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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tell Hum; Tellez y Giron; Tellingstedt; Tellinidae; Tellkampf; Tellmuschel; Tellskapelle; Tellur; Tellurblei

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Tellez y Giron - Tellurblei

spanischer dramat. Dichter, geb. 1572 zu Madrid, wurde vor 1610 Mönch im Kloster der Mercenarier in Toledo, bekleidete wichtige Stellen in seinem Orden, wurde 1645 Komtur des Klosters Soria und starb 1648. In seiner dramat. Laufbahn, die er unter dem Namen Tirso de Molina betrat, war er ein Schüler Lope de Vegas. Er selbst giebt um 1623 die Zahl seiner Komödien auf 300 an. Doch sind von ihm nur etwa 70 Komödien, einige Loas und Zwischenspiele und Autos sacramentales erhalten. Von den Komödien befinden sich 51 in der ungemein seltenen Sammlung seiner "Comedias" (5 Bde., Madr., Valencia und Tortosa 1627-36), 3 in den "Cigarrales de Toledo" (ebd. 1621-24) und etwa 19 sind zerstreut gedruckt. Drei der Autos stehen in dem unter seinem wahren Namen herausgegebenen "Deleitar aprovechando" (Madr. 1635, 1677, und 2 Bde., 1765). Die spätern Sammlungen, die von Madrid 1734-36, von Hartzenbusch und Durand (12 Bde., Madr. 1836-42) und Bd. 5 der "Biblioteca de autores Españoles" geben nur eine Auswahl. Von den vielen Lustspielen mag nur das berühmte "Don Gil de las calzas verde" genannt werden. Nicht minder bedeutend ist er auch in den ernsten Charaktergemälden, wie in der Prudentia de la muger", welches zu den großartigsten Werken der span. Bühne gehört, in dem ergreifenden Stücke "Escarmientos para el cuerdo" und in dem tiefgedachten und mit glühenden Farben ausgeführten mystisch-ascetischen Drama "El condenado por desconfiado". Sein Don Juan ("El burlador de Sevilla, ó el convidado de piedra", deutsch von Dohrn, Berl. 1841, und von Ossig in Reclams "Universalbibliothek") ist die Quelle aller spätern Behandlungen des gleichen Stoffs. Die Novellen und Gedichte in den "Cigarrales de Toledo" und dem "Deleitar aprovechando" sind von geringerm Wert. Außerdem ist von T. noch ein religiöses Gedicht "Acto de contricion" (Madr. 1630), eine "Genealogia del Conde de Sástago" (ebd. 1640) erhalten. - Vgl. Cotarelo, Tirso de Molina (Madr. 1893).

Tellez y Giron (spr. telljēz i chi-), Don Pedro, s. Osuna.

Tell Hum, Trümmerstätte am nordwestl. Ufer des Sees Genezareth (s. d.), in der von den meisten Bibelforschern das Kapernaum (s. d.) des Neuen Testaments, von andern die Matth. 11,21 genannte Stadt Chorazin (s. d.) erkannt wird.

Tellingstedt, preuß. Dorf, s. Bd. 17.

Tellinidae, s. Tellmuschel.

Tellkampf, Joh. Ludw., Volkswirt, geb. 28. Jan. 1808 in Bückeburg, studierte in Göttingen, wurde 1831 Rechtsanwalt in Hannover, trat mit der Schrift "Über Verbesserung des Rechtszustandes in den deutschen Staaten" (Berl. 1835) an die Öffentlichkeit, habilitierte sich 1836 zu Göttingen, verließ aber diese Stellung 1838 wegen des Umsturzes der hannov. Verfassung und begab sich auf wissenschaftliche Reisen. Er wurde Professor am Union College im Staate Neuyork und 1843 am Columbia College in Neuyork. Hier veröffentlichte er die Schrift "Über die Besserungsgefängnisse in Nordamerika und England" (Berl. 1844). 1846 wurde er Professor der Staatswissenschaften zu Breslau. 1848 war T. Mitglied der Deutschen Nationalversammlung, 1849-51 des preuß. Abgeordnetenhauses, wurde 1855 in das preuß. Herrenhaus berufen und 1871 in den Deutschen Reichstag gewählt, wo er zur nationalliberalen Partei gehörte. 1874 wurde er Mitglied der königlich preuß. Statistischen Centralkommission. T. starb 15. Febr. 1876 zu Berlin. Er veröffentlichte in Buchform: "Beiträge zur Nationalökonomie und Handelspolitik" (2 Hefte, Lpz. 1851 -53), "Über die neuere Entwicklung des Bankwesens in Deutschland" (Bresl. 1857; 4. Aufl. 1859), "Essays on law reform, commercial policy, banks, penitentiaries ect. in Great Britain and the United States of America" (Lond. 1859; 2. Aufl., Berl. 1875), "Die Principien des Geld- und Bankwesens" (Berl. 1867), "Über Arbeiterverhältnisse und Erwerbsgenossenschaften in England und Nordamerika" (Halle 1870), "Selbstverwaltung und Reform der Gemeinde- und Kreisordnungen in Preußen und Selfgovernment in England und Nordamerika" (Berl. 1872), "Erfordernis voller Metalldeckung der Banknoten" (ebd. 1873), "Vorschläge zur Verbesserung des Aktiengesellschaftswesens" (ebd. 1876). Mit C. J. Bergius übersetzte und ergänzte er MacCullochs "A treatise on metallic and paper money and banks" u. d. T. "Geld und Banken" (Lpz. 1859).

Tellmuschel (Tellinidae), eine in allen Meeren, auch in der Ostsee vorkommende, aus 11 Gattungen und etwa 550 Arten bestehende Familie der Muscheln (s. d.), mit zarten, schmalen, gleichseitigen oder vorn verlängerten, oft hinten, auch vorn klaffenden Schalen; die T. graben sich, und zwar manche Arten gesellig, in Schlamm und Sand ein. Viele werden von Küstenvölkern gegessen; aus einer Art (Tellina Gari Gm.) wird in Amboina eine in ganz Indien berühmte Tunke, Amboinische Tunke oder Bacassan, bereitet.

Tellskapelle, Tellsplatte, s. Tell.

Tellur (chem. Zeichen Te; Atomgewicht 125), ein chem. Element, das 1782 von Müller von Reichenstein in goldführenden Erzen Siebenbürgens entdeckt, jedoch erst 1798 von Klaproth in Berlin und 1830-34 von J. Berzelius genauer untersucht wurde. Es kommt in der Natur gediegen vor, besonders aber in Verbindung mit Gold, Silber, Blei und Wismut. Die tellurhaltigen Erze hat man in Ungarn und Siebenbürgen und in neuerer Zeit auch in namhafter Menge an einzelnen Stellen in Nordamerika gefunden. Das reine T. besitzt alle Eigenschaften eines Metalls, ist von starkem Metallglanz, fast silberweiß, von krystallinischem Gefüge (krystallisiert hexagonal in Rhomboedern), ist spröde, hat das spec. Gewicht 6,26, schmilzt bei etwa 500° C. und ist bei hoher Temperatur destillierbar. In konzentrierter Schwefelsäure ist es mit purpurroter Farbe löslich. Sein Dampf hat goldgelbe Farbe. An der Luft erhitzt, verbrennt das T. mit hellblauer grünumsäumter Flamme unter Bildung eines schwach sauer riechenden Dampfes von telluriger Säure. Gleich dem Schwefel und Selen, denen es in chem. Hinsicht sehr ähnlich ist, verbindet es sich mit Wasserstoff zu Tellurwasserstoff, TeH2, einem farblosen Gase, das dem Schwefelwasserstoff ähnlich riecht, mit Sauerstoff zu dem festen Anhydrid der tellurigen Säure, TeO2, und zu Tellursäure, H2TeO4.

Tellurblei oder Altait, ein reguläres, aber gewöhnlich körnige Aggregate bildendes Mineral von zinnweißer Farbe, die sich bald durch Anlaufen in Gelb verwandelt, der Härte 3 bis 3,5 und dem spec. Gewicht 8,1 bis 8,2. Die chem. Analysen führen auf die Formel PbTe. Fundorte sind: Bontddu zwischen Dolgelly und Varmouth in Nordwales, die Grube Sawodinskoi im Altai, das Calaverasgebiet