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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Thonetsche Räder - Thonwaren

Thonetsche Räder, hölzerne Räder mit metallener Nabe, die das Auswechseln zerbrochener Speichen ohne Nacharbeiten ermöglichen sollen; sie wurden 1860 von dem Wiener Fabrikanten Thonet konstruiert und sind in verschiedenen Feldartillerien eingeführt.

Thongefäße, prähistorische s. Prähistorische Thongefäße sowie die Abbildungen auf den Tafeln: Urgeschichte I-IV.

Thoniger Siderit, s. Eisenspat.

Thonindustrieschulen, soviel wie Keramische Schulen (s. d.).

Thonissen, Joh. Jos., belg. Staatsmann und nationalökonomischer Schriftsteller, geb. 21. Jan. 1816 zu Hasselt, studierte Jura, war dann Staatsanwaltssubstitut und wurde 1848 Professor an der kath. Universität zu Löwen, wo er bis 1884 Lehrer des Strafrechts war. Seit 1863 Mitglied der Abgeordnetenkammer für den Bezirk Hasselt, war er vom 26. Okt. 1884 bis 24. Okt. 1887 Minister des Innern und öffentlichen Unterrichts. Er starb 17. Aug. 1891 in Löwen. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: "Constitution belge annotée" (1844; 3. Aufl. 1879), "Complément du code pénal" (3 Bde., 1846-50), "Le socialisme dans de la passé" (3 Bde., 1851), "Le socialisme dans l'antiquité jusqu'á la constitution de 1852" (2 Bde., 1852), "La Belgique sous le règne de Leopold Ier" (3 Bde., 2. Aufl. 1862), "De la prétendue nécessité de la peine de mort" (1864), "La théorie du progrès indéfini, dans ses rapports avec l'histoire de la civilisation et les dogmes du christianisme" (Par. 1869), "Études sur l'histoire du droit criminel des peuples anciens" (2 Bde., 1869), "Mélanges d'histoire, de droit et d'économie politique" (1873), "L'organisation judiciare, le droit pénal et la procedure pénale de la loi salique" (2. Aufl. 1882), "Travaux préperatoires du code de procédure pénale" (2 Bde., Brüss. 1885).

Thonknetmaschine, s. Thonwarenfabrikation.

Thonon-les-Bains (spr. tonóng lä bäng). 1) Arrondissement im franz. Depart. Obersavoyen, hat (1896) 62 208 E., 6 Kantone und 71 Gemeinden. - 2) Hauptstadt des Arrondissements T. oder der Landschaft Chablais (s. d.), früher Residenz der Herzöge von Savoyen, am Südufer des Genfer Sees, westlich vom Delta der Dranse, an der Seitenlinie Bellegarde-Evian-les-Bains der Mittelmeerbahn, besteht aus zwei durch Drahtseilbahn verbundenen Teilen, der eigentlichen Stadt auf dem den See beherrschenden Plateau mit dem Bahnhof und dem Platz, wo früher das herzogl. Schloß stand, und Rives unten am Hafen, der durch Dampfer mit Genf, Evian u. s. w. verbunden ist, und hat (1896) 3638, als Gemeinde 5666 E., Gerichtshof erster Instanz, Ackerbaukammer, Forstinspektion, eine Kirche aus dem 15. Jahrh. mit hübschem modernen Turme, ein Collège, Kloster, Spital, Mineralquellen; Baumwollspinnerei, Uhrmacherei, Brauerei, Lohgerberei, Gießerei, Schiffbau, Handel mit Holz, Steinen, Gips, Getreide.

Thonsandstein, ein in vielen sedimentären Formationen verbreiteter Sandstein, der Thon bald in fein verteiltem Zustande, bald in kleinen Knöllchen oder Bröckchen enthält; der Thon stammt ursprünglich von der Verwesung von Feldspatpartikelchen her, die mit den Quarzkörnchen des Sandsteins zum Absatz in Gewässern gelangten.

Thonschiefer, ein grauschwarzer, bläulich-schwarzer oder dunkelgrünlicher, dem bloßen Auge homogen erscheinender Schiefer (s. d.) von oft außerordentlich vollkommener Schieferung, weshalb er sich leicht in sehr dünne, schimmernde Platten spalten läßt (Tafelschiefer, Dachschiefer, s. d.). Diese Schieferung ist oft gar nicht mehr die ursprüngliche, sondern eine unter Verwischung derselben sekundär durch seitlichen Gebirgsdruck zu stände gekommene. Als ehemaliger im Wasser abgesetzter Schlamm besteht der T. hauptsächlich aus feinst zerriebenem Material anderer Gesteine, aus mikroskopischen Quarz- und Feldspatkörnchen, Glimmerschüppchen, Thonteilchen, wozu sich auch krystallinische bräunliche Nüdelchen von Rutil gesellen. Mehrere T. besitzen auch einen Gehalt an kohlensaurem Kalk; accessorisch tritt namentlich Eisenkies in Krystallen und Knollen, Quarz in Adern und Wülsten darin auf. Auf der einen Seite gehen diese Gesteine in Phyllite, auf der andern oft in Grauwacke und Sandstein über. Auch der Griffelschiefer, der sich infolge einer gleichzeitigen Ausbildung zweier sich durchschneidender Systeme der Schieferung in Stengel oder griffelförmige Stifte spalten läßt, und der Zeichenschiefer, ein durch viel Kohlenstoff schwarzgefärbter, weicher und milder Schiefer, sind Varietäten des T. Der eigentliche, oft Versteinerungen führende T., findet sich in mächtigen Schichtensystemen namentlich im Bereich der ältesten Sedimentformationen, des Silur, Devon und des Kulm; doch treten auch in jüngern Formationen ganz ähnliche Schiefer auf, wie die von Cervins, die berühmtesten Savoyens, die in der Juraformation lagern, und die ausgezeichneten von Glarus, die der untern Tertiärformation angehören.

Thontauben, kleine Scheiben aus Thon, die mit der Hand oder einer kleinen Wurfmaschine in die Luft geworfen werden, um als Ziel bei Schießübungen zu dienen.

Thonwaren, nächst den Geweben die ältesten und am mannigfachsten angewendeten Erzeugnisse des Gewerbfleißes. Die gegenwärtig hergestellten T. teilt man nach der innern Beschaffenheit der gebrannten Masse (des Scherbens) in dichte und poröse. Jene sind während des Brennens so stark erhitzt worden, daß ihre Masse zusammengesintert (aufgelöst, zerflossen) erscheint; sie sind im Bruch mehr oder weniger glasartig, undurchdringlich für Wasser, hellklingend und geben am Stahl Funken. Dagegen sind die porösen T. nicht verglast, daher mehr oder weniger locker; der Bruch ist erdig, die Masse zerreiblich, läßt in unglasiertem Zustand Wasser durch und klebt an der Zunge. Die gebrannte Ware, mag sie porös oder dicht sein, bleibt entweder rauh, oder sie wird mit einer glasartigen Masse, der Glasur (s. d.), überzogen. (Manche unglasierte Steinzeug- oder Töpferwaren werden auch lackiert und dann im Handel als Siderolith oder Terralith bezeichnet.) Bei den dichten T. unterscheidet man nach Brongniart und Knapp:

A. Durchscheinende T. a. Strengflüssige (Hartporzellan): 1) Echtes Porzellan, dessen Masse aus einem innigen Gemenge von reinem farblosen Kaolin, Feldspat und Quarz besteht; sie wird zunächst schwach gebrannt, dann glasiert und nun bei sehr hoher Temperatur gar gebrannt. Die Glasur wird aus Kaolin, Quarz und kohlensaurem Kalk mit oder ohne Feldspatzusatz bereitet. Zu den Hartporzellanen gehören diejenigen der königl. Manufakturen in Charlottenburg, Meißen, Nymphenburg, sowie dasjenige von Sèvres. Den über-^[folgende Seite]