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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Theodosius III.; Theodotion; Theognis; Theogonie; Theokratie; Theokrit; Theologie

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Theodosius III. (byzantinischer Kaiser) - Theologie

Kalligraphos genannt), der Jagd und dem Reiten teilte, leitete die Staatsgeschäfte seit des ausgezeichneten Präfekten Antheinius' Rücktritt 414 die damals zur Augusta erhobene, reich begabte Prinzessin Pulcheria, des T. nur zwei Jahre ältere Schwester. Sie erhielt aber bald eine Rivalin in der Frau, die sie selbst 421 dem Bruder als Gattin zugeführt hatte, Athenais (s. d.), als Christin Eudokia genannt. T. starb Ende Juli 450. (Vgl. Güldenpenning, Geschichte des Oströmischen Reichs unter den Kaisern Arkadius und T. II., Halle 1885.) - Nach ihm wird benannt der Theodosianische Codex, eine unter seiner Regierung 435 begonnene umfassende Kodifikation aller seit Konstantin d. Gr. erschienenen allgemeinen kaiserl. Erlasse. Die Sammluug wurde 438 für das östl. Reich als Gesetzgebung veröffentlicht und 443 auch in dem Abendlande angenommen. Sie besteht aus 16 Büchern; die fünf ersten (diese teils nur im Auszug, teils in Fragmenten erhalten) enthalten das Privatrecht, die übrigen das Staats-, Verwaltungs- und Kriminalrecht. Unter den ältern Ausgaben ist wegen des trefflichen Kommentars die von Gothofredus (Lyon 1665; neue Ausg. von Ritter, Lpz. 1736-45), unter den neuern die von Hänel (Bonn 1842) wegen Vollständigkeit und Behandlung des Textes ausgezeichnet.

Theodosius III., bvzant. Kaiser, s. Byzantinisches Reich.

Theodotion, Bibelübersetzer, um 160 n. Chr. Seine griech. Übersetzung des Alten Testaments ist eine der ältesten und wurde von Origenes in seiner Hexapla benutzt. Sie lehnt sich im ganzen an die Septuaginta (s. d.) an und zeigt eine nur beschränkte Kenntnis des Hebräischen.

Theognis, griech. Elegiendichter, aus dem griech. Megara, dessen Blüte wohl uach 550 v. Chr. fällt. Er war ein entschiedener Aristokrat und wurde daher, als in Megara die Demokratie zur Herrschaft gelangte, mit seinen Parteigenossen aus der Heimat vertrieben. Als aber die aristokratische Partei die Herrschaft in Megara wiedergewonnen hatte, kehrte auch T. zurück. Unter seinem Namen ist eine Sammlung von Gedichten in elegischem Versmaß (im ganzen 1389 Verse) erhalten, deren größerer Teil überwiegend polit. und moralischen Inhalts ist, also der gnomischen Poesie angehört, während die letzten 160 Verse aus Elegien zusammengesetzt sind, die auf heitern Lebensgenuß und Knabenliebe sich beziehen. Die Hauptsammlung ist eine mosaikartige Zusammenstellung von Bruchstücken, von denen mehrere andern Dichtern (namentlich Mimnermus und Solon) angehören. Den zweiten kleinern Teil sprechen einige T. ganz ab und einem spätern Dichter zu. Die Sammlung gaben heraus Bekker (Lpz. 1815 und Berl. 1827), Welcker (Frankf. 1826), Schneidewin ("Delectus poesis graecorum elegiacae", Sekt. I, Gött. 1838), Ziegler (2. Aufl.,Tüb. 1880), Sitzler (Heidelb. 1880), Bergk ("Poetae lyrici graeci", Bd. 2, 4. Aufl., Lpz. 1882). Deutsche Übersetzungen lieferten Thudichum (Büdingen 1828), Weber (Bonn 1834) und Binder (Stuttg. 1859).- Vgl. Rintelen, De Theognide Magarensi poeta (Münst. 1863); C. Müller, De scriptis Theognidis (Jena 1877); M. Schneidewin, De syllogis Theognideis (Straßb. 1878).

Theogonie (grch.), bei den Alten die Lehre von der Abstammung der Götter (s. Hesiod).

Theokratie (grch., d. h. Gottesherrschaft), eine Staatsverfassung, bei der man Gott selbst als den Regenten und die geltenden Gesetze als Befehle Gottes betrachtet. Die Priester sind dabei, als Ver-

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kündiger und Ausleger der göttlichen Befehle, die Stellvertreter des unsichtbaren Regenten. Der Name ist zuerst auf die israel. Staatsform angewendet worden, wie sie nach der spätern Auffassung vor der Königszeit bestanden haben soll und auch nachmals von der Priesterschaft wieder als Ideal angestrebt wurde. Eine ähnliche Staatsverfassung, strebten im Mittelalter die Päpste an, dem Ideale gemäß, welches Augustin in seiner "Civitas Dei" von der T. entworfen hatte.

Theokrit (Theokritos), griech. bukolischer Dichter, geb. um 300 v. Chr. in Syrakus (nach andern auf der Insel Kos), erhielt in Alexandria grammatischen Unterricht und hielt sich die längste Zeit seines Lebens in Syrakus auf, wo er die Gunst Hieros II. genoß. T. ist der Begründer derjenigen Dichtungsgattung, welche man die bukolische, d. i. Hirtendichtung, oder die Idylle (s. d.) nennt; doch hat er dieselbe nicht frei erfunden, sondern dafür volksmäßige Elemente, wie sie besonders in Sicilien vorlagen, und litterar. Vorbilder (hauptsächlich die Mimen des Sophron) benutzt und daraus eine neue Litteraturgattung geschaffen, welche dem Geschmack seiner Zeit zusagte, in der man sich aus der überfeinerung in die gesuude Luft des einfachen Naturlebens zu flüchten suchte. Seine meist im dor. Dialekt geschriebenen Dichtungen, besonders soweit sie Scenen aus dem Hirtenleben oder Genrebilder aus dem niedern Bürgerstande geben, sind ausgezeichnet durch feinen Sinn für das Natürliche und Volkstümliche, frei von aller Sentimentalität und künstlicher Allegorie, voll Wahrheit und Kraft in der Charakterschilderung, hier und da auch Derbheit und Sinnlichkeit nicht verschmähend. Die Ausgaben des T. enthalten 31 Gedichte, von denen aber einige wahrscheinlich, manche sicher nicht von T. herrühren; dazu kommt noch das Fragment eines panegyrischen Gedichts "Berenike" und eine Anzahl Epigramme, denen aber noch mehr nicht von T. herrührende beigegeben sind. Von neuern Ausgaben sind die von Ahrens (Textausgabe in den "Bucoloco graeci", 2. Aufl. 1875; kritische Ausgabe mit den Scholien in den "Bucolicorum graecorum reliquiae", 2 Bde., Lpz. 1855 u. 1859), von Meineke (Berl. 1856), von Fritzsche (mit deutschem Kommentar, 3. Aufl., besorgt von Hiller, Lpz. 1881; mit lat. Kommentar, 2. Ausg., ebd. 1869) und von Ziegler (3. Ausg., Tüb. 1879), von Übersetzungen die von Mörike und Notter (Stuttg. 1855) und von Zimmermann ("Die griech. Bukoliker", ebd. 1856) zu nennen.

Theologie (grch.), der Wortbedeutung nach soviel als Lehre von Gott, die lehrhafte Darstellung der gesamten vom Darstellenden selbst für wahr gehaltenen Religion; so bezeichnet sie bei den Griechen die Lehre von ihren Göttern, deren Geschichte und Verhältnis zur Welt und zum Menschen. Homer und Hesiod, aber auch der Syrer Pherekydes, der Kreter Epimenides hießen daher Theologen. Innerhalb der christl. Kirche kommt das Wort T. zuerst seit dem 4. Jahrh, in eingeschränktem Sinne als die Lehre von der Gottheit des Logos (s. d.) vor, und die Verteidiger dieser Lehre, wie der Evangelist Johannes und Gregor von Nazianz, erhielten den Beinamen Theologen. Seitdem übertrug man den Namen auf die kirchliche Gotteslehre überhaupt. Den Sinn von Religionswissenschaft gewann der Ausdruck erst im Mittelalter durch Abälard (s. d.), der eine "Theologia christiana" schrieb. Schon die Scholastiker unterschieden, je nach den ver-