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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Theater an der Burg; Theaterbilletsteuer

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Theater an der Burg - Theaterbilletsteuer

Vlämische T. (1869-72 von Dens) sehenswert. Die russischen T. gehören zu den größten in Europa, das Große T. in Petersburg, 1832 umgebaut, faßt 4000 Zuschauer, ähnliche Ausdehnung hat das T. zu Moskau und jenes zu Warschau. Das Nationaltheater zu Prag (von Zitek und Schulz), zu Budapest (von Ybl) zeigen Fortbildungen der Semperschen Formen.

Unter den lebenden deutschen Baumeistern sind in Theaterbauten namentlich folgende thätig: Helmer und Fellner in Wien (Deutsches T. in Prag, T. in Karlsbad, Stadttheater in Wien, T. Unter den Linden in Berlin, königl. Hoftheater in Wiesbaden u. a.), von der Hude und Hennicke in Berlin (Lessing-Theater in Berlin), Seeling daselbst (T. in Halle, Essen, Neues T. in Berlin), Giese in Dresden (Düsseldorf, Rotterdam) u. a.

In der Einrichtung moderner T. hat der Zuschauerraum meist die Hufeisenform. Der Dreiviertelkreis ist bei kleinen Bauten mit Glück angewendet worden, namentlich für Schauspielhäuser. Die Ränge baut man in Italien meist lotrecht übereinander, um viele gleichwertige Logen zu erhalten. In Frankreich und Deutschland treppt man sie zurück und behandelt sie als Balkone. Man sorgt durch Ventilationsanlagen für frische Luft und gleichmäßige Temperatur. Um sich gegen Theaterbrände (s. d.) zu schützen, wendet man beim Bau von T. möglichst feuersichere Baumaterialien an, als Beleuchtung benutzt man elektrisches Licht, etwa ausbrechendes Feuer kann durch weitgehende Feuerlöscheinrichtungen (Regenapparate) und den Eisernen Vorhang (s. d.) eingeschränkt werden, wobei eine Stauung des Publikums beim Verlassen des T. durch zahlreiche und weite Zugänge, bequeme Garderoben, gesonderte Treppen, Notbeleuchtung u. s. w. vermieden wird. Bezüglich der scenischen Ausstattung, besonders bei der Oper, der Féerie und dem Ballett, war man eine Zeit lang zu gesuchtester überladener Prachtausstattung gelangt, so daß die weitgehendste Phantasie des Publikums übertroffen wurde; auch auf das Schauspiel übertrug man diese Richtung. Davon kam man jedoch bald zurück durch den richtigen Gesichtspunkt geleitet, daß beim Schauspiel der Schauplatz zwar mit sorgfältiger Naturtreue, histor. Treue und stimmunggebend darzustellen ist, daß aber die darauf verwendeten Kunstmittel nur der Handlung als harmonischer Untergrund dienen dürfen und nicht für sich wirken oder gar die Aufmerksamkeit von der Handlung ablenken sollen. Wenn die Bühne der frühern Zeit mit beschränkten Mitteln die weitgehendsten Wirkungen erreichte, so soll die moderne Bühne im weitgehendsten Gebrauch der reichhaltigsten Mittel eine harmonische Beschränkung zu finden wissen. Angeregt durch die Wagnervorstellungen zeigten sich die Wirkungen dieses Bestrebens bald bei den meisten größern Bühnen. Auch bei den Opern sucht man den Schauplatz vor Überladung zu wahren und ihn mit stilvoller Reinheit auszustatten.

Die mechan. Hilfsmittel werden noch vermehrt, wenn, wie es besonders bei den Hoftheatern in Deutschland der Fall ist, das täglich wechselnde Repertoir einen täglichen Wechsel der Scenerie fordert, die auch innerhalb einer Vorstellung öfterm, möglichst raschem Wechsel unterworfen ist. Es haben sich in dieser Beziehung besonders drei Bühnenmaschineriesysteme eingeführt: 1) System Gewinner (Asphaleia), zuerst ausgeführt in Budapest, dann in Halle, Göttingen, Chicago. 2) System Brandt, zuerst teilweise 1882 im königl. Opernhaus zu Berlin ausgeführt, wo auch das für die Bühnenbeleuchtung wichtige Dreilampensystem zuerst angewendet wurde, dann im königl. Schauspielhaus zu Berlin, im Hoftheater zu Wiesbaden, im Hoftheater zu Hannover, im Neuen königl. Operntheater (von Kroll) in Berlin. 3) Das System des Burgtheaters in Wien.

In grundsätzlichem Gegensatz zu der jetzt allgemein üblichen Dekorationsbühne, die jeden einzelnen Ort, an dem sich eine Handlung vollzieht, "historisch richtig" und vollkommen "naturgetreu" wirklich herzustellen sucht, steht die (1887 in der "Allgemeinen Zeitung") von Rudolf Genée empfohlene, 1889 von Jocza Savits und Karl Lautenschläger eingerichtete Shakespeare-Bühne in München, die sich damit begnügt, den Ort nur anzudeuten, ihn symbolisch zu bezeichnen, um durch die Macht dieses Symbols den übrigen Theaterraum, auf dem sich die Darsteller bewegen, mitsamt dem architektonischen Bau jeweilig in die entsprechende, vom Dichter gewollte Örtlichkeit geistig zu verwandeln. Auf die Notwendigkeit einer derartigen Bühne und auf ihre Bedeutung für die dramat. Kunst hatten im Gegensatz zu Goethe schon die Romantiker, besonders Ludwig Tieck in den "Dramaturgischen Blättern", hingewiesen; Immermanns praktischer Versuch in Düsseldorf war ohne Nachwirkung geblieben. Die Münchener Shakespeare-Bühne stellte nach Aufführung einer Reihe von Shakespeareschen Dramen, des "Götz von Berlichingen", der "Jungfrau von Orleans" u. a., ihre Vorstellungen wieder ein. (Vgl. R. Genée, Die Entwicklung des Scenischen Theaters und die Bühnenreform in München, Stuttg. 1889; J. Savits, Die Shakespeare-Bühne in München, Berl. 1890.) Dauernden Erfolg scheint das oben erwähnte Volkstheater in Worms zu haben, dessen Bühne der altchristl. Historienbühne nachgebildet ist und hauptsächlich zur Aufführung solcher Werke dient, die sich für diese Art von Darstellung eignen ("Heilige Elisabeth" u. a.).

Litteratur. Langhans, Über T. und Katakustik (Berl. 1810); Cavos, über die architektonische Einrichtung von Theatergebäuden (Lpz. 1849); Filippi und Contant, Théâtres de l'Europe et machines théâtrales (2. Aufl., 2 Bde., Par. 1860); C. Steinbrecht, Theater (in der "Baukunde des Architekten", Berl. 1884); Gosset, Traité de la construction des théâtres (Par. 1885); Schoen, Ein Volkstheater in Worms (Worms 1887); Patte, Architecture théâtrale (Par. 1782); Roubo, Théâtres et machines théâtrales (ebd. 1777); Wyatt, Observations on the design for the Theatre Royal, Drury Lane, as executed in 1812 (Lond. 1813); Sachs und Woodrow, Modern opera houses and theatres (2 Bde., ebd. 1896-97). Vgl. auch Küstner, Vierunddreißig Jahre meiner Theaterleitung (Lpz. 1853) und Taschen- und Handbuch für Theaterstatistik (ebd. 1855; 2. Aufl. 1857); Jahrbuch für das Deutsche T. (bg. von Kürschner, Jahrg. 1, ebd. 1879); Die T. in Preußen. Im amtlichen Auftrage bearbeitet von Victor von Woikowsky-Biedau. Zeitschrift des königlich preuß. Statistischen Bureaus (Berl. 1896).

Theater an der Burg, s. Burgtheater.

Theaterbilletsteuer, eine Luxussteuer, die sich ihres örtlichen Charakters wegen zwar nicht als Einnahmequelle für den Staat, wohl aber als solche für größere Stadtgemeinden eignet. Sie wird in Frankreich in der Höhe von 10 Proz. der Eintrittsgelder erhoben und dient, wie auch die gleichartige Taxe von Konzerten und öffentlichen