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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Terekamphen - Terentius

durchtobt er die engen Schluchten, alljährlich bei Hochwasser furchtbare Zerstörungen anrichtend, später nimmt das Gefälle ab. Von Jekaterinogradsk an vereinigen sich die verschiedenen Arme in ein Bett mit lehmigen Ufern. Etwas unterhalb Kargalinsk beginnt das sumpf- und wiesenreiche, zum Teil von kalmückischen Nomaden bewohnte Mündungsdelta. Die nördl. Gruppe bilden drei Arme; die östl. Gruppe bildet der Alte T., welcher durch die Stadt Kisljar fließt, und der Neue T., der südlichste aller Flußarme. Beide münden in die Agrachanbucht des Schwarzen Meers, die durch die Landzunge Utsch gebildet wird. Das Bett der Mündungsarme liegt höher als die sie umgebende Landschaft, weshalb zum Schutz gegen Überschwemmungen große Dammbauten nötig sind, bei Kisljar z. B. von 30 km Umfang. T. ist von der Mündung der Malka an auf 410 km schiffbar; Seeschiffe können jedoch nicht einlaufen und müssen umgeladen werden. Das Flußgebiet beträgt 59 707 qkm. Nebenflüsse sind: links Ardon, Uruch und Malka mit Baksan, rechts Sunsha mit Assa und Argun. Tereklinie oder Terekstraße heißt der nördl. Teil der Grusinischen Heerstraße, eine Reihe kleiner Festungen, welche längs des Flusses von Mosdok aufwärts bis zum Fuße des Passes über den Großen Kaukasus, von wo man nach Georgien hinabsteigt, reichen und zum Schutz gegen die Bergvölker angelegt wurden. Dazu gehörte besonders auch Wladlkawkas (s. d.).

Terekamphen, s. Kamphen.

Terekgebiet oder Tersches Gebiet (russ. Tersaja oblastj), im russ. Generalgouvernement Kaukasien, nördlich vom Kaukasus (Ciskaukasien), grenzt im N. an die Gouvernements Stawropol und Astrachan, im O. ans Kaspische Meer, im SO. an das Gebiet Dagestan, im S. an die Gouvernements Tiflis und Kutais und im W. ans Kubangebiet und hat 69 467,1 qkm mit 935 700 E., d. i. 13,5 auf 1 qkm. Das Gebiet zerfällt in drei Zonen: Bergland, Ebene und Niederungen, mit sehr verschiedenem klimatischem Charakter und Einfluß auf die Bodenkultur. Hauptfluß ist der Terek mit seinen Nebenflüssen; ferner sind im SO. der Aksaj, Aktasch, Sulak (Grenzfluß) und im NW. der Oberlauf der Kuma mit dem Podkumok. Berühmte Mineralwässer sind bei Grosnyj und Pjatigorsk, Wälder nehmen 597 059 Dessätinen ein, hauptsächlich in den sog. "Schwarzen Bergen" und am Rande der kabardinischen, wladikawkasschen und tschetschenischen Ebene. Die Bevölkerung besteht aus Russen (335 000), darunter die Terekkosaken, ferner Osseten (85 000), Kabardinern (82 000), Nogaiern (35 470), Tschetschenzen (22 300), Lesgtnern (14 700), Armeniern, Kumyken, verschiedenen Bergvölkern, deutschen Kolonisten (4570) u. a. Die Hauptbeschäftigung ist Ackerbau (Roggen, Weizen, Gerste, Hirse, Mais, etwas Reis), dann auch Garten- und Weinbau (jährlich 1,2 Mill. Wedra Wein). Bedeutend ist die Viehzucht: 184 080 Pferde, 886 540 Stück Hornvieh, über 1 Mill. Schafe; ferner Bienenzucht, Fischerei, etwas Seidenzucht. Es werden gewonnen Salz auf den Seen 260 000, Naphtha 4,5 Mill. kg; an den Zuflüssen des Ardon silberhaltige Bleierze. An Fabriken sind vorhanden 357 mit 1,6 Mill. Produktion, darunter Branntweinbrennereien, Bierbrauereien, Seifen- und Lichterfabriken, Mühlen. Die Tschetschenzen fertigen gute Filze und Wollstoffe. Es giebt 505 km Eisenbahnen; 1 Gymnasium für Knaben, 1 für Mädchen, 1 Progymnasium, 1 Realschule, 2 Bergschulen, 110 niedere und Elementarschulen. Das Gouvernement zerfällt in vier Bezirke (okruga): Wladikawkas, Grosnyj, Naltschik und Chassaw-Jurt, sowie in drei Abteilungen (otděly): Kisljar, Pjatigorsk und Sunsha. Sitz der Verwaltung ist Wladikawkas.

Terek-kala, Stadt, s. Wladikawkas.

Terekkosakenheer, das im Terekgebiet stehende Kosakenheer. Es hat mit dem Kubankosakenheer einen gemeinsamen Heeresataman in der Person des Oberkommandierenden des Kaukasischen Militärbezirks, dem "stellvertretenden Heeresataman der kaukas. Kosakenheere"; unter diesem steht an der Spitze des T. der "stellvertretende Ataman", dessen Sitz Wladikawkas ist. Sein Territorium umfaßt 21 309 qkm; am 1. Jan. 1887 gab es 148 568 Personen des Heeresstandes und 11 526 nicht zum Heeresstand gehörige Personen; der Sollstand der Truppenteile der 3 Aufgebote betrug 1. Jan. 1888: 215 Offiziere und 8867 Mann, die Zahl der diensttauglichen Pferde 12 718. Über die Verwaltung s. Kosaken.

Tereklinie, s. Terek.

Terekpaß, s. Thian-schan.

Terekstraße, s. Terek.

Terentianus Maurus, ein lat. Grammatiker, der wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 2. Jahrh. n. Chr. lebte, verfaßte eine lat. Metrik in verschiedenartigen Versen u. d. T. "Delitteris, syllabis, metris". Neuere Ausgaben sind die von Santen und Lennep (Utr. 1825), Lachmann (Berl. 1836) und Keil in den "Grammatici latini" (No. 6, Lpz. 1874).

Terentius, Publius, mit dem von seinem Geburtslande genommenen Beinamen Aser ("der Afrikaner"), röm. Lustspieldichter, nächst Plautus der Hauptvertreter der sog. Fabula palliata, der Komödie, die ihre Stoffe aus dem griech. Leben nahm. T. wurde in Karthago um 190 v. Chr. geboren. In frühester Jugend kam er nach Rom als Sklave eines Senators Terentius Lucanus, von dem er freigelassen wurde, womit der Sitte gemäß die Annahme des Namens des Freilassers verbunden war. Er starb 159 oder 158. T. kam früh in Verkehr mit dem Kreise des jüngern Scipio Africanus und Lälius, in dem die litterar. Bestrebungen gepflegt und die Tendenz verfolgt wurde, die lat. Sprache zum Organ einer gebildeten Konversation und Litteratur zu machen. In Stoff und Gedanken ist T. ganz abhängig von seinen griech. Originalen Menander und Apollodor, nur daß er das Verfahren der sog. Kontamination mehrfach anwandte. Es bestand dies darin, daß der röm. Nachdichter Stücke aus andern Komödien in das Hauptdrama einfügte. Der originelle und derbe Witz des Plautus fehlt dem T. vollständig, und seine nüchtern elegante Ausdrucksweise bietet dafür keinen Ersatz. T. wurde wegen der vielen in den Dialog eingestreuten Sentenzen im Mittelalter viel gelesen und von der Nonne Roswitha (s. d.) nachgebildet. Die Zahl seiner Komödien beläuft sich auf sechs: "Andria" (das Mädchen von Andros), "Hautontimorumenos" (der Selbstquäler, Charakterisierung der Hauptperson), "Eunuchus", "Phormio" (der Parasit des Stücks), "Hecyra" (die Schwiegermutter), "Adelphoe" (die ungleichen Brüder). Unter den Ausgaben ist die von Bentley (Cambr. 1726) epochemachend. Neuere Ausgaben veröffentlichten R. Klotz (2 Bde., Lpz. 1838-40), Fleckeisen (ebd. 1874), Dziatzko (ebd. 1884), mit engl. Anmerkungen Wagner (Cambr. 1869), mit kritischem Apparat Umpfenbach (Berl. 1870). Eine Ausgabe mit erklärenden Anmerkun-^[folgende Seite]