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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Theupolis - Thibaudeau

Faksimile mit wertvoller Einleitung von Laschitzer im 8. Bande des "Jahrbuchs der kunsthistor. Sammlungen des Kaiserhauses" (Wien 1888).

Theupolis, s. Antiochia (in Syrien).

Thëurgie (grch.), die Zauberkunst, sich durch gewisse Handlungen und Ceremonien mit den Göttern und Geistern in nähere Verbindung zu setzen, um von ihnen Offenbarungen oder sonstige Hilfe zu erlangen. (S. Magie und Nekromantie.)

Theuriet (spr. törĭeh), André, franz. Schriftsteller, geb. 8. Okt. 1833 zu Marly-le-Roi (Seine-et-Oise), studierte in Paris die Rechte und trat dann als Beamter ins Finanzministerium. 1896 wurde er in die Französische Akademie gewählt. Unter seinen Dichtungen sind zu nennen: "Le chemin des bois" (1867), "Les paysans de l'Argonne, 1792" (1871), "Le bleu et le noir" (1873), "Les nids" (1879); von seinen Romanen, die sich durch fein empfundene Landschafts- und Sittenschilderungen auszeichnen, "Mlle Guignon" (1874), "Le mariage de Gérard" (1875; deutsch in Engelhorns "Romanbibliothek"), "La fortune d'Angèle" (1876), "Raymonde" (1877), "Le fils Maugras" (1879), "Sauvageonne" (1880), "La princesse verte" (1880), "La maison des deux Barbeaux" (Lyon 1885), "Amour d'automne" (1888), "L'amoureux de la préfète" (1889), "Reine des bois" (1890), "La Chanoinesse" (1893), "Tentation" (1894), "Flavie" (1895), "Fleur de Nice" (1896), "Cœurs meurtris" (1896), "Contes de la primvère" (1896), "Boisfleury" (1897) u. a. - Vgl. Besson, A. T., sa vie et ses œuvres (Par. 1890).

Theutzerbad, s. Löwenstein.

Theux (spr. tö), Stadt in der belg. Provinz Lüttich, an der Staatsbahnlinie Gouvy-Pepinster, hat (1897) 5425 E.; Wollwäschereien, Spinnerei, Eisenindustrie. T. ist eine der ältesten Städte von Belgien. Nahebei die Ruinen des Schlosses von Franchimont (Frankenberg) und ein Lazaristenkloster.

Theveste, s. Timgad (Bd. 17).

Thevetia Ahovai DC., s. Ahovaibaum.

The Vize, Stadt in der engl. Grafschaft Wilts, s. Devizes.

Thiaki, Insel, s. Ithaka.

Thian-schan, Tien-schan (d. i. Himmelsgebirge), Tengri Tägh (d. h. Geisterberg) der Osttürken, Gebirge in Centralasien, begrenzt dies im N. zwischen 40 und 44° nördl. Br. und 65 bis 95° östl. L. (S. Karte: Innerasien, beim Artikel Asien, sowie Russisch-Centralasien und Turkestan.) Es beginnt östlich von Buchara und endet östlich von Chami und Barkul, vielleicht erst unter 105° östl. L. Die Richtung ist vorwiegend ostnordöstlich, im NW. nordwestlich; zahlreiche Glieder verlaufen von der Hauptkette aus nordwestlich coulissenartlg gegen die westasiat. Steppe. Das Gebirge entstand durch zweimalige Faltung zur Trias- und Tertiärzeit und besteht an den Nordseiten der einzelnen Ketten meist aus ältern Schiefern und Eruptivgesteinen, auf den Südseiten aus jüngern Sedimentbildungen. Der Abfall nach N. ist steil, der nach S. sanfter. Die höchste Erhebung ist der Chan-tengri oder Tengri Chan ("Geisterkönig"), mit etwa 7320 m, an dessen Osten der Musartpaß vom Tarimbecken zum Tekesthal führt. Die einzelnen Hauptzüge sind von O. aus, abgesehen von dem Vermittler zwischen T. und Altai, dem Tarbagatai, der Dsungarische Alatau, der Bogdo-ola, der Transilische Alatau, der Kungei-Alatau, das Alexandergebirge, ferner der Terskei-Alatau und die Alaiketten, meist 5-6000 m hohe Gebirge, zwischen denen Längsthäler eingeschaltet sind und die nur in sehr hohen Paßübergängen überschritten werden können; im W. erreicht der Kaufmann-Berg 7000 m. Nur im Meridian des Issyk-kul (s. d.) überquert eine Erniedrigung sämtliche Thian-schan-Ketten. Die größten Flüsse sind der Ili im N., der Naryn, Oberlauf des Syr-darja, in der Mitte, der Serafschan im S. Die Baum- und Schneegrenze steigen nach O. an, letztere von 3600 bis 5000 m, erstere von 2500 bis 2800 m; den untern Teil des Gebirges überzieht Steppe; von 1500 bis 2800 m bildet die Pinus obovata Ant. dichte Wälder, darüber erstrecken sich die Bergriesen der Kirgisen und Tanguten sowie die hochalpine Flora bis zur Schneeregion. Gewaltige Gletscher krönen die Firste des T. und hängen in die Thäler herab. Der Semenowgletscher ist 26 km lang, der Muschketowgletscher endet in 3400 m Höhe; in den Alaiketten wird der Serafschangletscher 25 km lang. Zwei Handelsstraßen durchziehen den T. Die eine, der Terekpaß, führt von Ferghana nach Kaschgar, war schon im Altertum der Handelsweg zwischen Westasien und China und diente den Mongolen zum Ausgangsthor nach Westasien. Die zweite führt im Ilithal aufwärts über Kuldscha nach dem östl. Tarimbecken. Im Südwesten dient der T. als Grenze zwischen Russisch- und Chinesisch-Asien, im Norden läuft die Grenze quer über seine Kämme.

Thiasos, bei den alten Griechen ein Verein oder eine Schar, die einem Gott zu Ehren Tänze und Aufzüge ausführte, besonders in Bezug auf den Bacchantenzug des Dionysos gebraucht.

Thiazine, s. Lauths Violett.

Thibaudeau (spr. tibodoh), Antoine Claire, Graf, franz. Geschichtschreiber und Politiker, geb. 23. März 1765 zu Poitiers, war beim Ausbruch der Revolution, der er sich mit Begeisterung anschloß, Advokat in seiner Heimatsstadt. 1792 zum Konventsdeputierten gewählt, hielt er sich zur Bergpartei und wurde 21. Febr. 1796 Präsident des Rats der Fünfhundert. Er hatte dem Radikalismus den Rücken gelehrt und wurde, weil er sich gegen jeden Staatsstreich ausgesprochen hatte, vom Direktorium 18. Fructidor (4. Sept. 1797) auf die Deportationsliste gesetzt. Seine Freunde bewirkten jedoch seine Rehabilitierung, und er trat wieder in den Advokatenstand. Die Revolution vom 18. Brumaire (9. Nov. 1799) führte T. abermals auf den polit. Schauplatz, er wurde Präfekt von Bordeaux und erhielt dann einen Sitz im Staatsrat, den er bis 1808 behielt, wo er zum Grafen und Präfekten des Depart. Rhônemündungen ernannt wurde. Die Restauration entfernte ihn von diesem Posten. Während der Hundert Tage wiederum zum Staatsrat, zum kaiserl. Kommissar im Depart. Côte-d'Or und zum Mitglied der Pairskammer ernannt, ward er nach der zweiten Restauration als Königsmörder verbannt. Nach der Julirevolution von 1830 kehrte T. zurück. Nach dem Staatsstreich vom 2. Dez. 1851 ernannte ihn Napoleon zum Senator. Er starb 1. März 1854. Wert für die Geschichte haben seine "Mémoires sur la Convention et le Directoire" (2 Bde., Par. 1824), seine "Mémoires sur le Consulat, par un ancien Conseiller d'État, 1799-1804" (ebd. 1827), "Histoire générale de Napoléon Bonaparte" (5 Bde. ebd. 1828), "Le Consulat et l'Empire" (10 Bde., ebd. 1835; 2. Aufl. 1837-38), "Histoire des États généraux et des institutions représentatives en France" (2 Bde., ebd. 1843). Nach seinem Tode erschien: "Ma biographie, mes mémoires 1765-92" (Par. 1875).