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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Telegraphenmarken; Telegraphenordnung; Telegraphenschaltungen

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Telegraphenmarken - Telegraphenschaltungen

fernung von der irischen Küste; im Sommer 1858 wurde eine neue T. versenkt, welche sich jedoch nicht brauchbar zeigte. Trotz dieser schweren Verluste wurde der Plan zu einem fernern Versuch beharrlich verfolgt, und schon zu Anfang des J. 1864 konnte ein neues Kabel von 3200 engl. Meilen (5100 km) Länge bestellt werden, dessen Legung im Juli 1865 begann. Als bereits 1213 engl. Meilen versenkt waren, riß das Kabel; erst 1866 vermochte man es aus einer Tiefe von 7700 Fuß (2350 m) wieder aufzufischen und zu ergänzen, nachdem vorher (7. Juli 1866) schon ein anderes Kabel mit glücklichem Erfolg gelegt worden war; beide blieben viele Jahre dienstfähig. 1869 wurde das franz.-atlantische Kabel zwischen Brest und der Insel St. Pierre im St. Lorenzbusen versenkt; dasselbe hat (die anschließenden kleinern Kabel eingerechnet) eine Länge von 3561 Knoten (von denen vier auf eine deutsche Meile geben), wurde vom 14. Sept. 1868 bis 3. Juni 1869 auf den Guttaperchawerken der Telegraph Construction and Maintenance Company verfertigt und kostete 584496 Pfd. St. (1 Meile 664 Pfd.); die Gesamtkosten beliefen sich auf 920000 Pfd. St. 1873 und 1874 wurden von der Anglo-American Telegraph Company noch zwei Kabel im Atlantischen Ocean gelegt und seitdem noch eine ganze Reihe von Kabeln, welche vorwiegend von Gebrüder Siemens in Woolwich angefertigt worden sind. Auch nach Südamerika laufen Kabel von Europa; die Südspitze von Afrika ist durch mehrere Kabel an das Telegraphennetz angeschlossen.

Das Telegraphieren auf Kabeln wird dadurch erschwert, daß das Kabel sich ganz ähnlich verhält wie eine Leidener Flasche, und daher bei jeder Stromgebung elektrisch geladen wird; beim Aufhören des Telegraphierstroms strömt diese Ladung an beiden Enden ab, und je rascher die Entladung vollendet ist, desto rascher kann man die telegr. Zeichen aufeinander folgen lassen. Man pflegt deshalb nach jeder Stromgebung auf der gebenden Station das Kabel kurze Zeit an Erde zu legen, ohne jedoch den hier dem Telegraphenstrom entgegengesetzt gerichteten Entladungsstrom durch den Empfänger gehen zu lassen, oder man entsendet nach jedem Telegraphierstrom einen Gegenstrom (s. d.) von entgegengesetzter Richtung zur Vernichtung der Ladung, oder man telegraphiert mit Wechselströmen. Man verwendet dabei besondere Submarinetaster.

Telegraphenmarken, s. Postwertzeichen.

Telegraphenordnung, s. Telegrapbenverkehr.

Telegraphenschaltungen, bei den Elektrischen Telegraphen (s. d.) die Verbindung der zum Telegraphieren unentbehrlichen Erfordernisse (Elektricitätsquelle, Apparate, Leitung) nach deren Eigentümlichkeit und den zu wählenden Telegraphenbetriebsweisen (s. d.). Die Hauptrolle spielt dabei der Geber (s. Elektrische Telegraphen) in seiner Einrichtung und seiner Verbindung mit der Elektricitätsquelle und der Leitung; die Einschaltungsweise des Empfängers ist meist durch dessen Einrichtung und die an ihn gestellten Anforderungen schon gegeben.

Bei der einfachen Telegraphie hat der Geber die zum Hervorbringen der telegr. Zeichen erforderlichen Stromzustandsänderungen im Empfänger und in der Leitung herbeizuführen und dazu gewisse Abänderungen in den Stromwegen zu bewirken.

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Die Grundform, in welcher der Geber auftritt, ist der einarmige und zweiarmige Hebel; sie tritt klar zu Tage in dem für Handarbeit bestimmten Morsetaster (s. Elektrische Telegraphen).

In Schaltung auf gewöhnlichen oder deutschen Ruhestrom sind zwei Endämter I und III (mit den Erdleitungen E1 und E3) und ein Zwischenamt II in einer Telegraphenlinie L1, L2 in nachstehender Fig. 1 dargestellt. Zum Telegraphieren mit Ruhestrom braucht man in jeder Linie nur eine Batterie B von genügender Spannung; um die unvermeidlichen Stromverluste zu verringern und für den Betrieb unschädlich zu machen, verteilt man die Elemente der Batterie unter die Ämter in dieser Linie und läßt nur Ämter ganz ohne Batterie, bei welchen räumliche oder sonstige Verhältnisse dazu zwingen. Der Strom von B durchläuft beständig die Elektromagnete aller Empfänger, z. B. der Schreibapparate S1, S2, S3; beim Niederdrücken des um die Achse d drehbaren Hebels in einem der Taster T1, T2, T3 wird er unterbrochen, alle Elektromagnete lassen daher ihre Anker los und veranlassen das Schreiben des Zeichens auf den Streifen.

^[Abb.: Fig. 1.]

Fürs Telegraphieren mit amerikanischem Ruhestrom sind die Hebel der Taster T1, T2, T3 in der Ruhelage durch einen drehbaren Schalthebel oder auf andere Weise mit dem Arbeitskontakt a verbunden. Die Leitung L2, ist nicht an c, sondern an a in T2 gelegt, die Rollen von S1 und S3 müssen mit a in T1 und T3 anstatt mit c verbunden werden. Zum Zwecke des Arbeitens wird der Schalthebel vom Arbeitskontakt entfernt und dadurch der Tastenhebel vom Arbeitskontakt isoliert und der Strom in der Leitung unterbrochen. Beim Tastendruck arbeiten dann die Schreibapparate S1, S2 und S3 wie in einer Arbeitsstromleitung. Nach Beendigung der Korrespondenz wird der Schalthebel wieder so gedreht, daß der Tastenhebel mit dem Arbeitskontakt verbunden ist.

^[Abb.: Fig. 2.]

Die amerik. Ruhestromschaltung dient dazu, den Klopferapparat in Ruhestromleitungen anwendbar zu machen.

Beim Telegraphieren mit Arbeitsstrom (Fig. 2) muß jedes Amt eine ausreichend kräftige Elektricitätsquelle (B1, B2, B3) erhalten. Wird in einem der Endämter I und III oder im Zwischenamt II der Taster T1, T3 oder T2 auf den Arbeitskontakt niedergedrückt, so durchläuft der Telegraphierstrom die Elektromagnete der in den beiden andern Amtern vorhandenen Empfänger (S1, S2, S3), der Empfänger des gebenden Amtes dagegen bleibt stromlos; soll letzterer das fortgegebene Zeichen auch mit hervortreten lassen, so muß er aus dem vom Rubekontakt c nach der Erde E1 und E3 oder nach L1 laufenden Draht herausgenommen und in L1 oder L2 selber verlegt werden.