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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Terra d'Otranto; Terra di Bari; Terra di Lavoro; Terra firma; Terracottaholz; Terrain

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Terracottaholz - Terrain

erscheinen sind; vgl. ferner: Campana, Antiche opere in plastica (Rom 1842); Birch, History of ancient pottery (Lond. 1873); Heuzey, Les figurines antiques de terre cuite du musée du Louvre (Par. 1883); Lecuyer, Terres cuites (2 Bde., ebd. 1882-85); Pottier, Les statuettes de terre cuite (ebd. 1890).

Aus Italien kam die Terracottabildnerei nach Gallien und Britannien, an den Rhein und die Donau in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung. Bei dem Einbruch der Barbaren fand sie jedoch ihren Untergang. Erst nach dem J. 1000 begann ein neuer Aufschwung. Die Töpfer fanden eine Glasierung für das Wasserdichtmachen der Gefäße, buntglasierte Dachziegel und Bodenfliesen wurden zur Ausschmückung vieler Kirchen des roman. und got. Stils verwendet. An die Stelle der durchsichtigen Glasur auf Stücke aus Thon setzte man dann den Schmelz und erfand so die Fayence (s. d.). Luca della Robbia (s. d.) wurde im 15. Jahrh. der Schöpfer einer neuen Gattung auf diesem Gebiet, bestehend in Reliefs aus gebranntem Thon, die weiß oder farbig glasiert waren und als architektonische Ornamente Anwendung fanden; in derselben Art arbeiteten gleichzeitig ital. Bildhauer viele Porträtbüsten. Eine schöne Sammlung besitzt das South-Kensington-Museum in London. Auch Bildhauer des 16. Jahrh. fuhren fort in derselben Weise zu arbeiten, z. B. in Venedig Alessandro Vittoria; eine Anzahl seiner Terrakottenbüsten ist im Museum zu Wien. In Frankreich machte sich im 16. Jahrh. Palissy (s. d.) einen berühmten Namen mit seinen bunt glasierten Figuren, Tieren, Vasen und andern Arbeiten aus gebranntem Thon für die Verzierung von Grotten und Wasserwerken in fürstl. Schloßgärten. Im 17. und 18. Jahrh. abermals vernachlässigt, ist die T. als Material der Bildhauerkunst im 19. Jahrh. wieder aufgelebt, besonders bei den franz. Bildhauern, wie Dubois, Carrier-Belleuse u. a. Zahlreich sind die kleinen Zierfiguren und -Büsten aus T., die gegenwärtig das Kunstgewerbe in Paris sowie in Italien schafft. An andern Orten, z. B. in Wien, werden viel Vasen und Figuren für Gärten in T. gearbeitet.

Der in der Baukunst zu Terracottaornamenten verwendete Thon muß wegen der feinern Formen äußerst bildsam und daher sehr fett sein und sich mit gleichmäßigem, schön gelbem oder rotem Farbenton brennen. Dieser Thon wird alsdann mit einem Feldspat- oder Quarzsand, auch häufig Chamottemehl, innig gemengt, welche Zusätze ihn magerer machen sollen, um beim Brennen eine zusammensinternde, dicht schließende Masse zu erzeugen. In Gipsformen eingepreßt, wird die Masse alsdann ziemlich lufttrocken gemacht, worauf der Gegenstand feiner bearbeitet und nach vollkommener Austrocknung in besondern Öfen mit Gasfeuerung gebrannt wird. So entstehen vortreffliche Bauornamente, wie Füllungen, Rosetten, Friese, Gesimse, Portal- und Fensterverzierungen, Kapitale, Kreuzblumen, ganze Nischenfiguren u. s. w. Das Material ist sehr hart, daher wetterfest wie die besten Hausteine, vor welchen sie den Vorzug der leichten Vervielfältigung und des geringen Gewichts haben, da sie hohl sind. Terrakotten wurden schon im Altertum hergestellt. In der Neuzeit bestehen viele Fabriken, die sich mit der Herstellung von T. befassen, so z. B. in Charlottenburg bei Berlin, Wienerberg bei Wien, Nymphenburg bei München, Ullersdorf, Liegnitz, Siegersdorf in Schlesien u. s. w. Hierher gehören auch die plattierten Ziegelwaren, welche, zu Fußboden- und Wandbekleidungen verwendet, als die farbig gemusterten unglasierten Mettlacher Fliesen von Villeroy & Boch in den Handel kommen. Das Muster besteht aus mosaikartiger Einlage in die graue Hauptmasse der Platte und muß für sich aus einem Thon hergestellt werden, der sich bei derselben Temperatur und ebenso hart wie jene brennt. Der höchst feine Thon wird in Pulverform fast trocken unter gewaltigem Druck in eine Hohlform gepreßt, in welcher er die Gestalt der Platte mit flachen, für obige Farbeneinlagen bestimmten Vertiefungen annimmt. Nachdem diese durch weitere Pressung mit dem Hauptkörper vereinigt sind, erfolgt das Brennen in Kapseln bei sehr hoher Glut.

Terracottaholz, s. Holz, künstliches.

Terra di Bari, ital. Provinz, s. Bari delle Puglie.

Terra di Lavoro, ital. Provinz, s. Caserta.

Terra d'Otranto, ital. Provinz, s. Lecce.

Terra firma (lat.), festes Land, im Gegensatz zu den Inseln. Zuerst hießen T. f. oder Dominio Veneto alle venet. Landschaften im festländischen Italien, nämlich das Herzogtum Venedig, die venet. Lombardei, die Treviser Mark, das Herzogtum Friaul und Istrien. Dann verstand man unter T. f. (im Spanischen Tierra firma) die große Landschaft in Südamerika (das spätere Columbia), die an das Mar del Norte (d. i. Atlantischer Ocean), an Peru, das Amazonenland, an das Mar del Sur und die Landenge von Panama grenzt und auch unter dem Namen Südamerikanisches Neucastilien bekannt war. Im engern Sinne begreift T. f. die Landenge bis nach Panama hin, zwischen den Meerbusen von Darien und Panama.

Terrain (frz., spr. -räng), im weitern Sinn soviel wie Gelände (s. d.), also die Erdoberfläche mit allem, was sich mit Ausnahme lebender Wesen darauf befindet. In militärischem Sinne bezeichnet man mit T. die Erdoberfläche mit Rücksicht auf militär. Unternehmungen und unterscheidet ebenes und unebenes, steigendes und fallendes, offenes und bedecktes, freies und durchschnittenes, gleichförmiges und wechselndes T. oder Gelände. Unter T. im engsten Sinne versteht man die durch Erhebung und Senkung bedingte verschiedenartige Gestaltung der Erdoberfläche, die sog. orographischen Formen, wie Berg, Thal, Rücken, Schlucht u. s. w. Alle übrigen die Beschaffenheit der Erdoberfläche beeinflussenden Verhältnisse nennt man die Situation (s. Terrainzeichnung).

Terrainlehre ist die wissenschaftliche Behandlung der Beschaffenheit und Gestaltung der Erdoberfläche und bildet insbesondere einen Teil des militär. Unterrichts. Man unterscheidet eine reine und eine angewandte Terrainlehre. Jene läßt sich wieder einteilen in die eigentliche Terrainlehre, d. h. die Lehre von der Entstehung, der Beschaffenheit und der Benennung der Erdoberfläche (Geologie, Orographie, Hydrographie, Topographie), und in die Lehre von der Terraindarstellung (schriftliche und mündliche Terrainbeschreibung und Terrainaufnahme nebst Zeichnung, s. Terrainzeichnung nebst Tafel). Die angewandte Terrainlehre behandelt die Beurteilung des T. namentlich mit Rücksicht auf die militär. Unternehmungen sowie die Erkundung (Rekognoszierung) des T. zu taktischen Zwecken und die Beurteilung und praktische Benutzung von Karten und Plänen. - Vgl. von Böhn,