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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Thonwarenfabrikation

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Thonwarenfabrikation

gang zu den Weichporzellanen bilden die chines. und japan. Porzellane und das Seger-Porzellan, ein in mäßigem Umfange zu Charlottenburg hergestelltes Porzellan. b. Leichtflüssige (Weichporzellan). 2) Englisches Porzellan wird aus kalkhaltiger Porzellanerde (Cornish clay), einem feldspatartigen Material (Cornish stone), plastischem Thon mit Feuerstein und Knochenasche hergestellt und wegen des Zusatzes der letztern auch Knochenporzellan genannt. Erst wird bei höherer Temperatur die Masse, dann in einer zweiten, gelindern Hitze die bleihaltige Glasur gebrannt. 3) Französisches Frittenporzellan ist ein unvollständig geschmolzenes Alkali-Erdsilikat ohne Thonzusatz mit bleihaltiger Glasur, gehört also eigentlich nicht zu den T.; demselben steht das Heißgußporzellan oder Kryolithglas sehr nahe. Aus einer Masse, ähnlich der des engl. Porzellans, nur daß sie strengflüssiger ist, besteht das unglasierte parische Porzellan oder Parian; eine in der Mitte zwischen Steinzeug und Parian stehende Masse wird Carrara genannt.

B. Nicht durchscheinende T. a. Weißes unglasiertes Steingut (Wedgwood, englisches Steingut), b. Gemeines Steinzeug mit Salzglasur. Die Masse besteht aus plastischem Thon (Pfeifenthon), dem zur Verminderung des Schwindens zuweilen Sand zugesetzt wird. Zwischen die T. mit geflossenem und diejenigen mit porösem Scherben ist das Steingut einzuordnen, dessen Scherben nur noch wenig porös aber noch nicht geflossen ist. Die Masse besteht aus weniger feuerfestem, sich weiß brennendem Thon mit Zusatz von Kaolin und Feuerstein. Die Glasur ist borsäure- oder bleioxydhaltig, durchsichtig. Zu den T. mit porösem Scherben rechnet man: 1) die feine Fayence, besteht aus sich weiß oder gelblich brennendem, wenig feuerfestem Thon mit durchsichtiger, bleihaltiger Glasur; 2) die gewöhnliche Fayence, aus sich gelblich brennendem Thon oder Thonmergel, mit undurchsichtiger weißer oder gefärbter Zinnglasur. Hierzu gehören die mit Ornamenten und Figurenmalereien geschmückten Majolikagefäße, die holländ. Fayence (Delfter Ware), Ofenkacheln u. s. w.; 3) die gemeine Töpferware, irdene Ware oder Töpferzeug, wird aus Töpferthon und Thonmergel mit Blei- oder Erdglasur hergestellt, durch Metalloxyde gefärbt und nur einmal (mit der Glasur) gebrannt; 4) poröse unglasierte T., Terracotta, die zu Drainröhren, Blumentöpfen, Thonpfeifen und Kühlkrügen, neuerdings auch vielfach zu großen Figuren, architektonischen Ornamenten, den sog. Bauterrakotten (s. Terracotta) Verwendung findet. Hieran schließen sich die feuerfesten T. und die Ziegel. Feuerfeste Schmelztiegel werden aus feuerfestem Thon, mit grobem Sand, auch mit Graphit vermischt, verfertigt. Über die aus Thonmasse bestehenden feuerfesten Steine s. Chamotte. Die Ziegel (Mauersteine, Backsteine und Dachsteine) werden aus Lehm, magerm Töpferthon oder Kalkmergel mit Zusatz von Sand hergestellt, durch Eisen gelb bis rot und braun gefärbt und zuweilen glasiert. Über die technische Herstellung der T. s. Thonwarenfabrikation; über die künstlerische Behandlung derselben s. Fayence, Fliesen, Majolika, Porzellan, Terracotta u. s. w.

Thonwarenfabrikation, die gewerbmäßige Herstellung der Thonwaren (s. d.). Gegenwärtig hat auf diesem Gebiete die Maschinenarbeit den Handbetrieb bedeutend eingeschränkt. Dies gilt namentlich für die Ziegel. Ehe man den Thon verarbeitet, läßt man ihn wintern, d. h. man läßt ihn, mit Wasser angefeuchtet, wenn möglich bei Frostkälte längere Zeit lagern, wodurch er bedeutend an Bildsamkeit gewinnt. Dieses Wintern (Faulen) ist ein langsamer Verwitterungsprozeß, durch den die im Thon enthaltenen Mineralien durch die mechan. und chem. Einwirkung der Feuchtigkeit aufgeschlossen werden. Bei der Ziegel- und Thonröhrenfabrikation wird der so vorbereitete Thon in Walzwerken gebrochen. Gewöhnlich bedient man sich mehrerer glatter oder (bei stark mit Steinen versetztem Thon) geriffelter Walzenpaare; nur für besonders reines und schweres Material genügt ein Paar derselben. Die Anordnung dieser Walzwerke ist aus der Tafel: Thonwarenfabrikation I, Fig. 1, ein liegendes Walzwerk von C. Schlickeysen in Berlin darstellend, ersichtlich. Das Material gelangt durch einen Fülltrichter zwischen die beiden Hartgußwalzen, die ungleiche Umfangsgeschwindigkeit haben, so daß die Masse nicht nur gequetscht, sondern gleichzeitig zerrissen und zerrieben wird. Von dem letzten Walzwerk wird das Material mit Hilfe eines Elevators, wie in Taf. II, Fig. 4, angenommen, oder auch durch Transportkarren nach der Ziegelmaschine befördert; bisweilen ist das Feinwalzwerk auch unmittelbar über der letztern angeordnet, z. B. bei der liegenden Ziegelpresse von C. Schlickeysen (Taf. I, Fig. 4). In Fällen, wo das zu verarbeitende Material sehr schwer zu mischen und zu vereinigen ist, werden besondere Vorschneider angewendet; andernfalls gelangt dasselbe unmittelbar in die Ziegelpresse, die gleichzeitig Thonknet- und Mischmaschine, Presse und Formmaschine ist. Die Ziegelpressen werden entweder mit vertikaler Arbeitswelle (wie in Taf. II, Fig. 3 u. 4) oder horizontal (Taf. I, Fig. 3 u. 4) angeordnet. Die erstere Anordnung ist die ältere und aus den früher gebräuchlichen holländ. Kleinmühlen oder Thonknetmaschinen entstanden. Auf Taf. II, Fig. 3, ist die vertikale Ziegelpresse von C. Schlickeysen in ihrer Anwendung für direkten Pferdebetrieb veranschaulicht. Das Innere des Apparats entspricht demjenigen der durch Dampf betriebenen Röhrenpresse (Taf. I, Fig. 6). In dem gußeisernen, schwach konischen Gefäß ist die vertikale Welle gelagert, die mit breiten, schraubenförmig gekrümmten Flügeln oder Messern besetzt ist. Dieselben zerschneiden und kneten den von oben hineingeworfenen und durch die eigentümliche Form der Flügel sowie durch sein Eigengewicht nach dem Boden zu gedrückten Thon und pressen denselben durch das am Boden des Gefäßes angebrachte Mundstück nach außen auf einen mit Rollen versehenen Tisch, der in der Regel eine Vorrichtung besitzt, um den austretenden Thonstrang nach der gewünschten Ziegelform zu zerschneiden. Die in Taf. II, Fig. 4, dargestellte Anordnung, die für größern Fabrikbetrieb bestimmt ist, unterscheidet sich von der Anordnung Taf. II, Fig. 3, namentlich dadurch, daß die Presse zwei Ausflußöffnungen hat; außerdem geschieht hier die Beschickung mechanisch durch einen Elevator, während die für kleinern oder zeitweiligen Betrieb geeignete Ziegelpresse Fig. 3 von Hand gefüllt werden muß. Die Abschneidetische laufen auf Untergestellen auf Rollen und erleichtern so das saubere Abschneiden der Steine.

Das Princip der horizontalen Ziegelpressen ist das nämliche wie eben angeführt. Der eingebrachte