten (Morsebetrieb, Hughesbetrieb, Klopferbetrieb u. a.) und nach den verwendeten Elektricitätsquellen (Batteriebetrieb, Sammler- oder Accumulatorenbetrieb, Dynamobetrieb).