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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ternströmiaceen; Terpander; Terpen; Terpene; Terpentin; Terpentinbaum; Terpentinöl; Terpentinölfirnis

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Ternströmiaceen - Terpentinölfirnis

Ternströmiaceen, Pflanzenfamilie aus der Ordnung der Cistifloren (s. d.) mit gegen 250 durchweg tropischen Arten, Bäume oder Sträucher mit wechselständigen einfachen oder drei-bis fünfzähligen, lederartigen und meist großen, lebhaft gefärbten Blüten. Sie sind zwitterig und regelmäßig gebaut, haben fünf Kelchblätter, ebensoviel Blumenblätter, zahlreiche Staubgefäße und einen mehrfächerigen Fruchtknoten mit mehrern Griffeln. Die Früchte zeigen eine verschiedenartige Ausbildung. Zu den T. gehören die Kamelie (s. d.) und der Thee (s. d.).

Terpander (Terpandros), aus Antissa auf der Insel Lesbos, einer der bedeutendsten altgriech. Musiker, der auf die Ausbildung der musikalischen Kunst, des Kitharaspiels und der Komposition von Liedern ernstern Inhalts (Nomen, s. Nomos), sowie auch der Skolien (s. d.) den wesentlichsten Einfluß geübt hat. Zu den ihm beigelegten musikalischen Neuerungen gehört die Einführung der Kithara mit sieben Saiten. Als Hauptschauplatz seiner Thätigkeit galt Sparta, wo er als Begründer der gesetzlich anerkannten musikalischen Ordnung, die mit dem Götterkult und mit der Jugenderziehung im engen Zusammenhange stand, betrachtet wurde. Als Zeit seiner Wirksamkeit nimmt man etwa die J. 680-650 an. Von den nach antiker Weise von ihm selbst gedichteten Texten seiner Kompositionen sind nur spärliche Bruchstücke erhalten, gesammelt in Bergks "Poetae lyrici graeci", Bd. 3 (4. Aufl., Lpz. 1882).

Terpen, künstliche Hügel, s. Deich, Geschichtliches.

Terpene, die von dem Namen Terpentinöl abgeleitete Bezeichnung für eine Reihe von eigentümlichen Kohlenwasserstoffen, die im Pflanzenreich weit verbreitet und in den Ätherischen Ölen (s. d.) enthalten sind. Sie haben die Zusammensetzung C10H16 und kommen in zahlreichen Isomeren vor. Die natürlichen ätherischen Öle sind meist Gemische mehrerer solcher Isomeren. Sie stehen in naher Beziehung zum Cymol (s. d.); es sind Dihydrocymole. Eigentümlich für die T. ist ihre Fähigkeit, sich mit ein oder zwei Molekülen Chlorwasserstoff zu krystallisierenden Mono- oder Dihydrochloriden, C10H17Cl oder C10H18Cl2, oder mit Brom zu Tetrabromiden, C10H16Br4, zu verbinden. Ferner entstehen durch Behandlung mit Amylnitrit Verbindungen mit Nitrosylchlorid, C10H16·NOCl, oder durch salpetrige Säure Nitrosite, C10H16N2O3. Man teilt die T. in mehrere Hauptgruppen ein: 1) solche, welche sich nur mit einem Molekül Chlorwasserstoff vereinigen: Pinen, Kamphen; 2) solche, welche sich mit zwei Molekülen Chlorwasserstoff, aber nicht mit salpetriger Säure vereinigen können: Dipenten, Sylvestren, Terpinolen; 3) solche, welche mit salpetriger Säure Nitrosite bilden: Terpinen, Phellandren. Sie unterscheiden sich im einzelnen durch ihre Siedepunkte, die übrigens alle zwischen 160 und 190° liegen, und durch die Eigenschaften (Schmelzpunkte) ihrer Additionsprodukte (meist Tetrabromide). Die meisten T. bestehen in zwei Modifikationen, die sich nur dadurch unterscheiden, daß die eine die Polarisationsebene des Lichts nach rechts, die andere gleich stark nach links dreht. Zu gleichen Teilen vermischt, geben diese T. dann inaktive Verbindungen mit Beibehaltung aller übrigen Eigenschaften. Manche T. zeigen die Eigentümlichkeit, sich leicht zu polymerisieren oder (besonders bei der Behandlung mit Säuren) in andere Isomere umzuwandeln.

Außer den gewöhnlichen T. giebt es Hemiterpene, C5H8 (Isopren), und Polyterpene, (C5H8)x, z. B. Cedren, C15H24, Colophen, C20H32. - Vgl. Heusler, Die T. (Braunschw. 1896).

Terpentin (entstanden aus Terebinthina), ein mehr oder minder dickflüssiges Harz, das aus verschiedenen Nadelholzstämmen durch Einschnitte gewonnen wird oder auch durch Aufbersten der Rinde von selbst ausfließt (wie z. B. bei der Edeltanne durch Zerplatzen der sog. Harzbeulen der Rinde). Im Handel unterscheidet man gemeinen T. (Terebinthina communis) und venetianischen T. (Terebinthina veneta oder laricina). Der gemeine T. stammt in den geringsten Sorten von der Kiefer und Edeltanne, die in Südrußland, Polen, Österreich, Schweden und Norwegen noch zur Terpentingewinnung benutzt werden. Die Hauptmenge und geschätzteste Sorte des gemeinen T. kommt aus Frankreich (Depart. Gironde und Landes), wo die Strandkiefer (s. Kiefer) das Material liefert, während Amerika seine große Produktion (aus Pinus australis Mich. und Pinus taeda L.) an Ort und Stelle auf Harz und Terpentinöl verarbeitet. Der gemeine T. hat eine gelbliche Farbe, Honigkonsistenz, ist trübe, etwas körnig, zähe und klebend, riecht stark harzig und schmeckt bitter scharf. Wesentliche Bestandteile sind ätherisches Öl (17 Proz. und mehr) und Harz. Hauptausfuhr in Oxhoften, à 350 kg Inhalt, über Bordeaux. Jährliche Produktion gegen 12 000 t. 100 kg kosten (1897) im Großhandel 28 M.

Der venetianische T. wird durch Anbohren des Kernholzes der gemeinen Lärche (s. d.) in den südl. Alpen, hauptsächlich in Meran, Bozen, Trient gewonnen. Er ist klar oder nur wenig trübe, dickfließend, von gelblicher Farbe und besitzt einen angenehm aromatischen Geruch. Zum Versand gelangt er in kleinen, etwas flach gedrückten Fässern (Lägele) von 60 kg und in Petrolbarrels von 200 kg Inhalt. 100 kg kosten im Großhandel (1897) 146 M. Über den canadischen T. s. Canadabalsam.

T. dient als Zusatz zu Firnissen, Siegellack, Lack, Kitt, medizinisch zu Pflastern und Salben; er ist, soweit der gemeine T. in Frage kommt, das Rohmaterial für die Gewinnung des Terpentinöls (s. d.) und des Kolophoniums (s. d.).

Terpentinbaum, s. Pistacia.

Terpentinöl, das durch Destillation des Terpentins (s. d.) gewonnene ätherische Öl. Es ist eine farblose Flüssigkeit von eigentümlichem Geruch, einem spec. Gewicht von 0,860 bis 0,880, brennbar, siedet bei 152-160° C. und läßt sich mit Äther und Alkohol mischen, ist aber in Wasser fast unlöslich. Den polarisierten Lichtstrahl lenkt es nach links (französisches T.) oder nach rechts (deutsches und amerikanisch es T.), Schwefel, Phosphor, die meisten Harze, Kautschuk und Guttapercha lösen sich im T. An der Luft in Berührung mit Feuchtigkeit bildet es Wasserstoffsuperoxyd, nicht, wie man früher allgemein annahm, Ozon. T. dient in der Technik zu Lacken und Anstrichfarben, zum Verdünnen von Ölfarben, Vertilgen von Fettflecken, zum Bleichen von Geweben und Elfenbein; medizinisch wendet man es äußerlich als reizendes, kräftigendes Mittel, innerlich gegen Gonorrhöe und Blasenkatarrh an. Im Handel unterscheidet man deutsches T. (meist aus Polen, Galizien und Südrußland stammend), französisches (das beste) und amerikanisches und bringt es in Fässern von 150 kg Inhalt an den Markt. 100 kg kosten im Großhandel (1897) 39-68 M.

Terpentinölfirnis, s. Firnis.