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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Theodor; Theodor I.; Theodor II.; Theodora

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Theodor – Theodora (byzantinische Kaiserin, Gemahlin Justinianus' I.)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Theodolit'


Textfigur:

wieder den Winkel ab und hat in der Differenz beider Ablesungen den gesuchten Winkel. Zur Erhöhung der Genauigkeit wird das Verfahren beliebig oft wiederholt. Bei einem Repetitionstheodoliten verfährt man in folgender Art: Man stellt den Horizontalkreis fest und richtet das Fernrohr auf das eine der beiden Objekte (z. B. das links gelegene) und liest den Winkel ab. Ohne den Horizontalkreis zu verschieben, führt man nun das Fernrohr auf das zweite (rechtsliegende) Objekt und hat dadurch den zu messenden Winkel eingestellt. Man führt nun, nachdem der Alhidadenkreis fest an den Horizontalkreis geklemmt, die Klemmung des letztern aber gelöst ist, das Fernrohr nach dem ersten Objekt zurück und stellt es scharf ein; nun stellt man den Horizontalkreis wieder fest und führt das Fernrohr mit dem gelösten Alhidadenkreis von neuem auf das zweite (rechtsgelegene) Objekt und stellt dies wiederum genau ein. Dieses Verfahren läßt sich beliebig oft wiederholen; am Schlusse liest man den zuletzt erhaltenen Winkel ab und dividiert nun den ganzen von der Alhidade auf dem Limbus durchlaufenen Bogen durch die Anzahl der Einstellungen.

Dieses Verfahren, welches den Einfluß der Beobachtungsfehler auf den gemessenen Winkel wesentlich vermindert, wurde zuerst 1752 von Tobias Mayer angegeben und durch Borda in die astron. Praxis eingeführt. Bei der preuß. Landestriangulation wird dasselbe nicht mehr angewendet, vielmehr findet die wiederholte Winkelmessung bei jedesmal beliebig verschobenem Horizontalkreis statt. Bei dem in vorstehender Figur dargestellten, von L. Tesdorpf in Stuttgart gefertigten Repetitionstheodoliten ist H der Horizontalkreis, V der Vertikalkreis, F Fernrohr, L Libelle, B eine Orientierungsbussole mit mikroskopischer Ablesung. (S. auch ↔ Grubentheodolit.) – Über den Phototheodolit s. Photographie (photogr. Apparate) und Photogrammetrie. – Vgl. von Bauernfeind, Elemente der Vermessungskunde (7. Aufl., Stuttg. 1890); Fuhrmann, Die T., ihre Einrichtung, Anwendung, Prüfung und Berichtigung (Lpz. 1896).

Theodor, Name von zwei Päpsten:

T. I. (642–649), Sohn eines Bischofs, aus Jerusalem gebürtig, war ein eifriger Gegner der Monotheleten. Den Patriarchen Pyrrhus von Konstantinopel, der sich erst zur abendländ. Lehre von den zwei Willen in Christo bekannt hatte, dann aber wieder abtrünnig geworden war, verfluchte er auf einer Synode zu Rom.

T. II. war nur 20 Tage lang (Nov. und Dez. 897) Papst. Er brachte das Andenken des Papstes Formosus (s. d.) wieder zu Ehren, indem er den Leichnam desselben feierlich bestattete und die von ihm vollzogenen Weihen anerkannte.

Theodor II., Kaiser von Abessinien, 1818 in Scherbié, der Hauptstadt von Quârâ an der Westgrenze des christl. Abessiniens, geboren, hieß eigentlich Kâsa. Sein Vater Hailu war einst Statthalter von Ouârâ gewesen; seine Mutter war von geringer Herkunft. In dem Kloster Tschankar bei Gondar sollte er zum Geistlichen erzogen werden. Bei der Zerstörung desselben entkam er durch Flucht, lebte eine Zeit lang in der Familie seines hochgestellten Oheims Kenfû, nahm an den innern blutigen Fehden derselben teil, floh in das entlegene Bergland von Saharo und wurde Anführer einer Räuberbande. Als solcher machte er sich gefürchtet und wurde von Menen, der Mutter des Ras Ali, mit der Statthalterschaft von Quârâ betraut. Im Herbst 1848 trat er als Rebell auf und erhielt siegreich von Ras Ali die Landschaften der Menen um Gondar herum und den Titel Dedschazmatsch (Herzog). Weiter besiegte er in rascher Folge im Nov. 1852 Goschu, den Fürsten von Godscham, im Jan. und Juni 1853 den Ras Ali selbst, im Mai 1851 Berû, den Sohn Goschus, und zuletzt im Febr. 1855 den Ubie, Deschatsch von Tigre, in der Schlacht bei Deraskié, und ließ sich zwei Tage darauf durch Abuna Salâmâ als T. II. zum Kaiser (Negus) von Abessinien krönen. Noch im Sommer 1855 erlag auch das Reich Schoa seinen siegreichen Waffen. Mit großer Energie begann er die Regeneration des Landes, rottete das Räuberwesen aus und stellte die Sicherheit der Straßen her. Die Rechtspflege verbesserte er, indem er selbst das Amt des Richters übernahm. Durch die Konfiskation des Grundbesitzes der Geistlichkeit, die zwei Drittel des Landes in Händen hatte, brach er auch das Übergewicht dieser mächtigen Körperschaft, machte sich aber durch despotische Grausamkeit bald verhaßt. Über seine Kämpfe mit den Engländern s. Abessinien (Geschichte). Bei der Erstürmung von Magdala durch die Engländer 13. April 1868 gab er sich den Tod.

Theodor I., König von Corsica, s. Neuhof, Theodor, Baron von.

Theodora, byzant. Kaiserin, Gemahlin Justinianus' I., geb. auf Cypern als Tochter eines Bärenwärters im Cirkus, galt als eine Zierde des Theaters und wurde um 521 die Gemahlin des Patriciers Justinianus, der 527 seinem Oheim Justinus I. auf dem Throne folgte. Scharfer Verstand, große persönliche Entschlossenheit und Talent für polit. Intriguen machten sie zu einer wertvollen Gehilfin für Justinianus, dagegen waren ihre Herrschsucht und ihre grausame Rachsucht allgemein gefürchtet.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 762.